FondsAnbieter Franklin Templeton Investments: Die Politik des Gesundheitswesens

14. Juni 2017 von um 11:00 Uhr
Wie beurteilen FondsAnbieter ihre Anlagerreigionen ? Wie fällt die Analyse der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) über Fundamentaldaten, Währungen und Kapitalflüsse aus? Informationen direkt aus dem Research Centern der FondsBranche finden SJB FondsBlogger in der Kategorie "Anbieter. Berichten."

Bei der FondsAuswahl zählt die Unabhängigkeit vom Anbieter! Fonds-Anbieter-Franklin-Templeton-Investments: Ihre Werbung. Hier?Ungeachtet der Politik gibt es Evan McCulloch zufolge zahlreiche hochinteressante Innovationen in den Bereichen Biotechnologie, Pharma und Gesundheit.

Veränderte politische Grundsätze und Prioritäten können Auswirkungen auf bestimmte Marktsektoren haben, wobei die Folgen sowohl positiv als auch negativ ausfallen können. Während des Wahlkampfes im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen 2016 wurden Themen wie etwa die Kosten im Gesundheitswesen oder auch die Preisgestaltung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten kontrovers diskutiert. Die Regierung unter Donald Trump macht sich nun daran, die eigene Gesundheitsagenda durchzusetzen. Im bisherigen Verlauf des Jahres haben der Gesundheits- und der Biotechnologiesektor die vorherrschende Unsicherheit noch abschütteln können. Aber sind die Anleger möglicherweise zu optimistisch? Evan McCulloch von der Franklin Equity Group zufolge lässt sich das Verhalten von Medikamenten sehr viel besser vorhersagen als das von Politikern. Allerdings sieht er auch mehrere Faktoren, die den positiven Ausblick des Marktes untermauern.

Als Analyst bin ich auf Arzneimittel spezialisiert. Alle paar Jahre sehe ich mich jedoch gezwungen, in die Rolle eines politischen Analysten zu schlüpfen, was bisweilen alles andere als leicht ist. In den meisten Fällen lässt sich das Verhalten von Medikamenten leichter vorhersagen als das der Politiker!

Fassen wir zunächst einmal kurz zusammen, was bislang in diesem Jahr in den USA geschehen ist: im März scheiterte vorerst die im US-Repräsentantenhaus eingebrachte Gesetzesvorlage, durch die der (auch als Obamacare bezeichnete) Affordable Care Act ersetzt werden sollte. Es fehlte an Stimmen für die Verabschiedung des Gesetzes, und Präsident Trump setzte dem Kongress ein Ultimatum: Entweder, ihr bekommt es hin, oder ich konzentriere mich stattdessen auf andere Themen. Das Gesetz wurde zwar nicht verabschiedet, hinten angestellt wurde das Thema daraufhin jedoch auch nicht.

In der Osterpause setzten sich die Verhandlungen zwischen den verschiedenen konservativen Fraktionen im Kongress fort, und letztendlich wurde ein Kompromiss gefunden, für den es eine Stimmenmehrheit gab, so dass die Gesetzesvorlage an den Senat weitergeleitet werden konnte. Ein Gesetz zu formulieren, dass vom Senat verabschiedet wird, dürfte unserer Einschätzung nach jedoch sehr viel schwieriger und mit erheblichen Verzögerungen verbunden sein. Der Senat ist derzeit moderater als das Abgeordnetenhaus und dürfte eine eigene Version des Gesetzes verabschieden. Sollte dies geschehen, müssten die beiden Versionen zunächst einmal miteinander abgestimmt werden, bevor sie beiden Kammern noch einmal für eine abschließende Abstimmung vorgelegt werden. Darüber hinaus wird derzeit beabsichtigt, die Gesetzesvorlage allein auf Haushaltsangelegenheiten zu beschränken, so dass sie mit einer einfachen Mehrheit vom Senat verabschiedet werden kann. Hierdurch wird die Möglichkeit eines Filibuster vermieden, gleichzeitig jedoch auch der Umfang der behandelten Themen eingeschränkt.

Wir sind langfristig orientierte Anleger, können uns jedoch kaum vorstellen, dass Obamacare bis Ende des Jahres außer Kraft gesetzt oder abgelöst werden wird.

