FondsAnbieter Franklin Templeton Investments: Die politischen Folgen des Wahlsiegs Macrons

11. Mai 2017 von um 10:00 Uhr
Wie beurteilen FondsAnbieter ihre Anlagerreigionen ? Wie fällt die Analyse der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) über Fundamentaldaten, Währungen und Kapitalflüsse aus? Informationen direkt aus dem Research Centern der FondsBranche finden SJB FondsBlogger in der Kategorie "Anbieter. Berichten."

Bei der FondsAuswahl zählt die Unabhängigkeit vom Anbieter! Fonds-Anbieter-Franklin-Templeton-Investments: Was kommt nach dem Wahlsieg Macrons in Frankreich als Nächstes auf die Anleger zu? Matthias Hoppe, Portfoliomanager, Franklin Templeton Solutions, erläutert seine Einschätzung zum Markt und zu den politischen Folgen. Aus seiner Sicht könnte es in Frankreich teilweise zu einem politischen Stillstand kommen, jedoch dürften die Anleger stärker die fundamentalen Verbesserungen in Europa beachten.

Matthias Hoppe, Senior Vice President, Portfolio Manager, Franklin Templeton Solutions: Extrem niedrige Schwankungen an den Aktienmärkten kurz vor dem zweiten Wahlgang in Frankreich hatten signalisiert, dass die Investoren einen Wahlsieg von Emmanuel Macron für sehr wahrscheinlich hielten. Die Märkte sollen Recht behalten. Die Meinungsumfragen lagen richtig. Die Welle populistischer, gegen die Globalisierung gerichteter Strömungen in Kontinentaleuropa, dem Vereinigten Königreich bis in die USA scheint abzuebben.

Jetzt fängt die Arbeit erst richtig an. Wenn Macron überhaupt eine Chance erhalten soll, seine Wahlversprechen umzusetzen, muss er eine Machtbasis aufbauen können. Die Parlamentswahlen in Frankreich finden im Juni statt und Macrons „En Marche!“ ist eher eine Bewegung als eine organisierte politische Partei. Wenn überhaupt, könnte sie nur einige Sitze in der Nationalversammlung gewinnen, selbst wenn sie Kandidaten in allen Wahlbezirken hätte.

Im Prinzip könnte Macron sich einer Mehrheit im Parlament nicht sicher sein, wenn die traditionellen Parteien wie die Mitte-Rechts-Republikaner, sich einer Zusammenarbeit verschließen. Da sich Macron in der Mitte positioniert, erscheint eine Koalition mehrerer Parteien für ihn wahrscheinlicher, als dies für seine Rivalin Marine Le Pen gewesen wäre.

Trotzdem könnte Macron als Präsident mit mehreren Einschränkungen zu kämpfen haben. Dadurch könnte kurzfristig durchaus ein Stillstand entstehen. Eine seiner Prioritäten ist die Reform des französischen Arbeitsrechts. Da die Gewerkschaften wahrscheinlich dagegen opponieren werden, wie sie es in der Vergangenheit bewiesen haben, könnte dies Frankreich lähmen, mit den entsprechenden Schwierigkeiten. Wenn diese Bremsfaktoren am Anfang seiner Präsidentschaft wirken, könnte Macron rasch die Dynamik einbüßen, die er für den Erfolg benötigt.

Frankreich genötigt jedoch Schwung, um seine Wirtschaft zu reformieren. In den letzten 30 Jahren oder mehr wurde dies wiederholt gestoppt. Wird Macron sich durchsetzen können, wo andere wiederholt versagt haben? Das Wahlprogramm Macrons sieht eine weitere Integration der Europäischen Union (EU) vor, außerdem will auf europäischer Ebene einen gewissen Protektionismus einführen (z. B. eine Art „Kauf europäisch!-Gesetz“). Außerdem enthält sein Programm Reformen der Angebotsseite, zusammen mit Verbesserungen auf der Nachfrageseite.

Folgen für Wirtschaft und Märkte

Auf die erste Wahlrunde waren die Marktreaktionen optimistisch. Die Aktienmärkte legten kräftig zu und traditionell als sicher betrachtete Anlagen wie Bundesanleihen und Gold gaben nach. Heute bleibt die Frage: Was kann Macrons Sieg für die Märkte sowie für die politische Landschaft in Frankreich und allgemein für die Europäische Union bedeuten?

