FondsAnbieter- M&G Investments: JIM LEAVISS ZUR ENTWICKLUNG DER ANLEIHENMÄRKTE IM ZWEITEN HALBJAHR 2015

29. Juli 2015 von um 10:00 Uhr
Wie beurteilen FondsAnbieter ihre Anlagerreigionen ? Wie fällt die Analyse der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) über Fundamentaldaten, Währungen und Kapitalflüsse aus? Informationen direkt aus dem Research Centern der FondsBranche finden SJB FondsBlogger in der Kategorie "Anbieter. Berichten."

unabhaengigkeitFondsAnbieter- M&G Investments: Auch wenn wir jetzt erst Juni haben,Fortlaufende Nachrichten zur Schulden und Staatskrise. reichen die Ereignisse der ersten sechs Monate von 2015 gefühlt bereits für ein ganzes Jahr aus.

Schon der Jahresanfang hatte es in sich:

Die bereits lang erwartete Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), endlich ihr quantitatives Lockerungsprogramm (QE) zu starten, ging fast in dem Trubel um die kurz zuvor von der Schweizer Nationalbank überraschend verkündete Aufhebung der Euro-Bindung unter. Der Schweizer Franken erlebte die bislang stärkste Wertänderung einer führenden Währung innerhalb eines Tages überhaupt. Zudem trug das mit 1,2 Bio. EUR unerwartet große EZB-Programm dann mit dazu bei, dass in wesentlichen Bereichen des deutschen Staatsanleihenmarktes zeitweise Negativzinsen galten. Das waren aber noch nicht alle Turbulenzen im Januar: Hinzu kamen die Wahlen in Griechenland sowie innerhalb nur eines Monats insgesamt 14 Zinssenkungen der Zentralbanken.

Die Märkte gerieten – und sind immer noch – in Panik wegen einer Deflation in der Eurozone. Da könnte es nützlich sein, sich die Gesamtzusammenhänge vor Augen zu führen: Wie Abb. 1 zeigt, war die Kerninflation in den USA (auf einheitlicher Vergleichsbasis, ohne Immobilienpreise) an genau dem Tag, als die EZB im Januar die immense Ausweitung ihrer Bilanz ankündigte, tatsächlich niedriger als in der Eurozone und zuvor auch schneller gesunken. Dennoch gingen die Märkte in dieser Phase weiterhin von einer Erhöhung der US-Zinsen im Juni aus.

Der Ausverkauf bei Staatsanleihen führte jüngst dazu, dass eine „risikofreie“ deutsche Bundesanleihe (2,5 % 2046) nach einem Höchststand am 20. April innerhalb von weniger als drei Wochen um fast 20 % gefallen ist. Das zeigt wieder einmal, welches Kapitalrisiko die kurzfristige Entwicklung der Renditekurve für Anleiheninvestoren darstellen kann. Vor diesem Hintergrund achten die Investoren wieder genauer auf die unterschiedliche Entwicklung der verschiedenen Rentenassetklassen. Auch die Rolle der Durationsausrichtung für Anleihenrenditen ist stärker in den Fokus getreten.

Die US-Notenbank Fed ist in der Zwickmühle. Nachdem die Zinsen seit mehr als sechs Jahren in etwa bei Null gelegen haben, würde sie inzwischen gerne erste Zinserhöhungen vornehmen.

Einige Entwicklungen der letzten Monate – wie z. B. die Aktienrallye, das Wachstum des Markts für SubprimeAutomobilkredite und die Rückkehr strukturierter Kredite allgemein – wecken unschöne Erinnerungen an die Situation von 2003 bis 2007, als die Fed an einem zu niedrigen Leitzins festhielt. Zudem gibt es bereits erste Anzeichen dafür, dass sich wieder ein Lohnwachstum einstellt.

Nachdem die US-Lohninflation Anfang des Jahres bei 1,8 % gelegen hatte, erreichte sie laut jüngsten Daten im ersten Quartal 2015 einen Stand von 2,6 %.