Die Republikaner attackieren Obamacare nun schon seit sieben Jahren. Während des Wahlkampfes haben sie immer wieder versprochen, das Gesetz aufzuheben, und einige Kommentatoren vermuten inzwischen, dass Präsident Trump die fiktiven Einsparungen eines aufgehobenen oder ersetzten Gesundheitsgesetzes nutzen will, um eine Steuerreform zu finanzieren, die aller Wahrscheinlichkeit nach auf mehr Zuspruch stoßen dürfte. Somit wirkt sich die Verzögerung bei der Verabschiedung der Gesundheitsreform auch auf andere legislative Prioritäten aus.

Trotz dieser Unsicherheit haben der Gesundheits- und der Biotechnologiesektor seit den im November abgehaltenen US-Präsidentschaftswahlen zulegen können. Die demokratische Kandidatin Hillary Clinton hatte die hohen Kosten vieler verschreibungspflichtiger Medikamente zu einem zentralen Thema ihres Wahlkampfes gemacht. Hätte sie die Wahl gewonnen, so die Befürchtungen vieler, hätte sie wohl Gesetze einbringen lassen, die die Preise gedeckelt und den pharmazeutischen Sektor belastet hätten.

Die Republikaner hatten sich gegen Änderungen an der Preisgestaltung für Arzneimittel ausgesprochen. Durch den Wahlsieg Trumps (und insbesondere die Tatsache, dass die Republikaner die Kontrolle über sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat behielten) ist die Wahrscheinlichkeit belastender legislativer Maßnahmen zur Steuerung der Preise von Medikamenten deutlich zurückgegangen. Versuche, Obamacare abzuschaffen und zu ersetzen, könnten sich immer noch auf Unternehmen in diesem Sektor auswirken, wenn die Erweiterung von Medicaid zurückgeschraubt wird und mehr Menschen ihren Versicherungsschutz verlieren. Der aktuell von den Republikanern vorgelegte Plan sieht jedoch keine Änderung an Medikamentenpreisen vor. Die Tatsache, dass seit der Wahl keine bedeutenden Gesetze verabschiedet wurden, ist einer der Faktoren, die innerhalb des Sektors für positive Renditen gesorgt haben.

Infolgedessen hat sich die Branche erneut auf Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten konzentriert, um Medikamente zu finden, die deutliche klinische Vorteile bieten. Der Schwerpunkt liegt auf neuen oder stark verbesserten Behandlungen, wovon aus langfristiger Sicht letztlich die Patienten profitieren.

 

Ein Blick in die Zukunft: Steuern und Regulierung

Wir gehen davon aus, dass die Möglichkeit einer Steuerreform das nächste große legislative Thema sein wird, das Auswirkungen auf den Biotechnologiesektor hat – allerdings nicht aus den Gründen, die viele vermuten. Die Körperschaftsteuersätze der meisten profitablen Biotechnologieunternehmen liegen bereits bei etwa 20 % bis 25 %, so dass der aktuell vorgeschlagene Plan zur Senkung der Körperschaftsteuer keine enorme Veränderung darstellt.

Im Rahmen der aktuellen Steuerstruktur und aufgrund der Nutzung ausländischer Tochtergesellschaften durch die Konzerne stellt sich jedoch häufig eine Situation ein, in der liquide Mittel im Ausland festsitzen. Trump hat eine Steuervergünstigung vorgeschlagen, die US-Unternehmen Anreize bieten würde, diese Mittel (in die USA) zurückzuführen und zur Investition in das eigene Geschäft zu verwenden. Viele Unternehmen, die zu einer solchen Kapitalrückführung in der Lage wären, könnten die Mittel einsetzen, um Mehrwert für ihre Aktionäre zu schaffen, möglicherweise über Aktienrückkäufe, Dividenden oder – worauf wir insbesondere hoffen – weitere Fusionen und Übernahmen. Fusionen und Übernahmen können auf verschiedene Weisen Mehrwert liefern. Zum einen erlauben sie größeren Unternehmen, ihre Pipeline mit neuen Produkten zu füllen. Kleinere Unternehmen erhalten derweil Zugang zur Expertise und den personellen Ressourcen etablierter Unternehmen, um so ihre Vertriebstätigkeit zu verstärken.

