SJB-FondsAnlage Aktuell-StandPunkte: Benötigt Griechenland neue Schuldenerleichterungen?

24. November 2016 von um 14:30 Uhr
Gerd Bennewirtz, Gründungsgesellschafter SJB der SJB FondsSkyline OHG 1989.Die StandPunkte sind der börsentägliche Informationsservice für die Premiumkunden der SJB. Sie behandeln Ereignisse aus dem Alltag, sind aber alles andere als alltäglich. Wir sind politisch, wenn nötig polemisch und immer ironisch. Warum sonst hätten wir abendliche Stammleser seit 2003? Hm?

Garantierte Individualität finden Sie bei uns in jedem FondsDepot! SJB-FondsAnlage Aktuell-StandPunkte: Benötigt Griechenland neue Schuldenerleichterungen? „Der Schuldenberg von Griechenland ist in den letzten Jahren trotz aller Rettungsmaßnahmen weiter angestiegen und beträgt aktuell 328 Milliarden Euro. Noch dramatischer präsentiert sich die Verschuldung in Hellas, wenn man sie ins Verhältnis zum griechischen Bruttoinlandsprodukt stellt: Die Schuldenquote liegt bei 182 Prozent des BIP und beträgt damit fast das doppelte der jährlichen Wirtschaftsleistung“, fasst Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer und FondsVerwalter der SJB FondsSkyline OHG 1989 aus Korschenbroich, den jüngsten Stand zum Thema „Staatsbankrott in Griechenland“ zusammen. Griechenlands Finanzminister drängt auf Schuldenerleichterungen in den kommenden Wochen, doch Wolfgang Schäuble zeigt sich unnachgiebig. Alle wichtigen Details zu diesem kontroversen Thema finden sich hier.

Liebe FondsBlogger, seit Beginn der Schuldenkrise in Griechenland hat sich die Situation des EU-Landes trotz aller Rettungsmaßnahmen nicht etwa verbessert, sondern weiter verschlechtert. Griechenland hat heute mehr Schulden als vor Beginn der Hilfsprogramme, der entsprechende Schuldenberg ist von 262 Milliarden Euro vor Ausbruch der Krise im Herbst 2009 auf 328,4 Milliarden Euro Ende Juni 2016 angewachsen. Dieser Anstieg der Staatsverschuldung um rund 25 Prozent liegt vor, obwohl im Jahre 2012 ein Schuldenschnitt der privaten Gläubiger erfolgte, bei dem Griechenland Schulden von 105 Milliarden Euro erlassen wurden.

Doch es hat alles fast nichts geholfen: Denn zeitgleich zu dem Schuldenerlass ist das griechische Bruttoinlandsprodukt (BIP) seit Beginn der 2009er-Krise von 237 auf 177 Milliarden Euro zurückgegangen, also um ein Viertel geschrumpft. In der Konsequenz ist die Schuldenlast im Verhältnis zur Wirtschaftskraft weiter angewachsen, die griechische Schuldenquote hat von 116 auf 182 Prozent des BIP zugelegt – ein absolut untragbarer Wert.

Der nächste Schuldenschnitt ist damit fällig, und so hat es der griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos eilig: Sein Land brauche Zusagen zu Schuldenerleichterungen, und zwar „in den nächsten Wochen“, drängte der Athener Minister gegenüber den EU-Finanzministern. Tsakalotos hat hehre Vorstellungen, was erneute Schuldenerleichterungen für das in einer Dauerkrise befindliche Land bringen könnten: Eine Schuldenregelung werde den Weg für Investitionen ebnen und Griechenland zum Wachstum zurückführen, so seine Erwartung. Die krisengebeutelte Europäische Union könne Vertrauen nur zurückgewinnen, wenn sie Probleme löse statt sie zu vertagen, ließ sich Tsakalotos weiter vernehmen. Doch seine EU-Amtskollegen, allen voran Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble, überzeugt er damit nicht. Schäuble ist, auch aufgrund des nahenden Bundestags-Wahlkampfes, äußerst skeptisch gegenüber neuen griechischen Schuldenerleichterungen eingestellt. Wer Athen jetzt Schuldenerleichterungen zugestehe, der leiste den Griechen einen „Bärendienst“, so der Bundesfinanzminister, weil der ohnehin schwache Reformeifer dann völlig erlahme.

Trotzdem nehmen in der Eurozone die Stimmen zu, die den Griechen endlich die bereits im Sommer 2015 in Aussicht gestellten Schuldenerleichterungen gewähren wollen. Mögliche Hilfsmaßnahmen sind längere Laufzeiten für die bereits gewährten Hilfskredite, dauerhaft festgeschriebene Niedrigzinsen oder zusätzliche tilgungsfreie Jahre. Auf seiner Seite hat Griechenland aktuell den Internationalen Währungsfonds (IWF), der Griechenlands Staatsverschuldung bereits seit Längerem für nicht tragbar gehalten und auf eine Schuldenregelung gedrängt hatte. Das Problem für die EU-Kommission und die europäischen Finanzminister: Der IWF macht seine weitere Beteiligung an der Griechenlandrettung von einem neuerlichen Schuldenschnitt abhängig. Gerade Schäuble hätte den IWF für neue Hilfsprogramme gerne an Bord, will aber keinen neuen Schuldenerleichterungen zustimmen.

Griechenlands Probleme liegen jedoch nicht nur in der horrenden Staatsverschuldung, die überwiegend auf die Euro-Rettungsfonds EFSF und ESM entfällt. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schätzt, dass der griechische Privatsektor eine Verschuldung von weiteren 140 Prozent des BIP aufweist. Unternehmen und Privatleute sitzen auf Schulden, die sie niemals zurückzahlen können, und auch bei den eigenen Bürgern steht der griechische Staat tief in der Kreide.

SJB FondsSkyline. Fazit. Benötigt Griechenland neue Schuldenerleichterungen? Ohne einen neuen Schuldenschnitt dürfte es kaum gelingen, Griechenland aus dem Teufelskreis von immer höherer Verschuldung und immer geringerer Wirtschaftsleistung zu erlösen. Das staatliche Statistikamt Elstat berichtet, dass vier von zehn griechischen Privathaushalten ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können, der Energieversorger DEI beklagt offene Rechnungen über 2,7 Milliarden Euro. Noch schlimmer sieht es in der griechischen Finanzbranche aus: Die Banken haben notleidende Kredite von rund 100 Milliarden Euro zu verzeichnen, rund die Hälfte der in Griechenland ausgegebenen Darlehen wird nicht mehr bedient. Eine ähnlich hohe Summe schulden die Griechen dem Staat: Steuern und Abgaben in Höhe von 93 Milliarden Euro konnten nicht eingetrieben werden. Nimmt man noch die 25 Milliarden Euro für nicht gezahlte Sozialversicherungsbeiträge hinzu, wird selbst dem letzten Zweifler klar, dass die EU nicht um neue Schuldenerleichterungen für Griechenland herumkommt: Ansonsten droht der völlig unkoordinierte wirtschaftliche Zusammenbruch von Hellas.

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