FondsAnbieter- Fidelity: Fidelity Marktkommentar: Ist das Märchen der Schwellenländer ausgeträumt?

06. August 2013 von um 10:00 Uhr
Wie beurteilen FondsAnbieter ihre Anlagerreigionen ? Wie fällt die Analyse der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) über Fundamentaldaten, Währungen und Kapitalflüsse aus? Informationen direkt aus dem Research Centern der FondsBranche finden SJB FondsBlogger in der Kategorie "Anbieter. Berichten."

Bei der FondsAuswahl zählt die Unabhängigkeit vom Anbieter!FondsAnbieter- Fidelity: Ob Chinas moderatere Wirtschaftswachstumsraten oder Unruhen in Brasilien, Ägypten und der Türkei – mancher Beobachter fragt sich derzeit, ob wir gerade das Ende der Blütezeit in den Schwellenländern erleben. Nick Price, der bei Fidelity Worldwide Investment den Bereich Schwellenländeraktien leitet und mehrere Fonds managt, erklärt, weshalb das nicht pauschal stimmt aber warum gerade jetzt in den Schwellenländern ein aktives Fondsmanagement wichtiger wird:

„Die Schwellenländer sind derzeit kräftig in Bewegung: soziale Unruhen in Brasilien, politisch motivierte Aufstände in Ägypten und der Türkei und eine neue Führung in Peking, die bereit ist, für die kontrollierte Umstellung auf ein stärker vom heimischen Konsum getragenes Wirtschaftsmodell moderateres Wachstum in Kauf zu nehmen. Phasen wie diese rufen zwangsläufig auch Zweifler auf den Plan.

Kern des Schwellenländerversprechens ungebrochen

Für Anleger ist daher gerade jetzt wichtig, das große Ganze im Auge behalten: Die einzelnen Ereignisse mögen aufsehenerregend, teilweise auch dramatisch sein. Die grundlegenden Erfolgsfaktoren, die eine Geldanlage in den Schwellenländern attraktiv machen, werden jedoch auch mittel- bis langfristig Bestand haben. Insgesamt betrachtet werden die Schwellenländer auch in Zukunft deutlich stärker wachsen als die Volkswirtschaften der Industrieländer. Aus den im Vergleich mit den überalternden Gesellschaften des Westens schnell wachsenden und zunehmend gut ausgebildeten Bevölkerungen der Schwellenländer werden auf lange Sicht immer breitere Mittelschichten hervorgehen. Mit wachsendem Wohlstand wird die Kauflaune dieser Menschen zu einem immer wichtigeren Wachstumstreiber. Laut einer Studie von McKinsey, wird der Konsum in den Schwellenländern zwischen 2010 und 2025 sogar sechsmal schneller ansteigen als in den entwickelten Volkswirtschaften. Von diesem Trend werden vor allem Unternehmen profitieren, die diese wachsende Nachfrage bedienen. Das ist der Kern des Schwellenländerversprechens. Zwischenzeitliche Turbulenzen an den Börsen der aufstrebenden Märkte können dabei immer wieder auftreten. Generell jedoch gilt: Je länger der Anlagehorizont, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Anleger in Genuss überdurchschnittlicher Renditen kommen.

Die neue Welt der Schwellenländer verstehen

Die Zweifel der Schwellenländerskeptiker deuten natürlich eines zu Recht an: Nach einem Jahrzehnt des pauschalen Wachstums und der relativen Stabilität präsentiert sich die Welt der Schwellenländer heute deutlich komplexer. Einzelne Märkte, Sektoren und Aktien entwickeln sich sehr viel unterschiedlicher als noch vor einigen Jahren. Griffige Akronyme wie BRIC oder Next 11 werden dieser neuen Realität schlichtweg nicht mehr gerecht. Ein Beispiel: Die Neuausrichtung der chinesischen Wirtschaft von der Export– auf eine stärkere Binnenorientierung etwa wird ganz neue Gewinner und Verlierer hervorbringen. Unternehmen wie der brasilianische Bergbaukonzern Vale werden unter den sinkenden Infrastrukturausgaben im Reich der Mitte zu leiden haben. Umgekehrt dürfte die brasilianische Zucker- und Sojabohneindustrie von der wachsenden Kauflaune chinesischer und anderer Konsumenten profitieren. Auch in anderen Schwellenländern führen dynamische Strukturveränderungen zu neuen Verteilungen des Wohlstands. Aus Sicht der Anleger bedeutet dies keinesfalls das Ende der Blütezeit der Schwellenländer – wohl aber, dass Anleger künftig genauer hinschauen und ihre bisherige Art, in diese Ländern zu investieren, auf den Prüfstand stellen müssen.

