SJB-FondsAnlage Aktuell-StandPunkte: Hilft der Ukraine der ausgehandelte Schuldenschnitt?

02. September 2015 von um 15:00 Uhr
Gerd Bennewirtz, Gründungsgesellschafter SJB der SJB FondsSkyline OHG 1989.Die StandPunkte sind der börsentägliche Informationsservice für die Premiumkunden der SJB. Sie behandeln Ereignisse aus dem Alltag, sind aber alles andere als alltäglich. Wir sind politisch, wenn nötig polemisch und immer ironisch. Warum sonst hätten wir abendliche Stammleser seit 2003? Hm?

individualitaet SJB-FondsAnlage Aktuell-StandPunkte: Hilft der Ukraine der ausgehandelte Schuldenschnitt? „Während die Verhandlungen um eine Umstrukturierung der Schulden Griechenlands von einem großen Medienecho begleitet waren, hat nun die gleichfalls vom Staatsbankrott bedrohte Ukraine relativ unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit einen Schuldenschnitt mit ihren Gläubigern ausgehandelt. Auf 20 Prozent ihrer Forderungen wollen die Kreditgeber der Ukraine verzichten, um so dem vom Bürgerkrieg geplagten Land eine Atempause angesichts der einbrechenden Wirtschaftsleistung zu verschaffen“, fasst Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer und FondsVerwalter der SJB FondsSkyline OHG 1989 aus Neuss-Korschenbroich, die jüngsten Entwicklungen an der Schuldenfront zusammen. Ist der Ukraine mit dem 20-prozentigen Schuldenerlass und der geplanten Umstrukturierung der Verbindlichkeiten wirklich geholfen? Alle Details zu dieser spannenden Frage finden sich hier!

Liebe FondsBlogger, nach monatelangen Verhandlungen hat die Regierung in Kiew eine Einigung mit ihren westlichen Gläubigern erreicht und den drohenden Staatsbankrott im letzten Moment noch einmal abgewendet. Der Ukraine werden knapp vier Milliarden US-Dollar ihrer Schulden erlassen, was einem Verzicht der Kreditgeber der Ukraine auf 20 Prozent ihrer Forderungen entspricht. Neben dem 20-prozentigen Schuldenschnitt soll es bis zum Oktober eine Umstrukturierung der Schulden der Ukraine in Fremdwährung geben.

Nur eine Nation wird die Schuldenerleichterungen für die Ukraine nicht mittragen: Russland hat bereits angekündigt, seine Forderungen an die ehemalige Sowjetrepublik zu 100 Prozent eintreiben zu wollen. Trotzdem konnte der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk erfreut verkünden, dass der von vielen Marktbeobachtern vorhergesehene Staatsbankrott der Ukraine nicht stattfinden wird. Denn die westliche Gläubigergruppe erlässt der Ukraine nach fünfmonatigen zähen Verhandlungen ein Fünftel ihrer Verbindlichkeiten – dies entspricht einem Betrag von 3,1 Milliarden EUR. Die noch verbleibende Restschuld von rund 15 Milliarden US-Dollar wird in ihrer Fälligkeit nach hinten verschoben und soll nun in einem Zeitraum von 2019 bis 2027 zurückgezahlt werden.

Als Bonbon für die Kreditgeber fungiert dabei der erhöhte Zinssatz: Waren die Fremdwährungsverbindlichkeiten der Ukraine zuvor mit einem durchschnittlichen Zinssatz von 7,22 Prozent versehen, sieht das neu erreichte Abkommen jetzt einen einheitlichen Zinssatz von 7,75 Prozent vor. Der ursprüngliche Plan der Ukraine, bei ihren Gläubigern einen Schuldenschnitt von 40 Prozent zu erreichen, wurde jedoch nicht realisiert. Trotzdem ist die nun erfolgte Restrukturierung der ukrainischen Staatsschulden eine wichtige Voraussetzung für weitere Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Dass ein vollständiges Zurückzahlen der zum Teil mit kurzfristigen Fälligkeiten versehenen ukrainischen Schulden ohnehin nicht möglich gewesen wäre, beweist ein Blick auf die aktuellen Wirtschaftsdaten: Die Wirtschaftsleistung der Ukraine ist im ersten Halbjahr 2015 auch aufgrund des Krieges mit prorussischen Separatisten im Osten des Landes um 16,3 Prozent eingebrochen. Deutlich zugelegt hat hingegen die Inflation, die im Juli bei satten 55,3 Prozent gelegen hatte. Keine guten Voraussetzungen für eine schnelle Erholung des Landes, das auch nach den Schuldenerleichterungen weiter am Rande einer Staatspleite steht und dringend ein milliardenschweres Hilfspaket benötigt.

SJB FondsSkyline. Fazit. Hilft der Ukraine der ausgehandelte Schuldenschnitt?

Der nun realisierte „Haircut“ auf die ukrainische Staatsverschuldung ist ein wichtiger Schritt in Richtung der wirtschaftlichen und finanziellen Gesundung des Landes. Nicht umsonst fielen die Kommentare zur Einigung sehr positiv aus: EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker lobte, dass die Einigung der Ukraine die Möglichkeit für weitere Reformen schaffe, und auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier nannte den Deal einen „großen Schritt“ zu mehr wirtschaftlicher Stabilität. Am euphorischsten äußerte sich die ukrainische Finanzministerin Natalia Jaresko, die nach dem Schuldenschnitt von einer „Win-Win-Situation“ für alle Seiten sprach. Trotzdem darf nicht übersehen werden: Die Vereinbarung ist nur der erste Schritt auf dem langen und steinigen Weg in die ökonomische Gesundung. Gut für die Ukraine, dass der nun ausgehandelte Schulden-Deal mit den Vorgaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) übereinstimmt und es deshalb IWF-Chefin Christine Lagarde ermöglicht, dem Land ein 40 Milliarden US-Dollar schweres Rettungspaket zu gewähren. Denn die neuen Hilfsmilliarden, ohne die das Land direkt wieder in akute Finanznot geraten würde, waren vom IWF von einer erfolgreichen Umschuldung abhängig gemacht worden. Bis die Ukraine wirtschaftlich und finanziell wieder komplett auf eigenen Beinen stehen kann, werden aber auch nach dem erfolgreichen Schuldenschnitt noch viele Jahre vergehen.

 

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