An der regulatorischen Front erwarten wir in dieser Hinsicht keine deutlichen Änderungen seitens der neuen US-Regierung. Wir gehen davon aus, dass Scott Gottlieb, der neue Leiter der Food and Drug Administration (FDA), positiven Einfluss nicht nur auf die FDA, sondern auch auf den Pharma- und Biotechnologiesektor insgesamt haben wird. Die FDA arbeitet nach wie vor eng mit der Branche zusammen und scheint sich mehr denn je zuvor darauf verpflichtet zu haben, Patienten wichtige neue Medikamenten schnell zugänglich zu machen.

Es gibt mehrere weitere übergeordnete Trends, die dem Gesundheitswesen und dem Biotechnologiesektor unserer Einschätzung nach weiterhin Unterstützung bieten sollten. Einer davon betrifft die demografische Entwicklung. Die Weltbevölkerung altert (insbesondere in den Industrieländern), und ältere Menschen verbrauchen deutlich mehr Produkte und Dienstleistungen zur Gesundheitsvorsorge als jüngere Generationen.

 

Neue Fortschritte und Durchbrüche

Auf Ebene der einzelnen Unternehmen sehen wir auch weiterhin erhebliche Fortschritte in der Forschung. Im Bereich der Gentherapie sowie in der Krebsbehandlung wurden enorme Durchbrüche erzielt. Bedeutende Innovationswellen spiegeln die exponentiellen Fortschritte in der Grundlagenforschung und unserem Verständnis der Humanbiologie wider, die allmählich Früchte tragen.

Zudem sehen wir potenzielle Chancen bei Unternehmen, die kürzlich Medikamente auf den Markt gebracht haben. Anleger betrachten die Markteinführung neuer Medikamente generell mit Skepsis, wir sehen jedoch mehrere Arzneimittel (insbesondere im Bereich der Onkologie), deren Umsatzschätzungen zu niedrig sind und die somit attraktive Bewertungen bieten.  Darüber hinaus stellen Unternehmen mit risikoarmen Produkten, die bereits von der FDA zugelassen worden, ein attraktives Ziel für Fusions- und Übernahmetätigkeiten innerhalb des Sektors dar, und wir rechnen mit einer weiteren Konsolidierung dieser Art von Unternehmen im weiteren Verlauf des Jahres.

Die Aktien von Biotechnologieunternehmen mit hoher Marktkapitalisierung haben sich allgemein gut entwickelt, wobei die jüngsten Ertragsmeldungen jeweils den Erwartungen entsprachen. Wir halten das allgemeine Umfeld für den Biotechnologiesektor weiterhin für gut, und Large Cap-Unternehmen könnten durchaus unterbewertet sein. Die Bewertungen spiegeln zwar die Reifung der jeweiligen Geschäftsmodelle wider, unterschätzen derzeit unserer Ansicht nach jedoch die Möglichkeit einer neuerlichen Beschleunigung des Wachstums.

Aus Sicht der Therapiebereiche schätzen wir die Aussichten für Unternehmen in den Bereichen Onkologie, Neurologie und seltene Erkrankungen weiterhin positiv ein. All diese Bereiche weisen einen erheblichen ungedeckten medizinischen Bedarf auf, können bedeutende Innovationen vorweisen und zeichnen sich durch ein geschütztes Vergütungsumfeld aus. Hierbei handelt es sich in der Regel um Behandlungsmöglichkeiten für entweder stark belastende oder gar tödliche Erkrankungen, bei denen es äußerst schwierig ist, Patienten die Behandlung zu verweigern. Ungeachtet des politischen Umfelds sind diese Behandlungsarten Preisdruck gegenüber sehr widerstandsfähig.

Ein weiterer Bereich, den wir für recht vielversprechend halten, ist die personalisierte bzw. Präzisionsmedizin. Hierbei wird ein Medikament individuell auf einen Patienten zugeschnitten, in der Regel auf der Basis genetischer Marker oder anderer klinischer Informationen, die bestimmen können, wie gut der Betroffenen auf eine Behandlung reagieren wird. Früher war die Sequenzierung einzelner Genome mit Kosten in Millionenhöhe verbunden. Inzwischen sind diese jedoch – parallel zu anderen Diagnosetests – auf einen vierstelligen Betrag gesunken. Wir können bereits eine entsprechende Anwendung beobachten. Bestes Beispiel hierfür ist das Medikament Herceptin. Herceptin wird in der Behandlung von Brustkrebs eingesetzt und richtet sich speziell gegen HER2-positive Tumore. Eine Laboruntersuchung kann bestimmen, ob der Krebs eines Patienten HER+ ist, in welchem Fall sich Herceptin im Rahmen der Therapie anbietet. Bei Patienten mit HER- hat das Medikament hingegen keinerlei Wirkung.

