FondsAnbieter- Franklin Templeton Investments: Über die Börsenbarometer im Januar und Kaufgelegenheiten

02. Februar 2016 von um 10:00 Uhr
Wie beurteilen FondsAnbieter ihre Anlagerreigionen ? Wie fällt die Analyse der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) über Fundamentaldaten, Währungen und Kapitalflüsse aus? Informationen direkt aus dem Research Centern der FondsBranche finden SJB FondsBlogger in der Kategorie "Anbieter. Berichten."

unabhaengigkeitFondsAnbieter- Franklin Templeton Investments: Wenn das Marktgeschehen in den ersten Januarwochen ein Barometer für den Rest des Jahres ist, dann könnte Anlegern stürmisches Wetter bevorstehen (wobei wir natürlich alle wissen, wie genau Wettervorhersagen und erst recht Marktvorhersagen sind…). Die Templeton Global Equity Group sieht turbulente Marktphasen als Gelegenheiten, denn wir suchen nach günstigen Kursen für geduldige Anleger, die wissen, dass es in Zyklen und beim Marktklima zu einer raschen Wende kommen kann. In diesem Beitrag wirft das Team einen Blick auf die Ereignisse, die das Geschehen an den globalen Aktienmärkten zu Beginn dieses Jahres geprägt haben, und erklärt vor dem Hintergrund der aktuellen Bedingungen seine wertorientierte Anlagestrategie.

Wie wir an anderer Stelle bereits geschrieben haben, haben traditionelle „Value“-Aktien eine beispiellose Phase der Underperformance hinter sich – und zwar sowohl in Bezug auf die Dauer als auch das Ausmaß. Nachdem Aktien mit niedrigen Bewertungskennzahlen viele Jahre unter massivem Druck gestanden haben, ist das aktuelle Umfeld unserer Meinung nach jedoch voller Chancen für geduldige Anleger in Substanzwerten. Es wird zwar noch nicht allgemein erkannt, doch jetzt könnte die Stunde für solche Anleger gekommen sein. Mit Sicherheit haben wir darauf lange gewartet. Ein längerer Bullenmarkt bei Rentenwerten lieferte Anleihenanlegern den größten Teil der vergangenen drei Jahrzehnte über aktienähnliche Renditen bei wenig Volatilität. Dann kamen die globale Finanzkrise, eine reflexhafte Risikoaversion und das Erscheinen von staatlichen Akteuren mit unbegrenzten Möglichkeiten zum Gelddrucken mittels quantitativer Lockerung am Anleihenmarkt, die alles wegkauften, was bei Anleihen mit wenig Risiko noch an Wert zu finden war. Das Verschwinden von Renditechancen mit geringem Risiko von den Rentenmärkten zwang die Anleger zum Eingehen höherer Risiken und in traditionell defensive Aktiensektoren mit ordentlichen Ausschüttungen. Das Fegefeuer der Schuldendeflation, in dem sich die Weltwirtschaft seit der Finanzkrise befindet, sorgte unterdessen dafür, dass für Wachstum eine Knappheitsprämie bezahlt wird. Die Folge ist, dass in zwei Arten von Aktien heute die größten Erwartungen stecken (und demnach auch die Bewertungen am höchsten sind): in ertragsorientierten AnleihenErsatzpapieren (nichtzyklische Konsumgüter, Versorger) und in sich selbst tragenden Wachstumsunternehmen (Gesundheit, Technologie, zyklische Konsumgüter). Vor diesem Hintergrund überrascht es wenig, dass diese fünf Sektoren auch die beliebtesten am Markt sind, wie sich an den institutionellen Beständen, der Stimmung und den Konsenserwartungen zeigt. Das heißt nicht, dass in diesen Sektoren absolut keine Substanzwerte mehr zu finden wären, jedoch sind günstige Kurse bei ihnen nicht eben häufig.

Wie der verstorbene Sir John Templeton bereits im Jahr 1979 beobachtete: „Wenn Sie kaufen wollen, was auch bei Ihren Freunden oder bei Anlageanalysten beliebt ist, werden Sie keinen günstigen Preis bekommen. (…) Wenn Sie überlegene Performance wollen, müssen Sie kaufen, was andere nicht kaufen, oder sogar das, was sie verkaufen.“ Die extrem hohen Bewertungen bei defensiven, hochwertigen und wachstumsstarken Aktien bedeuten, dass ihre Gegenstücke – also konjunkturabhängige Substanzaktien – historisch billig sind und zu wenig gekauft werden. Anders als in den oben genannten Sektoren zeigen die Daten für die Sektoren Energie, Materialien, Finanzen und Industrie, dass sie zum Jahresende in Bezug auf die „Überfüllung“ nahe an ihren historischen Tiefs standen. Für geduldige Anleger dürften diese Sektoren unserer Ansicht nach die besten längerfristigen Chancen an den aktuellen Aktienmärkten bieten. Allerdings war die Bewertung in der Vergangenheit zwar einer der besten Indikatoren für die Rendite, als Timing-Signal war sie jedoch unzuverlässig. Mit dieser Einschränkung im Hinterkopf wollen wir jetzt einige unserer wichtigsten Überzeugungen für das Portfolio erläutern. Dabei berücksichtigen wir Bewertungen, aber auch Trends und Entwicklungen in den Branchen, um herauszufinden, an welchem Punkt des Zyklus wir uns befinden und was die Aussichten für 2016 sein könnten.

