FondsAnbieter-GAM: Luxusuhrenhersteller: Weshalb nun der Tiefpunkt erreicht sein könnte

19. Januar 2016 von um 10:00 Uhr
Wie beurteilen FondsAnbieter ihre Anlagerreigionen ? Wie fällt die Analyse der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) über Fundamentaldaten, Währungen und Kapitalflüsse aus? Informationen direkt aus dem Research Centern der FondsBranche finden SJB FondsBlogger in der Kategorie "Anbieter. Berichten."

unabhaengigkeitFondsAnbieter- GAM: Wachstum des Sektors kommt primär aus Schwellenländern

Schweizer Uhrenhersteller mit kompetitivem Vorteil

Smartwatches konkurrieren besonders mit dem Modeuhrensegment

Aktien von Luxusuhrenherstellern sind attraktiv bewertet

Anleger sollten sich vom jüngsten Börsenbeben in China nicht abschrecken lassen, sondern die Krise als Chance sehen – zumindest, wenn es um Aktien von Luxusuhrenherstellern geht. Diese Meinung vertritt Scilla Huang Sun, Managerin des JB Luxury Brands Fund. „Natürlich hat die Verlangsamung des Wachstums in China die Branche belastet“, sagt die Expertin. „Aber ich denke, wir nähern uns in dieser Hinsicht dem Tiefpunkt.“ Zudem überschätzen nach Huang Suns Ansicht viele Marktteilnehmer das Ausmaß der chinesischen Wachstumskrise: „Trotz aller negativen Schlagzeilen hat sich der Konsum in China zuletzt robust gezeigt.“

Die Neuausrichtung Chinas hin zu einer stärkeren Binnenorientierung der Volkswirtschaft werde Uhrenherstellern und anderen Luxusgüterkonzernen letztlich zugutekommen. „Die Neuausrichtung führt zu geringeren Investitionen, zugleich aber zu höheren Konsumausgaben“, erläutert Huang Sun. „Starke Lohnzuwächse und zunehmender Wohlstand der chinesischen Bevölkerung führen zu einer steigenden Kaufkraft breiter Bevölkerungsschichten.“ Diese Entwicklung wiederum stütze den langfristigen, konjunkturzyklusübergreifenden Wachstumstrend bei Luxusuhren.

Das langfristige Wachstum des Sektors kommt aus den Schwellenländern

Der Trend lässt sich durch Zahlen eindrucksvoll untermauern. Laut Huang Sun kommt inzwischen mehr als 50 Prozent der Luxusgüter-Nachfrage aus Schwellenländern. Die Chinesen allein sind für über 30 Prozent verantwortlich. Das Nachfragewachstum im Jahr 2015 wurde sogar zu 70 Prozent von Schwellenländern getrieben. Zudem gingen 29 Prozent der Schweizer Uhrenexporte nach China, Hongkong, Singapur und Taiwan.

Chinesische Touristen sind einer der wichtigsten Faktoren für die globale Nachfrage nach Luxusuhren: Sie kaufen jede zweite Uhr, die weltweit an Touristen verkauft wird. Wo sie ausbleiben, schrumpft der Markt – wo sie hinreisen, blühen die Geschäfte. „Die Attraktivität von Hongkong als Einkaufsziel etwa hat zuletzt darunter gelitten, dass der Hongkong Dollar an den US-Dollar gekoppelt ist und entsprechend gegenüber dem Renminbi deutlich aufgewertet hat“, erklärt Huang Sun. Europa und Japan, deren Währungen gegenüber dem Renminbi abgewertet haben, sind bei chinesischen Touristen dagegen immer beliebter. „Die Nachfrage ist also nicht verschwunden, sie hat sich nur verlagert“, so die Expertin weiter.

Längerfristig werde sie weiter wachsen: Einer Studie der Boston Consulting Group zufolge dürften die globalen Vermögen bis 2019 jährlich um sechs Prozent steigen. Im asiatisch-pazifischen Raum (ohne Japan) dürften es sogar 9,7 Prozent pro Jahr sein. Die Folge: Ein immer größerer Teil der globalen Vermögenswerte konzentriert sich in Asien und steht für Konsumausgaben zur Verfügung.

Schweizer Uhrenhersteller mit kompetitivem Vorteil

Gute Aussichten also für die Hersteller von Luxusuhren – und Anleger, die in den Sektor investieren wollen. Nach zwei schwierigen Jahren sind nämlich selbst die Aktien solider Unternehmen günstig bewertet. Ein Beispiel dafür ist die Swatch Group. Der Uhrenriese ist mit Marken wie Omega, Breguet oder Glashütte Original auch im Luxussegment vertreten. „Die Aktie wird derzeit mit einem KGV von 13 für 2016 bewertet, was sehr attraktiv erscheint“, erklärt Huang Sun. „Das Sentiment ist sehr negativ, unter anderem wegen der recht hohen Lagerbestände bei den Zwischenhändlern in Hongkong, der Stärke des Schweizer Franken und der Konkurrenz durch Smartwatches wie der Apple Watch. Doch Swatch ist nach wie vor ein gut geführtes Unternehmen mit einem hervorragenden Portfolio.“ Ähnliches gelte auch für den Konkurrenten Richemont.

Generell hält Huang Sun das Luxussegment für weniger riskant als den Bereich der Modeuhren. „Das Modeuhren-Segment ist deutlich volatiler, die Konkurrenz durch Smartwatches ist größer“, so die Expertin. Dagegen gibt es im Luxusbereich hohe Markteintrittsbarrieren. Starke Marken bieten den etablierten Herstellern einen gewissen Schutz vor neuer Konkurrenz. „Dies ist besonders für die Schweizer Hersteller wie Richemont, Swatch und Rolex ein großer Vorteil.“ Außerdem können sie in der Produktion Skaleneffekte nutzen und verfügen über etablierte Verkaufskanäle rund um die Welt. Laut Huang Sun gilt deshalb hinsichtlich Investments in diese Uhrenhersteller: „Big is beautiful“.

 

gamGAM. Hintergründig.

GAM wurde 1983 als FondsTochter der UBS gegründet. Von 1999 bis 2005 gehörte die Gesellschaft zum Bankhaus Julius Bär. Seit September 2009 ist GAM selbständig. Fonds: 450. Verwaltetes Vermögen: 36,9 Mrd. Euro. Anzahl der Mitarbeiter: 760. Geschäftsführer: David M. Solo.

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