FondsAnbieter J.P. Morgan Asset Management: Anhaltende politische Herausforderungen in Europa

30. November 2016 von um 11:00 Uhr
Wie beurteilen FondsAnbieter ihre Anlagerreigionen ? Wie fällt die Analyse der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) über Fundamentaldaten, Währungen und Kapitalflüsse aus? Informationen direkt aus dem Research Centern der FondsBranche finden SJB FondsBlogger in der Kategorie "Anbieter. Berichten."

unabhaengigkeitFondsAnbieter J.P. Morgan Asset Management: Die Auswirkungen des Brexit-Referendums SJB FondsSkyline OHG 1989. PortfolioManagement. Antizyklisch.auf Europa sind nach wie vor unklar – und schon zeichnen sich weitere einschneidende Ereignisse am politischen Horizont ab. Das Verfassungsreferendum Italiens am 4. Dezember könnte direkte Auswirkungen auf die politische Zukunft des Landes sowie umfassendere Folgen für Europa im derzeitigen Reformprozess haben.

Die Reform des italienischen Senats ist ein wichtiger Bestandteil im Prozess der institutionellen Erneuerung, sie stellt für die Regierung aber auch eine politische Zerreißprobe dar. Ein Abstimmungsergebnis für die Reform würde die Reformvorhaben der gegenwärtigen Koalition legitimieren. Ein negatives Ergebnis würde hingegen eine Zeit politischer Unruhe in Italien einläuten, was auch auf den Rest Europas ausstrahlen könnte. Dies würde auch den populistischen Parteien weiteren Auftrieb verleihen und den Reformprozess in der EU insgesamt erschweren.

Die trotz besserer makro- und mikroökonomischer Fundamentaldaten eher schwächere Entwicklung europäischer Aktien seit Jahresbeginn ist auf die politische Ungewissheit in der Region zurückzuführen.

Die festverzinslichen Wertpapiere der Eurozone wurden dagegen durch die Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) gestützt. Dies hat das Volatilitätsrisiko bei den europäischen Staatsanleihen reduziert und Anlegerzuflüsse gefördert.

AUSWIRKUNGEN DES VERFASSUNGSREFERENDUMS AUF ITALIEN

Die Reform des Senats ist ein wichtiger Bestandteil des weitreichenden italienischen Reformprogramms. Sie soll das Budget, die Macht und die Anzahl der Senatoren beschneiden. Eine solche Reform würde das Ende des einzigen völlig gleichberechtigten Zweikammersystems in Europa bedeuten, in dem der Senat der Republik (Senato della Repubblica) die gleiche Funktion ausübt wie die Abgeordnetenkammer (Camera dei deputati).

Nach der geplanten Reform wäre der neue Senat nur noch für regionale Fragen zuständig. Er dürfte der Regierung nicht mehr das Vertrauen entziehen, könnte aber weiterhin Änderungen an der Verfassung vorschlagen und über Verfassungsfragen abstimmen.

Die Reform könnte die Gesetzgebung erleichtern und die politische Stabilität stärken. Diese Stabilität stellt für die Republik, die 1946 gegründet wurde, ein wichtiges und schwer erreichbares Ziel dar. In den letzten 70 Jahren hatte Italien 63 Regierungen, von denen jede im Durchschnitt 13 Monate lang im Amt war (Abbildung 1). Im Vergleich dazu hatte Deutschland im selben Zeitraum nur 23 Regierungen und Großbritannien weniger als 20.

KOALITION AUF REFORMKURS

Ministerpräsident Matteo Renzi und seine Regierung setzen ein sehr ehrgeiziges Reformprogramm um (Abbildung 2), das einige der tief verwurzelten strukturellen Probleme Italiens aufbrechen soll, von denen viele glauben, dass sie zu dem anhaltend schleppenden Wirtschaftswachstum des Landes in den letzten Jahrzehnten beigetragen haben. Die Reformen sollen Folgendes erreichen:

Abbau der Bürokratie und Verschlankung des öffentlichen Dienstes

neuer Auftrieb für das verarbeitende Gewerbe

größere Flexibilität des Arbeitsmarktes

Umstrukturierung des Justizsystems

Schaffung von Grundlagen für eine wettbewerbsfähigere Wirtschaft

Die Reformen beinhalten zudem neue Wahlgesetzgebungen, nach denen die Verhältniswahl gilt, welche der Siegerpartei einer Parlamentswahl eine deutliche Mehrheit – und deutlich mehr Macht – garantiert.