Value-Signale bei Energie- und Finanztiteln

Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Angebotsschwemme und einem schärfer werdenden Kampf um globale Marktanteile ist der Ölpreis im Jahr 2015 so stark gefallen wie noch nie, sodass der Energiesektor die Schlagzeilen beherrschte. Aus Bewertungssicht wird das Kaufsignal bei Energieaktien für uns zunehmend interessant. US-Daten über 20 Jahre und globale Daten über 90 Jahre zeigen, dass der Energiesektor gemessen an den Kurs-Buchwert-Verhältnissen noch nie billiger war als Ende 2015.[1]Skeptiker reagieren auf diese dem Anschein nach überzeugenden Bewertungen mit Misstrauen gegenüber den angegebenen Buchwerten, die in manchen Fällen tatsächlich übertrieben sein dürften und für weitere Wertminderungen anfällig sind. Jedoch haben Ölunternehmen allein in der ersten Jahreshälfte 2015 mehr Abschreibungen vorgenommen als in jedem vollständigen Jahr, für das Daten vorliegen. Es könnte im Energiebereich zwar noch mehr Ungemach geben, doch ein großer Teil der Belastungen liegt bereits hinter ihm.

In Bezug auf die Aussichten des Energiesektors ist zunächst festzuhalten, dass die globale Ölnachfrage 2015 die höchste seit fünf Jahren war; dies spricht dafür, dass der jüngste Preiskollaps eher von der Angebotsseite ausgelöst wurde.[2] Für die anhaltend niedrigen Preise ist vor allem die Entscheidung Saudi-Arabiens verantwortlich, ein hohes Volumen in einen bereits überversorgten Markt zu drücken. Diese Strategie beruht sowohl auf wirtschaftlichen Erwägungen (ein Überangebot zwingt Produzenten mit hohen Kosten aus dem Geschäft und hält den Marktanteil von Saudi-Arabien stabil) als auch auf geopolitischen Gründen (niedrige Preise sind ausgesprochen schmerzhaft für verfeindete Ölstaaten wie Russland oder Iran). Eine erhöhte Produktion aus anderen Ländern des Nahen Ostens hat zu der Angebotsschwemme ebenso beigetragen wie die robuste Produktion aus US-Schieferfeldern und die Produktionserfolge in Russland und am Golf von Mexiko, was das Finden eines neuen Gleichgewichts 2015 zusätzlich verzögerte. Unserer Ansicht nach dürfte diese Situation jedoch nicht von Dauer sein. Die staatlichen Großproduzenten haben nicht genügend finanzielle Mittel, um niedrige Ölpreise unbegrenzt lange hinzunehmen. Saudi-Arabien, Russland, Brasilien und Venezuela verzeichnen alle erhebliche Haushaltsdefizite, die auf das billige Öl zurückzuführen sind. Dabei ist zu beachten, dass Öl eine endliche Ressource mit einer durchschnittlichen Abbaurate von 4 bis 5% pro Jahr ist – und dieser Wert nimmt eher zu, wenn Unternehmen die Ersatzinvestitionen verringern, um mit dem Umfeld niedrigerer Preise zurechtzukommen. Je stärker sich die Branche in einen Erhaltungsmodus zurückzieht und somit zu wenig investiert, desto besser sind unserer Ansicht nach die Aussichten dafür, dass es letztlich zu einer Erholung der Preise kommt.

Risiken für eine baldige Erholung bestehen durch unerwartete Produktionssteigerungen (hier ist an Iran, Nordafrika und die hochgradig flexible US-Schieferölbranche zu denken) oder durch eine Nachfrageschwäche aufgrund langsameren Wirtschaftswachstums. Günstige Kreditbedingungen und rasch sinkende Kosten für Dienstleistungen haben die Anpassung ebenfalls verlängert, doch diese Puffer sind weitgehend ausgereizt. Innerhalb des Sektors bevorzugen wir weiterhin Unternehmen, deren Bilanzen robust genug sind, um anhaltende Preisschwäche zu überstehen, bis der Markt ein neues Gleichgewicht gefunden hat.

 

templetonTempleton. Hintergründig.

Die US-FondsGesellschaft Templeton wurde 1940 gegründet, die Investmentgesellschaft Franklin 1947. Seit 1992 haben sich beide Gesellschaften zu Franklin Templeton Investments zusammengeschlossen. Fonds in Deutschland: 83. Weltweit verwaltetes Vermögen: 867,0 Milliarden US-Dollar. Zu Umsatz und Gewinn macht die Gesellschaft keine Angaben. Anzahl der Mitarbeiter weltweit: 9.200. Geschäftsführer: Reinhard Berben. Stand: 30.06.2015. SJB Abfrage: 28.07.2015.

Internet: www.franklintempleton.de

Kategorien: Anbieter. Berichten.
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