SJB-Bennewirtz-Fonds-Anleger-Frage: Muss vor Anlagen beim Windkraftkonzern Prokon gewarnt werden?

23. Juli 2013 von um 15:00 Uhr
Bennewirtz Gründungsgesellschafter und Geschäftleiter der SJB.Was ist wichtig? Was kann ich hier tun? Wie komme wieder raus? Leser der Encyclopaedia Britan­nica standen 1771 vor den gleichen Herausforderungen wie Sie jetzt. Einziger Unterschied: Das Wissen hat sich alle 15 Jahre verdoppelt. Das SJB FondsWissen bietet Ihnen Orientierung. Durch Kon­zen­tration auf das Wichtige. Durch anschauliche Texte. Schlagen Sie ein neues einzig­artiges Kapitel auf. ...

Bei der FondsAuswahl zählt die Unabhängigkeit vom Anbieter! SJB-Fonds-Wissen-Genussrechte-Prokon: Was FondsInvestoren, Sparer und Privatanleger aktuell interessiert! Die FondsFrage heute, die im Zusammenhang mit Genussrechten steht: Muss vor Anlagen beim Windkraftkonzern Prokon gewarnt werden? FondsInvestoren stolpern immer wieder über das Angebot des Windkraftkonzerns Prokon: Durch den Erwerb von Genussrechten mit einer hohen Verzinsung von 6,0 Prozent p.a. sollen sich Anleger am Wachstumsmarkt der Erneuerbaren Energien beteiligen können. Doch zuletzt häuften sich die Berichte über Bilanztricksereien und geschäftliche Probleme des Unternehmens. Ist dieses Angebot als seriös einzustufen, oder sollten Anleger lieber die Finger davon lassen? Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer der SJB FondsSkyline 1989 e.K. aus Korschenbroich, analysiert die viel beworbenen Prokon-Genussrechte und spricht zugleich für FondsAnleger eine Warnung aus.

Liebe FondsBlogger, Unternehmen wie der Windkraftkonzern Prokon werben für ihre Genussrechte als angeblich „sichere Investments“, die zudem eine hohe Rendite garantieren sollen. Was auf den ersten Blick verlockend erscheinen mag, ist jedoch überaus kritisch zu beurteilen. Denn die Anlage in Genussrechte ist in Wirklichkeit sehr riskant. Sie ist vor allem keine Investition in Sachwerte, wie in der Werbung fälschlicherweise behauptet wird. Denn Anleger werden durch den Kauf der Genussrechte nicht etwa Miteigentümer von Windkraftanlagen oder anderen sicheren Vermögenswerten. Sie erwerben lediglich Schuldpapiere von einem Unternehmen, die in ihrer rechtmäßigen Ausgestaltung Anleihen oder Aktien weit unterlegen sind. Aufgrund der Nachrangigkeit, mit der Genussrechte im Insolvenzfalle behandelt werden, besteht das Risiko des Totalverlustes. Denn Banken, Windradhersteller sowie die Prokon-Mitarbeiter würden im Insolvenzfalle allesamt vor den Genussrechts-Investoren ihr Geld erhalten. Die Konsequenz: Sollte das Unternehmen Pleite gehen, verlieren Investoren im schlimmsten Fall ihre gesamte Geldanlage.

Doch es ist nicht nur die wenig anlegerfreundliche Ausgestaltung der Prokon-Schuldpapiere als „Genussrecht“, die für Probleme sorgt. Vielmehr häufen sich in seriösen Medien wie beispielsweise der „Welt am Sonntag“ Berichte über massive Bilanztricksereien innerhalb des Prokon-Konzerns. Der genauere Blick in Prokons Bilanzen wirft die Frage auf, wie seriös das Geschäftsmodell des Windkraftkonzerns eigentlich ist.

Worum geht es? Prokons Bilanzen sind im Internet abrufbar, bis einschließlich Oktober 2012 werden dort Angaben zur Geschäftsentwicklung gemacht. Doch kann man an den Zahlen wirklich ablesen, wie es um das Unternehmen bestellt ist? Jörg Baetge, ausgewiesener Experte für Firmenbilanzen und Inhaber einer Firma, die selbst Analysen und Gutachten erstellt, ist nicht dieser Meinung. Gegenüber der „Welt am Sonntag“ bescheinigte Baetge Prokon auf Basis der vorliegenden Jahresabschlüsse für 2011 eine „intransparente Unternehmensstruktur mit vielen Einzelgesellschaften“. Jede dieser Einzelgesellschaften erstelle für sich Jahresabschlüsse, so Baetge weiter, und da die Gesellschaften untereinander Geschäfte machten, ergäben sich „in den Einzelabschlüssen teilweise fiktive Gewinne„.

