SJB-FondsAnlage Aktuell-StandPunkte: Warum gerät das britische Pfund wieder unter Druck?

06. Oktober 2016 von um 15:00 Uhr
Gerd Bennewirtz, Gründungsgesellschafter SJB der SJB FondsSkyline 1989 e.K..Die StandPunkte sind der börsentägliche Informationsservice für die Premiumkunden der SJB. Sie behandeln Ereignisse aus dem Alltag, sind aber alles andere als alltäglich. Wir sind politisch, wenn nötig polemisch und immer ironisch. Warum sonst hätten wir abendliche Stammleser seit 2003? Hm?

Garantierte Individualität finden Sie bei uns in jedem FondsDepot! SJB-FondsAnlage Aktuell-StandPunkte: Warum gerät das britische Pfund wieder unter Druck? „Unmittelbar nach dem Brexit-Entscheid in Großbritannien geriet das britische Pfund heftig unter Druck, konnte sich in der Zeit danach aber wieder stabilisieren. Doch Anfang Oktober hat der nächste Abwärtsschub bei der britischen Währung eingesetzt, die auf ein neues Dreißigjahrestief zum US-Dollar abgerutscht ist“, fasst Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer und FondsVerwalter der SJB FondsSkyline 1989 e.K. aus Neuss-Korschenbroich, die jüngsten Entwicklungen an den Währungsmärkten zusammen. „Auch zum Euro fiel das britische Pfund auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren. Ausschlaggebend für den jüngsten Kurssturz war die harte Haltung der britischen Regierung, die offenbar in den bald beginnenden Brexit-Verhandlungen keine Kompromisse mit der EU eingehen will.“ Alle wichtigen Infos zum Pfund-Absturz finden Sie hier.

Liebe FondsBlogger, in den ersten Handelstagen des Monats Oktober ging es erneut kräftig abwärts für das britische Pfund, und zwar sowohl gegenüber dem US-Dollar als auch dem Euro. Die Sorge vor negativen Folgen des Ende Juni beschlossenen Brexit für die britische Volkswirtschaft ließ das Pfund Sterling zum US-Dollar auf den tiefsten Stand seit über dreißig Jahren absinken: Das Währungspaar GBP/USD fiel erstmals seit 1985 unter die Kursmarke von 1,2700 und gab bis zutiefst 1,2683 nach, zur Wochenmitte notiert es mit 1,2734 nur hauchdünn über der wichtigen Unterstützung. Ähnlich schwach fiel die Kursentwicklung des britischen Pfunds gegenüber der europäischen Einheitswährung aus: EUR/GBP kletterte auf 0,8843 in der Spitze und markierte damit ein neues Fünfjahreshoch. Das Bedenkliche für Währungsanalysten: Die Kursbewegung des britischen Pfunds scheint sich von den Konjunkturdaten in Großbritannien abgekoppelt zu haben, die zuletzt gar nicht so schlecht ausgefallen sind. Doch die Angst der Investoren vor den negativen Folgen einer harten Haltung von Großbritannien in den Verhandlungen rund um den Brexit lassen das Pfund Sterling auf breiter Front einbrechen.

Nach dem Fall wichtiger Unterstützungsmarken ist der charttechnische Ausblick für das Pfund deutlich eingetrübt: ein Ende der Abwärtsbewegung ist nicht abzusehen, der Kursrutsch hat vielmehr neues Momentum gewonnen. Als Knackpunkt für den neuerlichen Kursverfall des Pfunds Sterling hat der Parteitag der britischen Konservativen zu gelten, bei dem Premierministerin Theresa May ankündigte, den Austritt Großbritannien aus der EU bis zum Ende des ersten Quartals 2017 zu beantragen. Ihre Rede wurde von Beobachtern so aufgenommen, dass sie gewillt ist, einen „harten Brexit“ zu riskieren, um zugleich die Kontrolle über die Immigration von EU-Bürgern zu behalten. Im Klartext hieße dies: Der mögliche Verlust des Zugangs zum EU-Binnenmarkt würde in Kauf genommen, um in der hitzig diskutierten Einwanderungsfrage nicht nachgeben zu müssen. Ein solcher „harter Brexit“ hätte aber erhebliche Folgen für die britische Wirtschaft und könnte insbesondere einen Exodus der Finanzindustrie auslösen.

Das Problem: Das Recht auf den Zugang zum EU-Binnenmarkt ist normalerweise daran gebunden, dass den Arbeitnehmern der anderen EU-Länder der freie Zugang zum eigenen Arbeitsmarkt gewährt wird. Und in genau diesem Punkt können die Briten kaum auf eine Nachgiebigkeit der anderen EU-Mitglieder hoffen. Die Freizügigkeit von EU-Arbeitnehmern ist für die verbleibenden 27 EU-Länder absolut entscheidend, hier darf die Verhandlungsgruppe von Theresa May keine Zugeständnisse erwarten. Wollen die Briten das Recht der Mitteleuropäer beschneiden, sich innerhalb der EU frei zu bewegen, so müssen sie eine harte Haltung mit Blick auf den Binnenmarktzugang erwarten.

Wird in den Brexit-Verhandlungen die Möglichkeit, dass Großbritannien Teil des Binnenmarktes bleibt, aufs Spiel gesetzt, so würde in erster Linie die britische Finanz- und Bankenwelt hart getroffen. Viele US-Banken haben London als Basis für ihre Dienstleistungen innerhalb der Eurozone ausgewählt. Ist Großbritannien aber kein Teil des EU-Binnenmarktes mehr, könnten sie ihre Dienste nicht mehr in den EU-Ländern anbieten, ohne dort einen zusätzlichen Sitz zu haben. Eine Abwanderungswelle von US-Banken auf den Kontinent dürfte die Folge sein, die britische Finanzindustrie und die Londoner City würden stark darunter leiden. Denn immerhin stehen Großbritanniens Finanzinstitute für rund zehn Prozent der britischen Wirtschaftsleistung ein, ein großer Teil des Geschäfts wird in Euro abgewickelt. Doch dies setzt May mit ihrem Kurs in Richtung auf einen „harten Brexit“ nun aufs Spiel – die nervöse Reaktion an den Finanz- und Währungsmärkten ist verständlich, das Pfund dürfte noch länger auf Tauchstation bleiben.

SJB FondsSkyline. Fazit. Warum gerät das britische Pfund wieder unter Druck? Neben dem möglichen Aderlass der britischen Finanzindustrie hat Großbritanniens Wirtschaft noch weitere unschöne Konsequenzen durch einen fehlenden Zugang zum EU-Binnenmarkt zu befürchten: Britische Firmen müssten dann für ihre Exporte in die EU Zoll bezahlen, auf Lebensmittel könnte beispielsweise ein Aufschlag von 15 Prozent fällig werden- – allein dies würde Mehrkosten von zehn Milliarden Pfund für die britischen Exporteure auslösen. Sowohl die britische Bankenlandschaft als auch exportorientierte Unternehmen müssen sich also durch den Brexit auf harte Zeiten einstellen – der Abwärtssog, in den das Pfund Sterling geraten ist, bildet diese negativen Aussichten entsprechend ab. Auch die Bank of England kann dem Pfund-Verfall keinen Einhalt bieten – die Notenbank hat bereits für ihre nächste Sitzung im November eine erneute geldpolitische Lockerung angekündigt, die das Pfund weiter belasten dürfte.

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