WIDERSTAND GEGEN REFORMEN IN EUROPA

Auf dem Weg der Reformen in Europa ist noch lange nicht das Ziel erreicht, zumal der Pfad zur Akzeptanz der Bevölkerung holprig ist und in vielen Ländern zu politischen Unruhen führte (Abbildung 3).

In Spanien wurde nach langem politischen Stillstand und zwei Wahlgängen eine neue Koalition unter der erneuten Führung des früheren Ministerpräsidenten Mariano Rajoy gebildet, die sich jetzt einer grundlegend veränderten politischen Landschaft anpassen muss. Zwar ist die neue Koalition für die Wirtschaft positiv, jedoch machen es anhaltende Anlaufschwierigkeiten der Regierung schwer, Reformen durchzusetzen.

In Frankreich bremst die soziale Unzufriedenheit, die durch die Arbeitsmarktreform entstand, das wirtschaftliche Wachstum und behindert den Fortschritt der Reformen.

WAS GESCHIEHT, WENN SICH DIE BEFÜRWORTER DER REFORM DURCHSETZEN?

Das italienische Verfassungsreferendum soll am 4. Dezember stattfinden. Nach italienischem Gesetz verlangt ein Referendum zur Verfassung keine Mindestbeteiligung für die Beschlussfähigkeit. Die Reform tritt in Kraft, wenn sie die Zustimmung der Mehrheit aller gültig abgegebenen Stimmen erhält. Nach den aktuellsten Meinungsumfragen liegen Gegner und Befürworter gleichauf (Abbildung 4), was die Prognosen erschwert.

Ein „Ja” könnte das marktfreundlichste Ergebnis sein und die geringsten Befürchtungen auslösen. In Italien würde es die Glaubwürdigkeit der gegenwärtigen Koalition stärken und ihre Reformbemühungen unterstützen. In Europa könnte es auch das Argument bekräftigen, dass die Union durchaus noch Reformbedarf hat und diesen Weg fortsetzen sollte.

Populismus hat in den letzten fünf Jahren in vielen Ländern der Eurozone an Fahrt gewonnen             Die Mehrheiten für das Dezember-Referendum sind knapp

UND WAS GESCHIEGT BEI EINEM „NEIN”?

Das Szenario für ein „Nein” ist weniger klar. Beim Referendum geht es nicht nur darum, die Zustimmung zur Reform des Senats zu erhalten. Es wird auch die gegenwärtige Koalition auf die Probe stellen. Im Fall eines knappen Siegs der Reformgegner, könnte die Koalition dies überstehen, wobei sie damit ein weniger eindeutiges Reformmandat hat.

Ein klares „Nein” könnte Ministerpräsident Renzi zum Rücktritt zwingen und das Aus für sein Reformprogramm darstellen. In diesem Fall würde der Ministerpräsident der Italienischen Republik einem Kandidaten ein Mandat zur Bildung einer neuen Regierung erteilen – ein langwieriger und komplexer Prozess. Im schlimmsten Fall, wenn ein neuer Kandidat keine Einigung zu einer neuen Koalition erreichen kann, könnte es zu vorgezogenen Neuwahlen kommen. Dies würde eine längere Phase der Unsicherheit bedeuten und die Wirtschaft belasten.

Ferner könnte sich die politische Debatte auf Drängen der populistischen Parteien auch auf kritische Themen wie Immigration und Italiens Mitgliedschaft in der EU ausweiten. Aktuelle Umfragen deuten darauf hin, dass Italien eines der Länder ist, das mit größter Wahrscheinlichkeit ein Referendum zur EU-Mitgliedschaft einberufen würde (Abbildung 5). Dies ist insofern bemerkenswert, als dass Italien ein Gründungsmitglied der EU ist und als Befürworter der politischen und währungspolitischen Einheit gilt.

Italien hat den höchsten Anteil an Befragten, die aus dem Euro austreten wollen

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