FondsAnbieter- GAM: Schwellenländeranleihen: „Der Markt scheint sich dem Wendepunkt zu nähern“

14. April 2016 von um 10:00 Uhr
Wie beurteilen FondsAnbieter ihre Anlagerreigionen ? Wie fällt die Analyse der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) über Fundamentaldaten, Währungen und Kapitalflüsse aus? Informationen direkt aus dem Research Centern der FondsBranche finden SJB FondsBlogger in der Kategorie "Anbieter. Berichten."

unabhaengigkeitFondsAnbieter- GAM: Geldpolitik der Zentralbanken wirkt sich positiv auf Schwellenländeranleihen aus

Günstige Bewertungen und ein positives Momentum machen Assetklasse für Anleger attraktiv

Besonders osteuropäische Staaten könnten zu den künftigen Gewinnern gehören

„Zum ersten Mal innerhalb von drei Jahren scheint sich der Markt für Schwellenländeranleihen dem Wendepunkt zu nähern“, sagt Enzo Puntillo, Head Fixed Income und Portfoliomanager des JB Emerging Markets Opportunities Bond Fund bei GAM. „Einige größere Schwellenländer haben die Talsohle erreicht und es liegen teilweise extreme Unterbewertungen bei Anleihen vor. Der Rückkehrprozess zu einem ökonomischen Gleichgewicht innerhalb der einzelnen Länder führt zu einer wachsenden Divergenz der Volkswirtschaften verschiedener Schwellenländer und bietet Anlagechancen.“ Laut Puntillo ist es allerdings unwahrscheinlich, dass der nachhaltige Aufschwung schnell und v-förmig verlaufen wird.

Zinsentscheide von Fed und EZB sind günstig für Anleihen

Die jüngsten Entscheidungen der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB) wirkten dem Trend schwindender globaler Liquidität entgegen, der durch verschiedene Mechanismen ausgelöst worden war. Zuvor hätten Erwartungen über eine weitere Anhebung der Leitzinsen in den USA und eine andauernde Aufwertung des US-Dollar die Schwellenländeranleihen stark belastet. „Die Fed hat erkannt, dass das Wachstum der US-Wirtschaft und auch die Inflation nicht die relativ aggressive Straffung der Geldpolitik rechtfertigt, die sie signalisiert hatte. Zumindest im Moment ist damit auch die stetige Aufwertung des US-Dollar gestoppt, wodurch auch der Ölpreis mehr Raum hat sich langsam zu erholen“, so Puntillo. Die EZB halte an einer weiteren Lockerung der Geldpolitik fest, konzentriere sich mit ihren jüngsten Maßnahmen jedoch weniger auf eine Schwächung des Euro.

„Von diesen Entwicklungen profitieren verschiedene Anlageformen im Bereich Fixed Income. Darunter zum Beispiel inflationsindexierte Anleihen, weil die Inflationserwartungen, die vorher stark mit dem Ölpreis korrelierten, insgesamt steigen“, sagt der Experte. Auf den Kreditmärkten seien zudem die Renditeaufschläge kleiner geworden. Schließlich habe der Dämpfer des US-Dollars auch den Abwertungsdruck vom chinesischen Renminbi genommen. Die Korrekturen der Fed hätten zudem zu einer Situation geführt, die nun wieder stärker den Erwartungen der Anleger in Bezug auf künftige Zinserhöhungen entspräche.

Globales Wirtschaftswachstum bleibt langfristig gering

Zu diesem allgemein eher positiven Klima trage auch die Tatsache bei, dass das weltweite Wirtschaftswachstum wieder etwas an Fahrt aufnehme. Die neuesten Zahlen aus den USA hätten zuletzt die Erwartungen übertroffen. „Dennoch halten wir an unserer Meinung fest, dass es langfristig weltweit nur ein geringes Wirtschaftswachstum geben wird. Aufgrund der Demografie, geringer Produktivität und hoher Schulden wird die Wirtschaft vielerorts nur sehr verhalten wachsen“, prognostiziert Puntillo. Die Hauptfaktoren dafür, dass die Schwellenländer nun wieder besser in Tritt kämen, seien die immer günstiger gewordenen Bewertungen. Daneben sei das Sentiment gegenüber sämtlichen Anlageklassen mit Bezug zu den Emerging Markets extrem schlecht geworden. „In den Portfolios sind Emerging-Market-Investments nach wie vor deutlich unterrepräsentiert, weshalb das positive Momentum noch eine ganze Weile anhalten könnte.“

Brasilien scheint auf einem guten Weg

Aus fundamentaler Sicht sei ebenfalls davon auszugehen, dass die erheblichen Divergenzen in der makroökonomischen Entwicklung verschiedener Länder fortbestehen. Während die Rückkehr zum ökonomischen Gleichgewicht in Mitteleuropa schon sehr fortgeschritten sei, hätte diese in Brasilien gerade erst begonnen. Dass die brasilianische Handelsbilanz inzwischen positiv ist, wertet Puntillo als Beleg für eine grundlegend progressive Entwicklung des Staates. Dies werde auch durch die derzeit günstige Währung gestützt. „Brasilien ist eines der wenigen lateinamerikanischen Länder, dessen Exportvolumen steigt. Daher ist Brasilien derzeit eines unserer favorisierten Investments“, erklärt Puntillo.

Landeswährungen in Osteuropa und Mexiko mit Aufwertungspotenzial

Auch osteuropäische Staaten könnten zu den künftigen Gewinnern zählen. Länder wie Kroatien und Ungarn seien nach ihrer wirtschaftlichen Neuausrichtung nun stärker als vorher aufgestellt. Hier bieten sich laut dem Experten vor allem Investments in Währungen und Hartwährungsanleihen an. Sie hätten ein wesentlich besseres Wertsteigerungspotenzial als ihre Pendants in Lokalwährung. „Unser Bild von Mexiko hat sich ebenfalls wieder etwas aufgehellt. Hier sehen wir Chancen bei Devisenanlagen und Schuldtiteln, die im mexikanischen Peso denominiert sind, und sich am längeren Ende der Zinskurve befinden“, erläutert Puntillo.

„Unsere Sicht auf Schwellenländer hat sich im Vergleich zu den etablierten Industriestaaten in den letzten Monaten verbessert“, fasst Puntillo zusammen. Zwar sei das wirtschaftliche Umfeld weiterhin herausfordernd und die negative Anlegerstimmung bleibe bestehen, aber günstige Bewertungen, stabilisierende Fundamentaldaten und ein Untergewicht der Schwellenländerinvestments in Portfolios bildeten eine solide Basis für weiteren Fortschritt. Eine gewisse Stabilität der Rohstoff- und Ölpreise sollte nach Ansicht des Portfoliomanagers die Zuversicht der Anleger erhöhen. „Sehr hohe Renditen in manchen Märkten wie Brasilien könnten einige Käufer anziehen, die momentan auf den richtigen Zeitpunkt warten, um einzusteigen.“

 

gamGAM. Hintergründig.

GAM wurde 1983 als FondsTochter der UBS gegründet. Von 1999 bis 2005 gehörte die Gesellschaft zum Bankhaus Julius Bär. Seit September 2009 ist GAM selbständig. Fonds: 450. Verwaltetes Vermögen: 36,9 Mrd. Euro. Anzahl der Mitarbeiter: 760. Geschäftsführer: David M. Solo.

 

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