Im Hinblick auf sofortige Anlagechancen sind wir der Meinung, dass der Sieg bereits weitgehend eingepreist ist. Da jedoch das mit europäischen Wahlen verbundene Risiko schwindet, sollten sich globale Anleger aus unserer Sicht mehr auf die beeindruckende Verbesserung konzentrieren, die wir in den Wirtschaftsdaten der Eurozone beobachten, und weniger auf die politischen Risiken einer weiteren Eurokrise – oder gar eines Zusammenbruchs der gesamten EU. Verbesserungen in der Wirtschaft und bei Unternehmen könnten Macron einigen Schwung für die ersten Wochen seiner Präsidentschaft verleihen.

Während das Risiko eines Zusammenbruchs der Währungsunion schwindet, dürften die Risikoprämien auf französische Staatsanleihen und solche der Länder an der Peripherie sogar noch stärker sinken. Deutsche Bundesanleihen dürften höher rentieren und die Risikoprämien französischer Staatsanleihen dürften nach ihrem Drei-Jahres-Höchststand nachgeben.

Positionierung für eine Macron-Präsidentschaft

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zeigt in den ersten drei Monaten ein robustes Wachstum und für das vierte Quartal 2016 wurde es von 0,4% auf 0,5% nach oben korrigiert, wobei Frankreich jedoch ein etwas schwächeres BIP-Wachstum auswies. Ökonomen gehen von einem stärkeren realen BIP-Wachstum für 2017 in der Eurozone aus. Was jedoch wichtiger ist: die Wachstumsprognosen werden seit September 2016 stetig nach oben revidiert. Wir meinen, dieser Trend könnte sich fortsetzen.

Gleichzeitig ist die Inflation bis April im Jahresvergleich auf 1,9% gestiegen und nähert sich dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), ohne dass die Gefahr einer Überhitzung besteht. Dies bewirkt, dass Deflationsängste schwinden und könnte möglicherweise dazu führen, dass die EZB früher als erwartet von ihrer ultralockeren Geldpolitik ablässt. Dieser Prozess könnte durch ein Nachlassen politischer Spannungen nach dem Wahlsieg Macrons Unterstützung finden.

Zwar ist die Arbeitslosigkeit in der Eurozone gesunken und die Auslastung der Industrie gestiegen, jedoch bewirken aus unserer Sicht die verbleibenden Trägheitsmomente in der Wirtschaft noch recht hoch. Es wird noch dauern, bis sich ein nachhaltiger Aufwärtstrend bei der Kerninflation – die Voraussetzung für eine Änderung der EZB-Politik – und zu höheren Renditen in der Eurozone einstellt. In der jüngsten Sitzung hat die EZB ihre Haltung kaum geändert. Sie differenziert zwischen einem optimistischeren Wachstumsausblick und einer noch verhaltenen Prognose zur Inflation.

Eine Änderung dieser Haltung könnte einen rapiden Anstieg der Renditen von Bundesanleihen und einem Abschmelzen der Renditedifferenz bei US-Treasurys auslösen. Als Folge könnte der Euro gegenüber dem US-Dollar weiter aufwerten. Derzeit gehen wir jedoch lediglich von einem vorübergehenden und begrenzten Effekt auf den Euro aus. Dieser Ausblick ändert sich auch nicht nach dem Sieg Macrons.

Das Gemisch aus regerer Wirtschaftstätigkeit, begrenztem Inflationsdruck und lockeren Finanzierungskonditionen könnten die Unternehmensgewinne in der Eurozone bei weiter anziehender Konjunktur stützen. In den USA ist die Konjunktur in einer recht reifen Phase und die Erholung in der Eurozone zeigt sich erst seit einigen wenigen Quartalen. Im Verbund mit der geänderten geldpolitischen Einstellung in der Eurozone im Vergleich zu den USA könnte aus unserer Sicht diese Großlage attraktiv für eine Favorisierung europäischer Aktien gegenüber denjenigen aus den USA sein.

Da bald nach den französischen Wahlen auch in Deutschland gewählt wird und ein Führungswechsel in Berlin möglich ist (die Wahlen sind für September angesetzt), bleibt die Prämie für politische Risiken aus unserer Sicht wohl bestehen, jedoch ist sie nach dem Ausgang der französischen Wahlen zu einem großen Teil verschwunden.

 

templetonFranklin Templeton Investments. Hintergründig.

Die US-FondsGesellschaft Templeton wurde 1940 gegründet, die Investmentgesellschaft Franklin 1947. Seit 1992 haben sich beide Gesellschaften zu Franklin Templeton Investments zusammengeschlossen. Fonds in Deutschland: 83. Weltweit verwaltetes Vermögen: 740,0 Milliarden US-Dollar, davon 25,6 Milliarden US-Dollar in Deutschland. Zu Umsatz und Gewinn macht die Gesellschaft keine Angaben. Anzahl der Mitarbeiter weltweit: über 9.000. Geschäftsführer in Deutschland: Reinhard Berben. Stand: 31.03.2017.

 

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