SJB-FondsAnlage Aktuell-StandPunkte: Kann sich die Eurozone überhaupt höhere Zinsen leisten?

26. Oktober 2017 von um 11:00 Uhr
Gerd Bennewirtz, Gründungsgesellschafter SJB der SJB FondsSkyline OHG 1989.Die StandPunkte sind der börsentägliche Informationsservice für die Premiumkunden der SJB. Sie behandeln Ereignisse aus dem Alltag, sind aber alles andere als alltäglich. Wir sind politisch, wenn nötig polemisch und immer ironisch. Warum sonst hätten wir abendliche Stammleser seit 2003? Hm?

Garantierte Individualität finden Sie bei uns in jedem FondsDepot! SJB-FondsAnlage Aktuell-StandPunkte: Kann sich die Eurozone überhaupt höhere Zinsen leisten? SJB Fonds Echo. Analysiert.„Auf der nächsten EZB-Sitzung werden erste Hinweise auf einen allmählichen Ausstieg aus dem Anleihenkaufprogramm sowie der Nullzinspolitik erwartet. Doch kann die ultralockere Geldpolitik von Mario Draghi überhaupt beendet werden, ohne dass es für eine Reihe von Staaten aus der Eurozone zu massiven Problemen kommt?“, fragt sich Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer und FondsVerwalter der SJB FondsSkyline OHG 1989 aus dem niederrheinischen Korschenbroich. „Die Schuldenquote von Italien oder Portugal, aber auch von Spanien und selbst Frankreich ist viel zu hoch, als dass diese Staaten auch nur geringfügig höhere Zinsen so einfach wegstecken könnten. Hier zeichnet sich eine konfliktträchtige Konstellation ab, die die EZB unter Druck setzt.“ Weitere Details zu dieser ernsten Problematik finden sich hier!

Liebe FondsBlogger, wenn die Europäische Zentralbank den möglichen Ausstieg aus ihrem massiven Liquiditätsprogramm und der Phase des Null- und Niedrigzinses debattiert, kann sie nicht wirklich unvoreingenommen entscheiden. Zwar sind mit Blick auf die Wirtschaft der Eurozone sowie die EU-Inflationsentwicklung deutliche Fortschritte sichtbar, doch in einem Punkt besteht weiterhin ein massives Problem: Die Schuldentragfähigkeit zahlreicher Staaten der Eurozone ist kaum besser als zu Zeiten der Finanzkrise oder hat sich sogar noch verschlechtert.

Mario Draghi steht unter dem Druck der Märkte, allmählich auch für die Eurozone auf den Pfad der „Zinswende“ einzuschwenken, doch viele EU-Staaten können sich höhere Zinsen eigentlich gar nicht leisten. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat die Tragfähigkeit der Staatsschulden der Krisenstaaten Italien, Spanien und Portugal analysiert und ist dabei zu alarmierenden Ergebnissen gekommen: Selbst bei einer anhaltend guten wirtschaftlichen Entwicklung und moderat steigenden Zinsen werden vor allem Italien und Portugal über das Jahr 2022 hinaus brauchen, um ihre Schulden unter den kritischen Wert von 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu drücken. Der Schuldenüberhang im Privatsektor und bei der Staatsverschuldung ist derart groß, dass die Altlasten nicht auf dem „normalen Weg“ abgebaut werden können.

Insgesamt hat IW-Experte Jürgen Matthes jeweils drei Szenarien untersucht, wie die EU-Staaten ihre Verbindlichkeiten gezielt reduzieren können, wie lange sie dafür voraussichtlich brauchen und welche Reformschritte hierfür nötig sind. Dabei wurden unterschiedliche Annahmen beim Wirtschaftswachstum, der Zinsentwicklung und der Haushaltsdisziplin zugrundegelegt – die zentralen Größen, die die Entwicklung der Staatsschulden maßgeblich beeinflussen. Das Resultat: Die Schuldenquote von Italien wird in keinem einzigen der drei Szenarien bis zum Jahr 2022 unter die Marke von 120 Prozent fallen, und auch Portugal hat nach den Berechnungen des Instituts keine Chance, die Quote unter 100 Prozent zu drücken. Nur minimal besser sieht es für Spanien aus: Das Land könnte es zumindest unter den günstigsten Bedingungen schaffen, die Kennzahl unter die Marke von 90 Prozent abzusenken.

Das Gesamtergebnis der IW-Studie: Die Staatsschuldenquoten bleiben – nicht nur im pessimistischen Szenario, das eine kurze Rezession annimmt – unverantwortlich hoch. Selbst im Basisszenario mit eher konservativen Annahmen sinkt die Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP in Italien kaum und in Portugal und Spanien nur in begrenztem Ausmaß. Umgekehrt würde es selbst im optimistischen Szenario länger als bis zum Jahre 2022 dauern, bis die 100-Prozent-Marke bei der Staatsverschuldung unterschritten wird.

Besonders kritisch sieht die Situation für Mario Draghis Heimatland Italien aus. Dort ist die Schuldenquote in den vergangenen Jahren stetig gestiegen und liegt aktuell bei rund 133 Prozent. Das in 2016 erreichte Wirtschaftswachstum von einem Prozent reicht zum Schuldenabbau nicht aus, da durch die Altlasten der Krise im Banken- und Unternehmenssektor die Strukturreformen nicht wirken. Die zahlenmäßige Konsequenz innerhalb des IW-Basisszenarios: Die zuletzt noch leicht gestiegene italienische Staatsschuldenquote dürfte zwischen 2016 und 2022 nur sehr langsam von 132,6 auf 130,4 Prozent des BIP zurückgehen – eine kaum merkliche und fast schon irrelevante Veränderung.

SJB FondsSkyline. Fazit. Kann sich die Eurozone überhaupt höhere Zinsen leisten? Das pessimistische IW-Szenario unterstellt, das neben einer geringeren Haushaltsdisziplin auch noch schwächeres Wachstum und höhere Zinsen annimmt, würde die italienische Schuldenlast bis 2022 auf fast 140 Prozent ansteigen. Bereits diese Zahlen machen klar, dass Mario Draghi eigentlich die Hände gebunden sind und sich nur die wenigsten Staaten der Eurozone eine „Zinswende“ überhaupt leisten können. Aus diesem Grunde sollten sich Investoren auf eine noch lange andauernde Niedrigzinsphase und ein nur äußerst zaghaftes Herunterfahren des EZB-Anleihenkaufprogramms einstellen. Mit europäischen Anleihen wird auch auf längere Sicht kein Geld zu verdienen sein – FondsAnleger sollten Aktienfonds aus dem Emerging-Markets- und Rohstoffbereich zum Vermögensaufbau bevorzugen, wie sie in den aktiv gemanagten SJB-FondsStrategien enthalten sind!

Fragen Sie nach! Rufen Sie an. Ihr persönlicher SJB FondsBerater sagt Ihnen, wie Sie Ihr Depot am besten gegenüber neuen Marktturbulenzen absichern und sich für neue antizyklische Einstiegschancen positionieren. Sie erreichen uns unter der Rufnummer +49 (0) 2182-852-0 oder per E-Mail unter Fonds@sjb.de.

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