Anleger sollten wissen: Würde man alle Einzelabschlüsse in einem geprüften Konzernabschluss zusammenfassen, würden sich diese Gewinne mit den Verlusten anderer Untergesellschaften ausgleichen. Viele der von Prokon ausgewiesenen Gewinne existieren demnach nur auf dem Papier. Bilanztricks, Buchungstricksereien und bloß fiktive Erträge; womit will das Unternehmen die Gelder für die regelmäßige Zinszahlung an die Anleger nehmen?

Glaubt man den Verlautbarungen von Prokon auf der eigenen Internetseite, so kam es zu einer wundersamen Kapitalvermehrung durch die Hebung sogenannter „stiller Reserven“, die durch eine Neubewertung der bereits vorhandenen Windparks erfolgte. Interessanterweise wurde die Bewertung der bereits existierenden Windparks im Jahre 2012 um genau die rund 30 Millionen Euro erhöht, die sonst zur Auszahlung der Anleger gefehlt hätten. Aber kann man durch eine nur auf dem Papier stehende Werterhöhung real 30 Millionen Euro auftreiben? Natürlich nicht, und gezahlt wurden die Ausschüttungen an die bestehenden Genussrechts-Inhaber denn auch aus den Geldern neu hinzugekommener Anleger. Eine sehr bedenkliche Vorgehensweise, die zudem noch einmal klar macht, dass in die Genussrechte investierte Gelder keinesfalls direkt in den Bau von Windkraftanlagen fließenim Zweifelsfall werden damit nur die Altanleger ausgezahlt.

Nötig sind diese Bilanztricks offensichtlich, da Prokon in allen seinen drei Hauptgeschäftsbereichen erhebliche Probleme hat: Die „Welt am Sonntag“ berichtet von Problemen beim Betrieb und dem Bau neuer Windparks, sowie von Verlusten im Geschäft mit Biodiesel und Biomasse. Während die bestehenden Windparks weniger Geld einspielen als kalkuliert, hat Prokon zugleich immense Probleme bei der Errichtung neuer Windparks. Nach Recherchen der „Welt am Sonntag“ bestehen an drei großen, für Prokon wichtigen Standorten erhebliche Schwierigkeiten für das Unternehmen, seine neuen Windparks zu bauen. Konkret handelt es sich um die Orte Iven (Mecklenburg-Vorpommern) sowie Barnstorf und Ovelgönne (Niedersachsen). Klagen der Gemeinden, fehlende Genehmigungen und Flächennutzungspläne, die den Bau von Windrädern gar nicht zulassen, machen Prokon massive Probleme.

Doch Prokon hat in Planung und Projektierung dieser Windparks bereits Anlegergelder in Höhe von 27 Millionen Euro investiert. Zudem hat das Unternehmen im Jahr 2012 kein einziges neues Windrad in Deutschland ans Stromnetz anschließen können – geplant waren aber 24. Nur in Polen konnten einige Windräder in kleineren Parks in Betrieb genommen werden. Aber reicht dies, um die hohen Ausschüttungen an die Genussrechts-Anleger auch dauerhaft zu leisten? Die Zweifel wachsen. Gerade die jüngsten Firmenpleiten im Bereich der Erneuerbaren Energien (Solarbranche, Stromlieferanten) sollten dem Anleger eine Warnung sein.

