SJB-FondsAnlage Aktuell-StandPunkte: Sind die Aktien von Delivery Hero tatsächlich eine Milliarde Euro wert?

22. Juni 2017 von um 12:30 Uhr
Gerd Bennewirtz, Gründungsgesellschafter SJB der SJB FondsSkyline OHG 1989.Die StandPunkte sind der börsentägliche Informationsservice für die Premiumkunden der SJB. Sie behandeln Ereignisse aus dem Alltag, sind aber alles andere als alltäglich. Wir sind politisch, wenn nötig polemisch und immer ironisch. Warum sonst hätten wir abendliche Stammleser seit 2003? Hm?

Bei der FondsAuswahl zählt die Unabhängigkeit vom Anbieter! SJB-FondsAnlage Aktuell-StandPunkte: SJB FondsSkyline OHG 1989. PortfolioManagement. Antizyklisch.Sind die Aktien von Delivery Hero tatsächlich eine Milliarde Euro wert? „Der Berliner Essens-Lieferdienst Delivery Hero geht an die Börse. Läuft bei dem Börsengang alles nach den Wunschvorstellungen des Unternehmens sowie der betreuenden Banken ab, wird der Lieferdienst am Ende mit 996 Millionen Euro bewertet sein“, fasst Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer und FondsVerwalter der SJB FondsSkyline OHG 1989 aus Neuss-Korschenbroich, die jüngsten Exzesse in der deutschen IPO-Landschaft zusammen. Kann ein Essen-Bringdienst tatsächlich fast eine Milliarde Euro wert sein, oder ist die Neuemission eher ein Anzeichen dafür, dass sich die Bewertungsmaßstäbe an der Börse so sehr ins Irrationale verschoben haben, dass ein baldiger Crash unausweichlich erscheint? Alle Details zu dieser spannenden Frage finden sich hier!

Liebe FondsBlogger, rund eine Milliarde Euro will der Berliner Essens-Lieferdienst Delivery Hero durch seinen Börsengang einnehmen – und die Aussichten dafür sind ausgezeichnet. Bereits wenige Stunden nach Öffnung der Orderbücher für die Neuemission ist klar: Die Aktien finden einen reißenden Absatz, schon eine Stunde nach Beginn der Zeichnungsfrist lagen genug Aufträge vor, um die komplette Emission einmal abzusetzen. Das prall gefüllte Orderbuch lässt einen erfolgreichen Börsengang des Essen-Bringdienstes am Monatsende erwarten, zudem dürfte der maximale Ausgabepreis von 25,50 Euro erreicht werden.

Ein tolles Geschäft für die an der IPO beteiligten Banken, zu denen neben Goldman Sachs auch die US-Banken Citi und Morgan Stanley gehören. Die Zeichnungsfrist für Delivery Hero läuft noch bis zum 28. Juni, wobei in dieser Zeit bis zu 39 Millionen Aktien angeboten werden. Die Preisspanne liegt zwischen 22,00 und 25,50 Euro, wobei ein Erreichen des Maximalpreises zu einem Erlös von bis zu 996 Millionen Euro führen würde. Für solch einen erfolgreichen Börsengang müssten etwa doppelt so viele Orders vorliegen wie Aktien zur Verfügung stehen – eine Vorgabe, die nach Betrachtung der großen Anzahl der bereits in den ersten Stunden aufgegebenen Orders realistisch erscheint. Läuft alles nach Wunsch, werden an Delivery Hero selbst bis zu 483 Millionen Euro fließen.

Was hat Delivery Hero mit diesen hohen Kapitalzuflüssen vor? Vorstandschef Niklas Östberg will die 483 Millionen Euro, die Delivery Hero aus dem Börsengang einnehmen kann, vorwiegend zur Tilgung von Bankkrediten und Darlehen eigener Aktionäre verwenden. Das Berliner Unternehmen schuldet seinem Investor Luxor Capital und Goldman Sachs allein 310 Millionen Euro. Auch für die Finanzierung des Wachstums soll noch Geld übrigbleiben – Delivery Hero will aus eigener Kraft oder durch weitere Zukäufe wachsen.

Ist der Essens-Lieferdienst jedoch die knappe Milliarde Euro wert, die das Unternehmen voraussichtlich durch den Börsengang erlösen wird? Der Blick auf die Geschäftszahlen schürt Zweifel: Zwar legte der Umsatz im ersten Quartal 2017 auf 121,2 Millionen Euro (gleiches Vorjahresquartal: 62,8 Millionen Euro) zu, doch das Unternehmen schreibt weiter rote Zahlen: Der operative Verlust betrug weiterhin 35,7 nach zuvor 53,0 Millionen Euro. Auch wenn die durch die IPO-Einnahmen zu erzielenden Gelder Wachstum und Größe und damit die Profitabilität von Delivery Hero positiv beeinflussen können, so ist doch fraglich, ob das 2011 gegründete Unternehmen, das über Marken wie Lieferheld, Pizza.de und Foodora verfügt, sich in seinem Markt wird durchsetzen können. Ein Börsenwert von einer knappen Milliarde Euro für ein solches, mit hohen Risiken behaftetes Unternehmen, erinnert mich sehr an die Endphase des „Neuen Marktes“, in der exzessive Bewertungen an der Tagesordnung waren – das Ende dieser Geschichte ist bekannt!

SJB FondsSkyline. Fazit. Sind die Aktien von Delivery Hero tatsächlich eine Milliarde Euro wert? Smartphone-Nutzer sind bequem – letztlich dürften sich die „User“ nur eine einzige App zur Essensbestellung herunterladen und nicht ständig zwischen den Wettbewerbern Lieferheld, Lieferando oder Just Eat hin und her wechseln. Die Konsequenz: Wie auch mit Google bei den Suchmaschinen wird sich im Bereich der Essen-Bringdienste letztlich nur ein einziges Unternehmen durchsetzen, und dabei ist es alles andere als ausgemacht, dass dies ausgerechnet Delivery Hero sein wird. Schon jetzt haben die Konkurrenzfirmen Just Eat aus Großbritannien und Takeaway.com aus den Niederlanden gegenüber Delivery Hero einen Vorsprung, denn sie sind bereits an der Börse gelistet und konnten entsprechend investieren. Zudem ist der Markt der Essens-Lieferer hart umkämpft: Zuletzt waren Amazon und der Taxi-Dienst Uber in die Essens-Auslieferung eingestiegen. Auch wenn die Anleger wie wild die Aktien von Delivery Hero zeichnen: Hoffen wir, dass am Ende nicht nur Konsortialführer Goldman Sachs und Hauptinvestor Rocket Internet von den hohen Einnahmen des Börsengangs profitieren. Für mich zeigt der Run auf die stark überteuerten Aktien von Delivery Hero vielmehr, dass wir uns aktuell wieder in der irrationalen Endphase einer bald endenden Börsenhausse befinden!

Fragen Sie nach! Rufen Sie an. Ihr persönlicher SJB FondsBerater sagt Ihnen, wie Sie Ihr Depot am besten gegenüber neuen Marktturbulenzen absichern und sich für neue antizyklische Einstiegschancen positionieren. Sie erreichen uns unter der Rufnummer +49 (0) 2182-852-0 oder per E-Mail unter Fonds@sjb.de.

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