Auf die Gewinner von morgen setzen

Die neue Schwellenländerwelt erfordert mehr denn je ein aktives Fondsmanagement. Genügte im Jahr 2000 noch eine passive Anlage in den MSCI Emerging Markets Index, um ein großes Spektrum an aufstrebenden Märkten abzudecken, wird der Index heute stark von großen chinesischen und brasilianischen Unternehmen dominiert. Das Problem: Beim MSCI Emerging Markets macht der Konsumsektor lediglich 20 Prozent der Gesamttitel aus und bildet somit nicht unbedingt die Gewinner von morgen ab. Genau diese müssen Anleger aber identifizieren, statt nach dem Gießkannenprinzip auf die wenigen Schwergewichte in einem Index zu vertrauen, die ihre Blütezeit vielleicht schon hinter sich haben.

Bei einem passiven Ansatz werden etwa große Chancen mit kleineren chinesischen Konsumtiteln verschenkt, die vom anziehenden Binnenmarkt Chinas profitieren werden – für mich die Investmentstory schlechthin. Aber auch das Potenzial Afrikas als Anlageregion wird unterschätzt. Die stark wachsende Nachfrage nach Markenbier in Nigeria etwa ist ein Beleg für die sich rasch wandelnden Ernährungsgewohnheiten. Die größte nigerianische Brauerei, Nigerian Breweries, profitiert dabei von der Kombination eines schnellen Bevölkerungswachstums und einem gleichzeitig steigenden Pro-Kopf-Einkommen. Der Mobilfunk ist ein weiteres Beispiel: Handys und Smartphones werden im täglichen Leben immer wichtiger. Mit den allgegenwärtigen Mobiltelefonen gehen auch große Geschäftschancen für Finanzdienstleistungen einher: Ein Drittel des kenianischen Bruttoinlandsprodukts wird inzwischen über das zum Vodafonekonzern gehörende mobile Zahlungsverkehrssystem M-Pesa abgewickelt. Das Potenzial Afrikas als Anlageregion ist bei passiven Anlagen in den MSCI Emerging Markets Index unter- oder sogar gar nicht repräsentiert.

Eine aktive Portfoliosteuerung ermöglicht auch, besser nach Branchen zu differenzieren und fundamentale Unternehmensdaten wie solide Bilanzen, eine gute Unternehmensführung oder eine nachhaltige Dividendenpolitik zu berücksichtigen. So lassen sich auch Risiken besser erkennen und beherrschen. In vielen Ländern, die gegenwärtig von Unruhen heimgesucht werden, war schon länger eine Eintrübung des wirtschaftlichen Umfelds zu beobachten. Über unsere Unternehmensanalyse, die auch das jeweilige Marktumfeld einschließt, konnten wir das erkennen und unser Engagement entsprechend begrenzen.

Anleger sollten Schwellenländer in Korrekturphasen nicht länger über einen Kamm scheren. Bei solider Titelauswahl gibt es für einen breit angelegten Rückzug aus den Schwellenländern, wie wir ihn in den vergangenen Monaten beobachtet haben, wenig Grund. Wer hier die sich abzeichnende Zinswende in den USA oder gar verschleppte Reformen in den Schwellenländern als Grund anführt, macht es sich zu einfach. Der wahre Druck auf die Schwellenländerindizes kommt – abgesehen von der Sorge um die Wachstumslokomotive China – von kurzfristigen Investoren, die Ende letzten Jahres noch die Liquiditätsschwemme genutzt haben, um in den aufstrebenden Märkten einmal mehr pauschal auf Wachstum zu setzen. Bei den ersten auftauchenden  Anzeichen einer bevorstehenden Zinswende stürmten diese Anleger aus dem Markt und setzen ihn so unter Druck. Dass die Titel qualitativ hochwertiger Unternehmen sich unterdessen trotzdem gut gehalten haben, bestätigt unseren Ansatz, in Schwellenländern aktiv zu investieren.“

 

 

Über Fidelity

Die US-amerikanische FondsGesellschaft Fidelity wurde 1946 gegründet. Publikumsfonds in Deutschland: 140. Deren verwaltetes Vermögen:12,3 Milliarden Euro. Zu Umsatz und Gewinn keine Angaben. Anzahl der Mitarbeiter weltweit: 4.500, davon 316 in Deutschland. Geschäftsführer: Dr. Christian Wrede, Dr. Evelyn Muth und Ellen Posch.

Kategorien: Anbieter. Berichten.
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