SJB Fazit von Gerd Bennewirtz: Ganz offensichtlich hat Prokon die wachsenden Widerstände und Genehmigungsprobleme beim Bau neuer Windparks unterschätzt. Um trotzdem auf dem Papier eine gesunde Bilanz vorzuweisen und die Anleger nicht zu verunsichern, greift das Unternehmen auf Bilanztricksereien zurück. Betrachtet man die auf der Prokon-Homepage frei zugänglichen Geschäftszahlen für die ersten zehn Monate 2012, so sieht man schnell, dass das Unternehmen nach Leistung der Zinsausschüttungen tief in den roten Zahlen gelandet wäre – und zwar um über 28 Millionen Euro. Ausgeglichen wurde dieser Fehlbetrag durch den Posten „Rücklagen aus stillen Reserven“, der einen Gewinn von knapp 31 Millionen Euro beisteuerte. Erstaunlicherweise also genau der Betrag, der nötig war, um den Anlegern die versprochenen Zinsen auszahlen zu können und die Bilanz knapp ins Plus zu hieven. Doch wie bereits dargestellt, handelt sich um einen bloßen Buchungstrick. Ausgezahlt wurden die Zinsausschüttungen der Genussrechte vielmehr mit neu eingesammeltem Anlegergeld, das in der Konsequenz eben gar nicht in neue Windparks floss, sondern zur Bedienung von Verbindlichkeiten verbraucht wurde. Vor einem solchen Finanzgebaren und den kann ich deshalb alle Anleger nur warnen. Ob Prokon mit seinem Kerngeschäft auf Dauer genug Geld verdient, um seinen Anlegern die versprochenen Zinsen zu bezahlen, ist höchst fraglich, so auch die Meinung der „Wirtschaftswoche“. Bleibt der wirtschaftliche Erfolg aber aus, können Genussrechts-Inhaber auch gegen einen dauerhaften Ausfall der Zinszahlung nichts machen, da sie nur am etwaigen Gewinn des Unternehmens beteiligt sind. Anders als Aktionäre oder Kommanditisten dürfen Genussrechts-Inhaber auch bei der Geschäftspolitik nicht mitreden oder über diese abstimmen. Einer solch undurchsichtigen Konstruktion sind in jedem Fall unternehmerische Beteiligungen vorzuziehen, wo der Investor generell Miteigentümer der erworbenen Vermögenswerte wird. Wer beispielsweise in geschlossene Immobilienfonds wie den Habona 03 oder Kita-Fonds investiert, ist an den im FondsVermögen enthaltenen Einzelhandelsimmobilien oder Kindertagesstätten unmittelbar beteiligt. Fragen Sie Ihren SJB FondsVermögensVerwalter nach allen weiteren Details!

Damit Sie bei Bedarf weitere Details über die Bilanztricksereien von Prokon nachlesen und sich über die Grundlagen unserer Warnungen informieren können, haben wir die wichtigsten Links zu den kritischen Artikeln über das Unternehmen beigefügt:

15. April 2013, Welt am Sonntag, „Die Windmacher“– Die Energiewende ist ein Milliarden-Geschäft für Firmen, die sauberen Strom und tolle Renditen versprechen. Doch eine der größten von ihnen, Prokon, steckt nach Recherchen der „Welt am Sonntag“ in Nöten: Pannen, Schadenersatzklagen, ermittelnde Staatsanwälte.

1. Februar 2013, Wirtschaftswoche, “Finger weg! Wo Sie besser nicht investieren sollten” – Prokon schüttete zuletzt pro Jahr acht Prozent Zinsen an seine Anleger aus. Dabei verdient die Unternehmensgruppe so viel Geld gar nicht.

10. September 2012, Stiftung Warentest, “Prokon Genussrechte: Prokon-Prospekt ist irreführend” – Die Prokon-Unternehmensgruppe darf nicht mehr wie bisher für ihre Genussrechte werben. Nach dem Landgericht Itzehoe hat nun auch das Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgericht entschieden, dass die bisherigen Werbeaussagen von Prokon zur vermeintlichen Sicherheit und zur angeblichen „maximalen Flexibilität“ der Genussrechte nicht rechtens sind.

21. Juni 2012, Financial Times Deutschland, “Was hinter Prokons Verlockungen steckt” – Man entkommt ihr nicht: Prokons Werbung ist überall. Der Ökoenergie-Anbieter lockt mit hohen Zinsen und glänzt mit guten Zahlen. Doch der Erfolg mit der nachhaltigen Energie fußt vor allem auf konzerninternen Geschäften und außerordentlichen Erträgen.

Gerd Bennewirtz, Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer: FondsRatschlag!

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Kategorien: Wissen. Konzentriert.
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