FondsAnbieter- Union Investment: Marktticker

29. Juni 2016 von um 10:30 Uhr
Wie beurteilen FondsAnbieter ihre Anlagerreigionen ? Wie fällt die Analyse der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) über Fundamentaldaten, Währungen und Kapitalflüsse aus? Informationen direkt aus dem Research Centern der FondsBranche finden SJB FondsBlogger in der Kategorie "Anbieter. Berichten."

unabhaengigkeitFondsAnbieter- Union Investment: Britisches EU-Referendum: Out!unabhaengigkeitIhre Werbung. Hier?

Was lange für ein eher unwahrscheinliches Szenario gehalten wurde, traf heute ein. Die Briten haben sich – wenn auch nur mit einer knappen Mehrheit von rund 52 zu 48 Prozent – für den Brexit und damit den Austritt aus der Europäischen Union (EU) entschieden. Allerdings wird Großbritannien nicht sofort aus der EU ausgeschlossen, für die nun anstehenden Austrittsverhandlungen bleiben mindestens zwei Jahre Zeit.

Aus wirtschaftlicher Sicht dürfte das eher überraschende Ergebnis nur Verlierer kennen. Union Investment rechnet nun schon für das laufende Jahr mit einem Rückgang des britischen Wirtschaftswachstums auf 1,6 Prozent (nach 2,3 Prozent im Vorjahr). In 2017 dürften die Briten mit der Entscheidung ein weiteres knappes Drittel ihres Wirtschaftswachstums einbüßen.

Politische und wirtschaftliche Unsicherheit

Neben den wirtschaftlichen Folgen wirft der Austritt auch zahlreiche politische Fragen auf. Der britische Premier David Cameron kündigte bereits am Freitagmorgen seinen Rücktritt für Herbst 2016 an. Wer wird ihm nachfolgen? Zudem ist ungewiss, wie die mehrheitlich pro-europäisch eingestellten Schotten und Nordiren auf das Referendum reagieren. So hatten die Schotten vor gut zwei Jahren zwar noch gegen eine Unabhängigkeit votiert, der Brexit dürfte nun für das Aufflammen einer erneuten Diskussion sorgen. Im schlimmsten Fall könnte der Zusammenhalt des Vereinigten Königreiches auf dem Spiel stehen.

Auch für Kontinentaleuropa dürften ungemütliche Zeiten anbrechen. Der zuletzt in einer Reihe von europäischen Ländern zu beobachtende Trend zur Abkehr von einem vereinten Europa sollte mit dem heutigen Beschluss an Fahrt gewinnen. Zum einen dürften die Peripherieländer wie etwa Italien einen verheißungsvollen Weg aus dem deutschen „Spardiktat“ erkennen. Zum anderen wird wohl auch in den Kernländern Unmut entstehen, da die finanziellen Lasten ohne die Briten nunmehr auf noch weniger Schultern verteilt werden. Die Sorge vor einem Zerfasern des europäischen Projektes dürfte nunmehr verstärkt an den Kapitalmärkten eingepreist werden.

Spanien vor der Parlamentswahl

Vor diesem Hintergrund gewinnt die am kommenden Sonntag anstehende Parlamentswahl in Spanien zusätzliches Gewicht. Die Kritiker der europäischen Idee werden zweifellos angesichts des Brexit-Votums zusätzlichen Rückenwind erhalten. Umfragen zufolge ist ein starkes Abschneiden der europakritischen Podemos-Partei zu erwarten. Damit könnte sich eine erneute Hängepartie bei der Regierungsbildung abzeichnen. Verliert das pro-europäische Lager wieder eine Wahl, droht ein Erlahmen der Reformkräfte. Die Bildung einer reformfreudigen Regierung könnte hingegen positive Signale in den Euroraum senden.

Reaktion der Kapitalmärkte

In Folge des beschlossenen Ausstiegs der Briten aus der EU kam es an den Finanzmärkten am Freitagvormittag zu deutlichen Kursbewegungen. Viele Marktteilnehmer hatten in der Berichtswoche den Umfragen vertrauend auf einen Verbleib Großbritanniens gesetzt und entsprechend investiert. Trotz der starken Kursbewegungen ist, die Marktliquidität betreffend, bis Freitagmittag kein systemischer Stress zu beobachten. Alle Marktsegmente aus den Bereichen Aktien und Renten zeigen sich soweit handelsfähig, lediglich in einigen wenigen Segmenten war die Liquidität etwas geringer als üblich. Nicht zuletzt dürften die Ankündigungen von Notenbanken wie der Bank of England und der Europäischen Zentralbank, die Märkte notfalls mit umfassender Liquidität zu versorgen, zur Beruhigung beigetragen haben.