Zu den Konjunkturindikatoren, auf die die Vorsitzende der Fed Janet Yellen ein besonderes Auge hat, gehören mehrere Beschäftigungskennzahlen, darunter „JOLTS“ (d. h. Stellenangebote und Personalfluktuation) sowie Eigenkündigungen (bei denen das Beschäftigungsverhältnis auf Wunsch des Mitarbeiters beendet wird, häufig, weil er eine neue Anstellung gefunden hat). Da diese Indikatoren positiv sind, dürfte eine Zinserhöhung bald Realität werden. Yellen und die Fed sind jedoch mit der Lektion der Großen Depression bestens vertraut: Werden Anreizmaßnahmen zu früh eingestellt, kann die Wirtschaft sehr schnell wieder in die Rezession rutschen. Die Fed setzt also darauf, dass es leichter sein wird, die Inflation durch Zinserhöhungen zu bekämpfen, als in einer ohnehin bereits bei Null liegenden Weltwirtschaft gegen die Deflation vorzugehen. Hierdurch wird wiederum das potenzielle Risiko eingedämmt, dass höhere Zinsen zu einem stärkeren Dollar und somit zu einer weiteren Beeinträchtigung der USUnternehmensgewinne führen.

Die sogenannte „Dots Chart“ der Fed hat sich seit Jahresbeginn deutlich verändert. (Zur Erinnerung: Die Prognosen der einzelnen Mitglieder des Offenmarktausschusses der Fed (FOMC) zur langfristigen Leitzinsentwicklung, die der Vorhersage-Grafik („Dots Chart“) zu entnehmen sind, können wertvolle Hinweise darauf liefern, wie sich die Straffung der Geldpolitik konkret abspielen könnte.) Nach der oben angesprochenen Veränderung entsprechen die Prognosen der Fed nun stärker dem, was der Markt derzeit einpreist (siehe Abb. 2). In ihrer derzeitigen Ausprägung zeigt die „Dots Chart“ die Größenordnung der Laufzeitprämie und erklärt, warum wir bei unseren Fonds an einer kurzen Duration festhalten. Diese Informationen dürfen jedoch nicht isoliert gesehen werden.

So wird die von der EZB ausgelöste Liquiditätsschwemme weltweit exportiert.

Für eine deutsche Versicherung, die ihren Kunden eine garantierte Rendite von sagen wir mal 1,5 % liefern muss, ist es natürlich naheliegend, statt Bundesanleihen mit einer Rendite von 0,2 % lieber 10-jährige US-Schatzanleihen mit einer Rendite von 2 % zu kaufen.

EUROPA: BESSERE PERSPEKTIVEN IN SICHT

Was die Lage in Europa angeht, kann man eigentlich nur feststellen, dass wer die Aufgabe hätte, eine Deflation herbeizuführen, genau den Weg gegangen wäre, den die Entscheidungsträger in der Eurozone in den letzten Jahren beschritten haben.

Aus geldpolitischer Sicht haben die getroffenen Entscheidungen die Bilanz der Eurozone um rund 40 % schrumpfen lassen (was aber immerhin nicht ganz so schlimm ist als der Wert von über 40 % Ende 2013, siehe Abb. 3). Aus haushaltspolitischer Sicht bedeuten die strikten Sparmaßnahmen und die Fokussierung der deutschen Regierung auf die „schwarze Null“ (d. h. das Ziel, erstmalig seit 1969 einen kleinen Haushaltsüberschuss zu erzielen), dass nur wenig Bereitschaft bzw. Möglichkeit besteht, die Deflation auf diese Weise zu bekämpfen. Auch die Strukturreformen kommen nur schleppend voran.

 

M&G. Hintergründig.

M&G wurde 1901 als Municipal and General Securities gegründet. Heute gehört die Gesellschaft zur Prudential-Gruppe. Verwaltetes Vermögen: 289,8 Mrd. Euro. Publikumsfonds in Deutschland: 61. Zu Umsatz und Gewinn keine Angaben. Anzahl der Mitarbeiter: 1.300. Geschäftsführer: Michael McLintock. Stand: 31.12.2014. SJB Abfrage: 28.07.2015.

Internet: www.mandg.de

Kategorien: Anbieter. Berichten.
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