SJB-FondsAnlage Aktuell-StandPunkte: Warum steht die Fusion von Deutscher Börse und LSE vor dem Aus?

01. März 2017 von um 14:00 Uhr
Gerd Bennewirtz, Gründungsgesellschafter SJB der SJB FondsSkyline OHG 1989.Die StandPunkte sind der börsentägliche Informationsservice für die Premiumkunden der SJB. Sie behandeln Ereignisse aus dem Alltag, sind aber alles andere als alltäglich. Wir sind politisch, wenn nötig polemisch und immer ironisch. Warum sonst hätten wir abendliche Stammleser seit 2003? Hm?

SJB-FondsAnlage Aktuell-StandPunkte: Warum steht die Fusion von Deutscher Börse und LSE vor dem Aus? „Der lange geplante Zusammenschluss derSJB Fonds in der Presse Deutschen Börse mit der London Stock Exchange (LSE) steht offensichtlich vor dem Aus. Auf den ersten Blick scheinen nicht erfüllte Vorgaben der EU-Kommission der Grund hierfür zu sein“, fasst Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer und FondsVerwalter der SJB FondsSkyline OHG 1989 aus Korschenbroich, die jüngsten Entwicklungen rund um die Mega-Fusion der beiden Börsen zusammen. „Doch die Weigerung der LSE, bestimmte Fusionsvorgaben aus Brüssel zu erfüllen, könnte ganz andere Gründe haben. Was sind die wahren Motive für das Platzen der Fusion, und macht diese in Zeiten des Brexit überhaupt noch Sinn?“ Die wichtigsten Infos zu diesem kontroversen Thema finden sich hier!

Liebe FondsBlogger, die Fusion der London Stock Exchange (LSE) mit der Deutschen Börse ist praktisch gescheitert. Zwar steht die offizielle Entscheidung der EU-Kommission noch aus, doch durch die Weigerung der LSE, die Fusionsvorgaben aus Brüssel zu erfüllen, ist nicht mehr mit einer Genehmigung zu rechnen. Der Hintergrund: Die London Stock Exchange ist nicht willens, die neueste Vorgabe der EU-Wettbewerbshüter umzusetzen und ihren Mehrheitsanteil an der italienischen Anleihen-Handelsplattform MTS zu verkaufen.

In der Folge ist nicht mehr von einer Zustimmung aus Brüssel für die Börsenfusion auszugehen, wie die LSE selbst bekannt gab: Aber ist dies der wahre Grund für das Scheitern des Zusammenschlusses? Marktbeobachter betonen, dass die Forderung nach einem Verkauf der Anteile an der italienischen Handelsplattform eine vergleichsweise geringe Hürde für die LSE gewesen sei. Nehmen die Londoner Börsenbetreiber dies also nur als einen Vorwand, um die Fusion mit voller Absicht platzen zu lassen?

Vieles spricht dafür, und weitere Gründe für das Scheitern des Zusammenschlusses existieren genug: So berichten Insider, dass es Konflikte um den Sitz der künftigen fusionierten Börse gegeben habe, zudem könnten die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter eine Rolle gespielt haben. Ein ganz wichtiges Element für das Scheitern der Fusion ist jedoch der „Brexit“, der im Juni 2016 mittels einer Volksabstimmung in Großbritannien beschlossen wurde und damit noch nicht bekannt war, als LSE und Deutsche Börse ihre Fusionspläne schmiedeten. Vor gut einem Jahr hatten die beiden Börsenbetreiber ihren Plan öffentlich gemacht, eine europäische Superbörse zu schaffen. Die zwei Konzerne benötigen dafür sowohl die Zustimmung der EU-Kommission als auch der hessischen Börsenaufsicht – und von beiden Seiten gab es Kritik an dem Mega-Projekt. Besonders die EU-Kommission in Brüssel zeigte sich skeptisch und hatte Ende September 2016 eine vertiefte Prüfung des Milliardenvorhabens eingeleitet. Die Weigerung der LSE, der im Rahmen der Prüfung erhobenen Forderung nach einer Aufgabe der Mehrheit an der italienischen MTS-Handelsplattform nachzukommen, könnte somit eine besonders elegante Form sein, den Deal vor die Wand zu fahren. Denn der Vorstand der LSE wollte keine Debatte darüber führen, ob der Holdingsitz der fusionierten Börse wegen des Ausstiegs Großbritanniens aus der Europäischen Union von London nach Frankfurt verlagert werden muss.

Weitere Gründe für das Platzen der Fusion dürften in der Person von Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter liegen. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hatte Kengeter Insiderhandel vorgeworfen und sein Büro bei der Deutschen Börse sowie seine Wohnung Anfang Februar durchsucht. Angeblich hatte der Vorstandschef im Dezember 2015, gut zwei Monate vor Bekanntwerden der Fusionsgespräche, in großem Stil Aktien der Deutschen Börse gekauft. Kengeter hat die Vorwürfe des Insiderhandels zwar zurückgewiesen, doch nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft gab es zu diesem Zeitpunkt bereits Fusionsgespräche mit der LSE. Wie auch immer das Verfahren gegen Kengeter ausgeht: Marktbeobachter halten ihn nach Bekanntwerden der Ermittlungen für keinen geeigneten Kandidaten mehr für den Vorstand einer fusionierten Mega-Börse – ein weiteres Problem auf dem Weg zum Zusammenschluss von Deutscher Börse und LSE.

SJB FondsSkyline. Fazit. Warum steht die Fusion von Deutscher Börse und LSE vor dem Aus? Nicht die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Kengeter und auch nicht zu scharfe Vorgaben der EU-Kommission für eine Genehmigung der Börsen-Megafusion scheinen mir der wahre Grund für das Scheitern des Zusammenschlusses zu sein, sondern vielmehr die zuvor nicht absehbaren Konsequenzen des „Brexit“. In den bereits ausgehandelten Verträgen zwischen Deutscher Börse und LSE ist London als rechtlicher Sitz der neuen Holding festgeschrieben – ein Entschluss, der nach der Entscheidung der Briten zum EU-Austritt so nicht mehr zu halten ist: Denn wie könnte eine neue europäische Superbörse, die den kompletten deutschen Aktienhandel abwickeln soll, ihren Sitz außerhalb der Europäischen Union haben? Völlig zu Recht kritisieren Politiker wie Kapitalmarktakteure am Finanzplatz Frankfurt diese Planung. Und genau wegen diesem Streit über den Sitz der Dachgesellschaft hat die LSE die Reißleine gezogen und den Zusammenschluss platzen lassen.

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Kategorien: Echo. Analytisch.
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