Bankenwerte stark unter Druck

An den Aktienmärkten sorgte die Brexit-Entscheidung zum für deutliche Abschläge bei den Kursnotierungen (zum Vortag). Im Wochenvergleich zeigten sich die Verluste hingegen weniger dramatisch. Schon in der Nacht hatten die asiatischen Märkte den Auftakt gegeben. Der japanische Nikkei 225 gab unter dem Eindruck des sich abzeichnenden Auszählungsergebnisses in den britischen Wahlbüros per saldo 7,9 Prozent ab. In Europa hatte der britische Aktienmarkt, auch vor dem Hintergrund eines sehr schwachen Britischen Pfundes, zum Handelsauftakt mit Verlusten in Höhe von bis zu 8,7 Prozent deutlich Federn lassen müssen. Dieser Einbruch konnte im weiteren Verlauf wieder etwas aufgeholt werden. Auch Aktien aus den europäischen Peripheriemärkten reagierten sehr empfindlich. In den großen Südländern wie etwa Spanien und Italien gaben die maßgeblichen Indizes (IBEX 35 und FTSE MIB) bis zur Mittagszeit mit zehn beziehungsweise elf Prozent zweistellig ab. Einstellig verlor der EuroStoxx 50 mit gut acht Prozent bis Freitagmittag. Der DAX gab im frühen Vormittagshandel rund zehn Prozent ab, konnte sich aber im weiteren Verlauf ebenfalls wieder etwas erholen. Mit Blick auf die Branchenentwicklung geriet der europäische Bankensektor deutlich unter Druck. Sowohl im EuroStoxx als auch im breiteren EuroStoxx 600 lagen die Banken mit minus 16 bzw. 13 Prozent deutlich an der Spitze der Verlierer.

Bundesanleihen und US-Treasuries gesucht

An den Rentenmärkten sorgte der Brexit für eine weitere Unterstützung der ohnehin seit geraumer Zeit im Aufwärtstrend liegenden sicheren Staatsanleihen. Die Rendite der richtungsweisenden Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit fiel mit minus 0,17 Prozent wieder deutlich in den negativen Bereich. In den vorhergehenden Handelstagen hatte sich die Zehnjahresrendite zunächst noch in den leicht positiven Bereich vorarbeiten können. In den USA fiel die Verzinsung zehnjähriger US-Schatzanweisungen um 20 Basispunkte auf 1,55 Prozent. Britische Staatsanleihen (Gilts) zogen nicht zuletzt vor dem Hintergrund nun aufkommender Rezessionsängste fester und verzeichneten damit ebenfalls rückläufige Renditen. In Mitleidenschaft gezogen wurden hingegen die Staatsanleihen aus der Peripherie. Im Handelsverlauf zeigten sich deutliche Ausweitungen bei den Risikoprämien (Spreads), die gegenüber Bundesanleihen bis zu 40 Basispunkte betrugen. Dort belastet nun zusätzlich die Spanien-Wahl am Sonntag.

Am europäischen Unternehmensanleihemarkt war nach einem eher schwächeren Start in den Freitag eine Erholungsbewegung auszumachen. Vor allem die vom EZB- Ankaufprogramm (CSPP) unterstützten Industrieanleihen zeigten sich gut gehalten, während die Schwäche des Bankensektors auch auf entsprechende Anleihen übergriff.

Gut erholt zeigten sich im Freitagsverlauf Rentenpapiere aus den Schwellenländern. Im Hartwährungsbereich (US-Dollar und Euro-Papiere) waren teils Kursnotierung zu beobachten, die sich auf Vor-Brexit-Niveau bewegten.

Britisches Pfund und Euro werten ab

Mit Blick auf die Devisenmärkte waren der US-Dollar und der Japanische Yen als sichere Anlagehäfen gesucht. Das Britische Pfund wertete zweistellig zum US-Dollar ab. Auch der Euro kam unter Druck, zeitweise mussten nur noch 1,09 US-Dollar je Euro bezahlt werden. Gold legte im Tagesverlauf in der Spitze um etwas mehr als 100 US-Dollar je Feinunze auf 1350 US-Dollar zu.

Ausblick

Der Brexit und dessen Auswirkungen auf die Finanzmärkte werden uns zweifelsohne auch in der kommenden Woche begleiten. Nach dem ersten Schock wird erst einmal das Wochenende für eine Verschnaufpause sorgen. In der kommenden dürfte dann der eine oder andere Investor den angerichteten Schaden mit etwas Abstand betrachten und analysieren.

Schwankende Märkte und anhaltende Unsicherheit werden uns aber wohl bis auf Weiteres erhalten bleiben, zumal die Spanien-Wahl am Sonntag für weitere Verunsicherung sorgen könnte. Die Zentralbanken stehen jedoch bereit, was für etwa Beruhigung unter den Marktteilnehmern sorgen dürfte.

Darüber hinaus stehen auch in der kommenden Handelswoche wieder einige Konjunkturdaten zu Veröffentlichung an. Den Euroraum betreffend werden am Donnerstag mit einer ersten Schnellschätzung die Verbraucherpreise im Juni bekanntgegeben. Darüber hinaus liefern der GfK-Konsumreport und der monatliche Arbeitsmarktbericht im Wochenverlauf Informationen zum Konjunkturverlauf in Deutschland.

In den USA stehen mit Verbrauchervertrauen (Conference Board), den Konsumausgaben und dem ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe zum Wochenschluss weitere wichtige Daten an.

 

union investmentÜber Union Investment
Mit rund 4,3 Millionen Kunden ist die Union Investment Gruppe einer der führenden Fondsanbieter in Deutschland und bietet Asset Management für private und institutionelle Anleger. Das Leistungsspektrum reicht von Renten-, Wertpapier- und Immobilienfonds über Vermögensverwaltung bis hin zu branchen- und firmenspezifischen Angeboten der betrieblichen Altersvorsorge. Insgesamt verwalten über 2.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kundengelder in Höhe von 180,8 Milliarden Euro.

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