SJB-FondsAnlage Aktuell-StandPunkte: Geht der Kursabsturz der türkischen Lira weiter?

08. Dezember 2016 von um 14:30 Uhr
Gerd Bennewirtz, Gründungsgesellschafter SJB der SJB FondsSkyline OHG 1989.Die StandPunkte sind der börsentägliche Informationsservice für die Premiumkunden der SJB. Sie behandeln Ereignisse aus dem Alltag, sind aber alles andere als alltäglich. Wir sind politisch, wenn nötig polemisch und immer ironisch. Warum sonst hätten wir abendliche Stammleser seit 2003? Hm?

Garantierte Individualität finden Sie bei uns in jedem FondsDepot! SJB-FondsAnlage Aktuell-StandPunkte: Geht der Kursabsturz der türkischen Lira weiter? „Die türkische Lira ist unter starken Abwertungsdruck gegenüber den wichtigsten Handelswährungen gekommen. Nicht nur gegenüber dem starken US-Dollar, sondern auch im Vergleich mit dem ohnehin schwachen Euro geriet die Valuta in akute Bedrängnis“, fasst Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer und FondsVerwalter der SJB FondsSkyline OHG 1989 aus Neuss-Korschenbroich, die jüngsten Entwicklungen am Devisenmarkt zusammen. „Nachdem alleine im November Kursverluste von rund zehn Prozent zu verzeichnen waren, hat Präsident Erdogan die Türken aufgerufen, ihre Fremdwährungen in Lira zu tauschen. Doch dieser Appell macht erst recht klar, dass erhebliche Probleme in der türkischen Volkswirtschaft vorliegen.“ Alle wichtigen Infos zum Lira-Crash finden Sie hier.

Liebe FondsBlogger, der Wert der türkischen Lira (TRY) ist an den Devisenmärkten seit dem Putschversuch im Juli stark gefallen. Zuletzt beschleunigte sich der Kursverfall noch: Gegenüber dem US-Dollar hat die türkische Lira im Jahre 2016 allein ein Fünftel ihres Wertes verloren, gegenüber dem Euro sieht es mit einem Minus von 16 Prozent kaum besser aus. Um den immer mehr an Fahrt gewinnenden Kursrutsch der Valuta zu stoppen, hat der türkische Präsident Erdogan nun das Volk um Unterstützung gebeten. Erdogan ruft seine Landsleute dazu auf, ihre Devisen in Lira zu tauschen – ein Appell, dem kaum Folge geleistet wird.

Umgekehrt wirft die Aufforderung, aus „patriotischen Motiven“ vorhandene Fremdwährungen in die heimische Valuta zu wechseln, ein ganz schlechtes Licht auf den Zustand der türkischen Ökonomie. Wie schlimm muss es um eine Volkswirtschaft stehen, bevor man die eigenen Bürger zum Devisenverkauf auffordert und sich somit zum Gespött der internationalen Währungsmärkte macht? Doch Erdogan scheint dies nicht zu stören, er ruft vielmehr dazu auf, die Pläne „gewisser Kreise“ zu durchkreuzen, die es auf einen Kursverlust der türkischen Währung und eine absichtliche Schwächung der dortigen Wirtschaft abgesehen hätten. Die wilden Verschwörungstheorien, die Erdogan in Zusammenhang mit dem Kursverfall der heimischen Währung in die Welt gesetzt hat, machen die Lage auch nicht besser – im Gegenteil.

Am Devisenmarkt führt das indirekte Eingeständnis, dass die türkische Lira der Unterstützung durch gezielte Käufe bedarf, naturgemäß zur weiteren Schwächung der Währung. So hat der Kurs des US-Dollar zur türkischen Lira (USD/TRY) zuletzt die psychologisch wichtige Marke von 3,50 geknackt und ist auf 3,5572 im Hoch angestiegen. Zum Jahresauftakt hatte sich das Währungspaar noch knapp über der 2,90er-Marke bewegt – in der Spitze bedeutet dies einen Wertverlust von 22 Prozent.

Nur wenig besser sieht es für die türkische Lira gegenüber der europäischen Einheitswährung aus. Das Währungspaar EUR/TRY überwand die 3,80erMarke – ebenfalls ein neuer Rekord – womit die Lira gegenüber dem Jahresbeginn um 16 Prozent schwächer notiert. Besonders die Versteilung des Abwärtstrends der türkischen Lira seit November bereitet der Türkei Kopfzerbrechen. Zunächst erklärten AKP-Politiker den Kursverfall der türkischen Währung mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und versuchten Bürger wie Investoren davon zu überzeugen, dass dieser Kursverfall nur vorübergehend sein könne.

Doch von allen Schwellenländerwährungen, die im Umfeld der US-Präsidentenwahl unter Abgabedruck gerieten, ist es um die türkische Lira mit am Schlimmsten bestellt. Nur noch der mexikanische Peso, der aufgrund der Pläne Trumps für einen Mauerbau an der Grenze zu Mexiko eine Sonderstellung besitzt, hat noch stärker verloren. Selbst wenn ein breit angelegter Abzug von Kapital aus den Emerging Markets seit der US-Wahl festzustellen ist – die massiven Kursverluste der türkischen Währung haben zweifelsohne mit der innenpolitisch prekären wie auch der wirtschaftlich eingetrübten Lage am Bosporus zu tun.

SJB FondsSkyline. Fazit. Geht der Kursabsturz der türkischen Lira weiter? Man braucht keinen besonderen wirtschaftlichen Sachverstand zu besitzen, um zu verstehen, dass sich die türkische Landeswährung mit der plakativen Umtausch-Kampagne von Erdogan nicht stützen lässt. Ganz im Gegenteil schwächt Erdogan die Lira mit seinem Aufruf und sorgt an den globalen Devisenmärkten für Spott und Unverständnis. Der Kursrutsch der türkischen Lira wird sich auch deshalb fortsetzen, weil die Währungsturbulenzen ihre Gründe in Entwicklungen in der Türkei haben: Unternehmen und Privatleute haben hohe Schulden angehäuft, hinzu kommen eine zuletzt auf sieben Prozent gestiegene Inflationsrate sowie eine chronisch negative Leistungsbilanz. Türkische Unternehmen erzielen ihre Erträge weitgehend in Lira, sind aber in Euro und US-Dollar verschuldet – eine bedrohliche Mischung, die mit einem fortgesetzten Währungsverfall noch explosiver wird. Auch Erdogans Verschwörungstheorien sind in diesem Zusammenhang nur kontraproduktiv: Nach jedem Aufruf des Staatspräsidenten zum Devisentausch hat der Kurs von Euro und US-Dollar erst recht einen Sprung gemacht.

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