SJB-FondsAnlage Aktuell-StandPunkte: Wie ist Argentiniens Comeback an den Kapitalmärkten zu bewerten?

21. April 2016 von um 10:00 Uhr
Gerd Bennewirtz, Gründungsgesellschafter SJB der SJB FondsSkyline 1989 e.K..Die StandPunkte sind der börsentägliche Informationsservice für die Premiumkunden der SJB. Sie behandeln Ereignisse aus dem Alltag, sind aber alles andere als alltäglich. Wir sind politisch, wenn nötig polemisch und immer ironisch. Warum sonst hätten wir abendliche Stammleser seit 2003? Hm?

Garantierte Individualität finden Sie bei uns in jedem FondsDepot! SJB-FondsAnlage Aktuell-StandPunkte: Wie ist Argentiniens Comeback an den Kapitalmärkten zu bewerten?Argentinien legte im Jahr 2001 mit einem Volumen von 82,3 Milliarden US-Dollar die größte Staatspleite der Geschichte hin – doch Investoren besitzen augenscheinlich ein sehr schlechtes Gedächtnis. In dieser Woche ist es dem südamerikanischen Land gelungen, problemlos neue Staatsanleihen an den Kapitalmärkten zu platzieren, die ihm in Zeiten von Negativzins und Anlagenotstand geradezu aus den Händen gerissen wurden“, fasst Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer und FondsVerwalter der SJB FondsSkyline 1989 e.K. aus Neuss-Korschenbroich, die jüngsten Entwicklungen rund um den Staatsbankrotteur zusammen. Ist die erfolgreiche Anleihenemission ein Zeichen für die wirtschaftliche Konsolidierung des Problemstaates, oder zeigt sie nur, wie blind Anleger mittlerweile jede Investmentgelegenheit wahrnehmen, die ihnen nur Renditen in entsprechender Höhe verspricht? Alle Details zu dieser spannenden Frage finden sich hier!

Liebe FondsBlogger, Argentinien, das Land, das vor ziemlich genau fünfzehn Jahren einen Staatsbankrott in exorbitanter Höhe hinlegte und bei Investoren für Verluste von über 80 Milliarden US-Dollar sorgte, ist an den Kapitalmärkten zurück. Dabei feierte der südamerikanische Staat, der bei dem Volumen seiner Staatspleite nur noch von Griechenland übertroffen wird, ein fulminantes Comeback. Investoren waren bereit, dem einstmals so zahlungsunwilligen Schuldner neue Staatsanleihen im Volumen von 17 Milliarden US-Dollar abzunehmen.

Das Tolle dabei: Das ursprünglich vorgesehene Anleihevolumen reichte gar nicht aus, die Nachfrage der Investoren nach den attraktiv verzinsten Papieren zu befriedigen, weshalb das Volumen der Emission kurzerhand noch erhöht wurde. Ursprünglich wollte Argentiniens Präsident Mauricio Macri gerade einmal Staatsanleihen mit einem Volumen zwischen 10 und 15 Milliarden US-Dollar verkaufen. Doch angesichts der überwältigenden Nachfrage legte der frühere Pleitestaat gleich noch einmal drauf und brachte knapp 17 Milliarden USD bei risikoliebenden Investoren unter. Selbst dieser Betrag blieb, wie Marktinsider berichten, noch weit unter den Geboten, die für die argentinischen Staatspapiere eingegangen waren: Dem Land lagen Kauforders für die Anleihen in Höhe von sage und schreibe 65 Milliarden US-Dollar vor.

Die Zahlen sagen viel aus über die aktuelle Verfassung der Rentenmärkte und zeigen vor allem eines: Mit welcher Verzweiflung gerade institutionelle Investoren aktuell nach Anlagemöglichkeiten mit einer ordentlichen Verzinsung suchen. Auf dem Papier hat Argentinien genau das zu bieten: Denn die Papiere mit einer Laufzeit zwischen drei und 30 Jahren werfen Renditen zwischen sechs und acht Prozent ab, wie sie in der heutigen Zeit kaum noch zu finden sind. Doch die hohen Risiken werden von den Anlegern offensichtlich ausgeblendet. Ein kurzer Blick auf die Historie genügt, um Argentinien als einen ganz besonders unzuverlässigen Schuldner zu entlarven: In den vergangenen 200 Jahren war Argentinien rund ein Drittel der Zeit mit seinen Staatsanleihen im Zahlungsverzug. Im Sommer 2014 setzte das Land eine Anordnung von US-Gerichten nicht um und verweigerte Gläubigern fällige Zahlungen auf Altanleihen. In der Konsequenz musste wieder einmal Staatsbankrott angemeldet werden – die achte Pleite des Landes seit 1823, die in diesem Fall Anleihen im Volumen von 29 Milliarden US-Dollar betraf. Den höchsten Verlust hatten Investoren 2001 zu verzeichnen, als Schuldenforderungen in Höhe von gut 80 Milliarden US-Dollar wertlos wurden.

Ein weiterer Kritikpunkt an der aktuellen Schuldenpolitik Argentiniens: Das Land benötigt die neu aufgenommenen Kredite zum Teil, um alte Schulden zurückzuzahlen, will aber gleichzeitig neue Schulden machen. Aus dem Emissionserlös müssen rund zehn Milliarden US-Dollar verwendet werden, um die Alt-Ansprüche von Hedgefonds und anderen Investoren unter der Führung von US-Milliardär Paul Singer zu bedienen. Diese hatten im Februar eine Einigung mit Argentinien erzielt, auf deren Basis am 22. April ein Teil der Gelder überwiesen werden soll. Doch auch Argentinien selbst benötigt Geld und muss nach Berechnungen der Barclays-Bank eine Haushaltslücke von 48 Milliarden US-Dollar stopfen – im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung entspricht das einem Defizit von fast neun Prozent. Eine wenig erfolgversprechende Konstellation, über die die Kapitalmärkte angesichts ihres blinden Renditehungers jedoch hinwegsehen.

SJB FondsSkyline. Fazit. Wie ist Argentiniens Comeback an den Kapitalmärkten zu bewerten? Dass Argentinien nach 15 Jahren internationaler Isolation nun derart erfolgreich an den Kapitalmarkt zurückkehren kann und dort speilend knapp 17 Milliarden US-Dollar einsammelt, zeigt vor allem eines: Den massiven Gedächtnisschwund der Investoren, die offenbar aufgrund der Einwirkung von Strafzins und Negativrenditen jedes Gefühl für ein solides Rendite/Risiko-Verhältnis verloren haben. Ein Land mit derart zweifelhafter Schuldenhistorie, das mit Staatspleiten en masse aufwartet, aber trotzdem von Anlegern mit frischem Geld überhäuft wird – nirgendwo wird der durch die Niedrigzinspolitik befeuerte Realitätsschwund besser offenbar, der für viele risikoignorante Investoren mit einem ganz bösen Erwachen enden dürfte!

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