SJB-FondsAnlage Aktuell-StandPunkte: Wie bedrohlich ist der Inflationsanstieg in der Türkei?

05. Juli 2018 von um 12:00 Uhr
Gerd Bennewirtz, Gründungsgesellschafter SJB der SJB FondsSkyline OHG 1989.Die StandPunkte sind der börsentägliche Informationsservice für die Premiumkunden der SJB. Sie behandeln Ereignisse aus dem Alltag, sind aber alles andere als alltäglich. Wir sind politisch, wenn nötig polemisch und immer ironisch. Warum sonst hätten wir abendliche Stammleser seit 2003? Hm?

Garantierte Individualität finden Sie bei uns in jedem FondsDepot! SJB-FondsAnlage Aktuell-StandPunkte: Wie bedrohlich ist der Inflationsanstieg in der Türkei? „Auf über 15 Prozent ist die Inflation in der Türkei zuletzt angestiegen und hat damit den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht. Doch selbst dies dürfte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein, da der Konflikt zwischen Staatspräsident Erdogan und der türkischen Notenbank immer weiter eskaliert“, fasst Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer und FondsVerwalter der SJB FondsSkyline OHG 1989 aus Korschenbroich, die jüngsten Entwicklungen im Land am Bosporus zusammen. „Steht die türkische Wirtschaft vor dem Kollaps, können Staat und Unternehmen angesichts des Währungsverfalls überhaupt noch ihre in US-Dollar aufgenommenen Schulden bedienen?“ Eine topaktuelle Einschätzung zu diesem Thema findet sich hier.

Liebe FondsBlogger, die Inflation in der Türkei gerät immer mehr außer Kontrolle: Mit einem Stand von 15,4 Prozent im Juni hat die jährliche Teuerungsrate den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht. Lebensmittel verteuerten sich sogar um 19,4 Prozent, die Transportkosten legten um satte 24,3 Prozent zu.

Der Anstieg der türkischen Inflationsrate gewinnt immer mehr an Fahrt und ist höchst bedenklich: Im Mai hatte die Inflation auf Jahressicht noch bei 12,2 Prozent gelegen, im April hatte sie 10,9 Prozent betragen. Ökonomen erwarten, dass die Juni-Rate von über 15 Prozent noch nicht der Höhepunkt sein wird. Analysten der türkischen Denizbank prognostizieren einen weiteren Anstieg auf über 16 Prozent, die Investmentgesellschaft QNB Finansinvest spricht gar davon, dass die Inflationsrate „außer Kontrolle gerät“.

Der einzige Ausweg für die sich besonders im Bereich der Lebensmittelpreise zeigende massive Inflation sind höhere Zinsen – doch hier liegt Staatspräsident Erdogan mit der türkischen Notenbank im Clinch und hat ihr Zinserhöhungen mehr oder weniger direkt verboten. Schwellenländerexperte Timothy Ash von Blue Bay Asset Management in London sieht die Gründe für die ausufernde Teuerung in einer zu zögerlichen Zentralbankpolitik: „Die Inflation ist der Preis dafür, die Zinsen nicht früh genug erhöht zu haben“, schiebt er die Schuld auf die Notenbank des Landes. Diese hatte ihren Leitzins unter politischem Druck lange Zeit auf einem viel zu niedrigen Niveau gehalten. Der Zinssatz für einwöchiges Zentralbankgeld lag noch bis Mai bei gerade einmal acht Prozent und damit deutlich unter der Inflationsrate.

Doch die türkische Zentralbank hatte keine Alternative, weil Präsident Erdogan ihr mit seiner direkten Einmischung eine Zinsanhebung untersagte. Die Begründung des gerade wiedergewählten Staatsoberhaupts: Zinsen seien „Vater und Mutter allen Übels“ und deshalb sei es „unmöglich, dass die Inflation in einem Land mit hohen Zinsen sinkt.“ Aufgrund dieser abstrusen Erklärungen hielt die Notenbank die Füße still und muss sich nun den Konsequenzen stellen.

Die türkische Lira verlor in den letzten Monaten dramatisch an Wert und markierte neue Allzeittiefs gegenüber Euro und US-Dollar. Aktuell müssen 5,40 Lira für einen Euro bezahlt werden, für einen US-Dollar sind es 4,67. Deshalb musste die Notenbank in einer konzertierten Aktion die Zinsen doch noch erhöhen, und zwar in extremer Weise: Der Zinssatz für einwöchiges Zentralbankgeld wurde in lediglich zwei Schritten von zuvor 8,0 auf nunmehr 17,75 Prozent nach oben katapultiert.

Und dies dürfte noch nicht der letzte Schritt gewesen sein. Volkswirtschaftler erwarten, dass die Notenbank bei ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung am 24. Juli die Zinsen erneut anheben wird. Andernfalls droht ein weiterer Verfall der türkischen Lira. Diese gab bereits unmittelbar nach Bekanntwerden der neuesten Inflationszahlen deutlich nach, ihr Wechselkurs zum Euro sank um rund 1,5 Prozent. So entsteht eine gefährliche Abwertungsspirale: Je tiefer die Lira sinkt, umso höher steigt wiederum die Inflation, weil sich die Importprodukte verteuern.

SJB FondsSkyline. Fazit. Wie bedrohlich ist der Inflationsanstieg in der Türkei? Der massive Anstieg der türkischen Inflationsrate auf mehr als 15 Prozent ist nicht nur für die Türkei selbst, sondern für ganz Europa eine ernsthafte Bedrohung. Mit der ausufernden Teuerung bezahlen die Türken für die Folgen eines Kreditbooms, der sich über die letzten Jahre vollzogen hat. Unternehmen und Privathaushalte haben sich in großer Zahl über ein gesundes Maß hinaus verschuldet, was oftmals in Fremdwährungen wie dem Euro oder dem US-Dollar geschah. Die ausufernde Verschuldung trieb zwar das Wachstum an, stand aber letztlich auf tönernen Füßen: 2017 konnte sich das türkische BIP noch um 7,4 Prozent erhöhen, und nur deshalb konnte Erdogan überhaupt die Präsidentenwahl gewinnen. Nun aber muss die Notenbank die Zinsen drastisch erhöhen, würgt damit das Wirtschaftswachstum ab und bringt viele Kreditnehmer in die Bredouille. Aufgrund der explodierenden Zinsen in Koppelung mit dem Währungsverfall dürften vermehrt Kredite ausfallen, die Banken in Schwierigkeiten geraten und die gesamte Volkswirtschaft in Mitleidenschaft gezogen werden. Ein von der Türkei ausgehender Crash am Aktien- und Anleihenmarkt ist eines der großen Risiken für Europas Börsen in diesem Sommer.

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