Unternehmen suchen zunehmend nach zielgenauen Untergruppen von Patienten, für die ein bestimmtes Präparat eine höhere Wirksamkeit aufweisen kann. Die entsprechenden klinischen Studien werden dann speziell hierauf zugeschnitten. Dies ist für die Entwicklung von Medikamenten günstig, da die Wahrscheinlichkeit positiver Studiendaten mit stärker fokussierten Patientenpopulationen steigt. Zudem profitieren Patienten hiervon, da sie künftig Behandlungen erhalten, die für ihre individuellen genetischen Merkmale bzw. Variationen einer Erkrankung die höchste Wirksamkeit entfalten. Angesicht ihrer Effektivität können Unternehmen für stärker zielgerichtete Arzneimittel höhere Preise verlangen, was wiederum die Entwicklung neuer Medikamente fördert. Wir haben Daten zu mehreren Erkrankungen gesehen, für die unserer Einschätzung nach funktionale Heilverfahren durchaus möglich sind. Unserer Einschätzung nach sehen wir in diesem Bereich momentan lediglich die Spitze des Eisbergs.

Auch wenn diese neuesten Entwicklungen äußerst spannend sind, halten wir an unserem disziplinierten Anlageansatz fest. Wir vermeiden in der Regel Unternehmen in frühen Entwicklungsphasen, die noch keine klinischen Machbarkeitsstudien vorweisen können oder sich auf Erkrankungen konzentrieren, deren Biologie bislang kaum verstanden wird. Zudem finden wir eine immer geringere Anzahl an Chancen in therapeutischen Bereichen wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Infektionskrankheiten, da die Behandlungsmöglichkeiten in diesen Bereichen heute bereits recht gut sind.

HINWEISE: Im Rahmen unseres Anlageprozesses berücksichtigen wir zahlreiche Faktoren innerhalb eines breiten Spektrums von Unternehmen. Wir wägen die potenziellen Chancen stets vorsichtig gegenüber den Bewertungen und Risiken ab. Die in diesem Dokument zum Ausdruck gebrachten Kommentare, Meinungen und Analysen sind die persönlichen Ansichten des Anlageverwalters und dienen ausschließlich Informationszwecken und der Informierung der Allgemeinheit. Sie sind weder als Anlageberatung oder Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer Anlagestrategie zu verstehen. Sie stellen auch keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Die Informationen in diesem Dokument entsprechen dem Datum der Veröffentlichung und können sich ohne Vorankündigung ändern. Sie sind nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt oder eine Anlage gedacht. In diesem Dokument möglicherweise verwendete externe Daten wurden von Franklin Templeton Investments („FTI“) nicht unabhängig verifiziert, bewertet oder überprüft. FTI haftet auf keinen Fall für Verluste, die durch die Nutzung dieser Informationen entstehen. Das Vertrauen auf die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument liegt im alleinigen Ermessen des Nutzers. Manche Produkte, Dienstleistungen und Informationen sind möglicherweise nicht in jedem Land verfügbar und werden außerhalb der USA von anderen mit FTI verbundenen Unternehmen und/oder ihren Vertriebsstellen, wie nach lokalem Recht und lokalen Vorschriften zulässig, angeboten. Bitte wenden Sie sich für weitere Informationen über die Verfügbarkeit von Produkten und Dienstleistungen in Ihrem Land an Ihren eigenen professionellen Berater.

 

templetonFranklin Templeton Investments. Hintergründig.

Die US-FondsGesellschaft Templeton wurde 1940 gegründet, die Investmentgesellschaft Franklin 1947. Seit 1992 haben sich beide Gesellschaften zu Franklin Templeton Investments zusammengeschlossen. Fonds in Deutschland: 83. Weltweit verwaltetes Vermögen: 740,0 Milliarden US-Dollar, davon 25,6 Milliarden US-Dollar in Deutschland. Zu Umsatz und Gewinn macht die Gesellschaft keine Angaben. Anzahl der Mitarbeiter weltweit: über 9.000. Geschäftsführer in Deutschland: Reinhard Berben. Stand: 31.03.2017.

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