FondsAnbieter-Ethenea: Ein paar Jahre Unterschied

30. Oktober 2013 von um 12:00 Uhr
Anbieter. Berichten.Wie beurteilen FondsAnbieter ihre Anlagerreigionen ? Wie fällt die Analyse der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) über Fundamentaldaten, Währungen und Kapitalflüsse aus? Informationen direkt aus dem Research Centern der FondsBranche finden SJB FondsBlogger in der Kategorie "Anbieter. Berichten."

Bei der FondsAuswahl zählt die Unabhängigkeit vom Anbieter!FondsAnbieter Ethenea: Welch eine Veränderung ein paar Jahre bewirken können! Hätten wir vor einer Dekade Wirtschaftswissenschaftler gefragt, in welchem Maße die Zentralbanken den langfristigen Zinssatz beeinflussen sollten, wäre die Antwort vermutlich gewesen „gar nicht“. Seit 2008 ist es jedoch von außerordentlicher Bedeutung, dass wir im Auge behalten, welche Auswirkungen der ungeheure Bestand an Staatsanleihen in den Bilanzen der Zentralbanken – der sich übrigens noch weiter erhöht – auf die Zinskurve hat. Dies gilt besonders deshalb, weil Zinssätze nicht nur durch die Aufblähung der Zentralbankbilanzen beeinflusst werden, sondern auch durch deren potenzielle Reduzierung (oder das Ausbleiben derselben).

Programme zur quantitativen Lockerung zu beschließen, war tatsächlich der einfache Teil, da stetig rückläufige Zinsen zu den Kapitalgewinnen von Anlegern beitrugen und die Finanzierungskosten für Regierungen senkten. Nicht übel. Der schwierige Teil steht jedoch noch bevor, auch wenn er durch den Government Shutdown im Oktober voraussichtlich verschoben wurde. Der Präsident der Richmond Federal Reserve, Jeffrey Lacker, kommentierte in einer Rede vor einigen Wochen zutreffend, dass die Kombination aus zukunftsweisender Leitlinie (und hierzu sollten wir auch den gescheiterten Versuch der Kommunikation von Transparenz zählen) und sehr umfangreichen Bilanzen „die Wahrscheinlichkeit weiterer politischer Fehler steigen ließ und auch die Kosten dieser Fehler in die Höhe getrieben hat, sollten sie begangen werden“.

Als die US-Notenbank in ihrer Sitzung im Juni 2011 eine mögliche Exit-Strategie diskutierte, erklärte sie, Wertpapiere von Regierungsbehörden würden über einen Zeitraum von 3-5 Jahren verkauft, und das erst einige Zeit nach der Anhebung der Fed Funds Rate. Von einer Exit-Strategie bezüglich ihrer Bestände an Schatzpapieren war nicht die Rede und Analysten erkannten darin die stillschweigende Annahme, die Papiere würden bis zum Ende ihrer Laufzeit gehalten werden. Durch mehrere Runden der Geldlockerung und „Operation Twist“ hat sich jedoch die Anzahl der Schatzpapiere in der Bilanz der Fed gegenüber 2007 fast verdreifacht und ihre durchschnittliche Laufzeit stieg von 72 Monaten zu Beginn der „Operation Twist“ auf derzeit fast 120 Monate. Die Annahme, die Federal Reserve werde Schatzpapiere bis zur Fälligkeit in der Bilanz behalten, ist daher möglicherweise nicht mehr zutreffend. Zugleich verlängerte das USFinanzministerium (ebenso wie die Finanzministerien zahlreicher Industrieländer) die Laufzeiten ihrer Emissionen, während sich durch die Käufe der Fed die durchschnittliche Laufzeit der im Markt umlaufenden Schatzpapiere verkürzte.

Anleihen bis zur Fälligkeit in der Bilanz zu behalten, ist natürlich nach wie vor möglich. Tatsächlich könnte das die Volatilität verringern (ein ansonsten günstiges gesamtwirtschaftliches Klima vorausgesetzt), da es dem Markt eine klare Botschaft vermitteln würde. Dieser Mechanismus wäre jedoch außerordentlich starr – vielleicht zu starr und zu asymmetrisch für eine solide geldpolitische Umsetzung. Wie der Governor der Bank of England Mark Carney betont, ist mit einer solchen klaren Entscheidung verbunden, dass die Zentralbank „das Risiko eingehen [würde], die Kontrolle über die geldpolitischen Bedingungen zu verlieren“. Zweifellos kein wünschenswertes Vorgehen! Zentralbanken sollten sich zumindest die Option einer Veräußerung von Anlagen erhalten, um nicht nach asymmetrischen Regeln handeln zu müssen.

Andererseits würde ein Verkauf dieser Wertpapiere angesichts ihres Fälligkeitsprofils die Laufzeit im Markt verlängern, was für die Marktteilnehmer verschiedene Konsequenzen hat. Ein unerwarteter Zinsrückgang könnte nachteilige Auswirkungen auf Finanzinstitute haben, die ihre Bilanzen in den letzten Jahren mit Staatspapieren belastet haben: nach den vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht veröffentlichten Zahlen haben sich die Positionen einer (einheitlichen) Stichprobe von 30 Großbanken in Staatsanleihen von 11,4% der gesamten Anlagebuchgeschäfte der Banken Anfang 2009 auf 19,1% Anfang dieses Jahres erhöht (Grafik 3). Da wir gerade von mit Banken verbundenen Risiken sprechen: Ein Großteil der zusätzlichen Liquidität ist vermutlich im Bankensystem versickert. Kontinuierliche Anleihenkäufe durch die Zentralbanken haben die Geschäftsbankeneinlagen erhöht. Da die Kreditvergabe in den meisten entwickelten Volkswirtschaften nach wie vor verhalten erfolgt, belassen die Geschäftsbanken diese Einlagen als Reserven bei den Zentralbanken. In den Vereinigten Staaten machen diese Reserven inzwischen 23% der gesamten Bankeinlagen aus (Grafik 4). Beim Umgang der Zentralbanken mit ihren Beständen wird auch zu berücksichtigen sein, wie die Veräußerung – oder deren Ausbleiben – sich auf das gewandelte Kreditvergabeverhalten der Geschäftsbanken auswirkt, wenn diese sich einer Änderung des Liquiditätsüberhangs gegenüber sehen.

Natürlich könnten die Zentralbanken versuchen, ihre Anlagen in einer nicht allzu schädigenden Weise abzustoßen. Ebenso wie wir eine Leitlinie bezüglich Arbeitslosigkeit und Inflation erhalten haben, könnten die Zentralbanken eine Leitlinie bezüglich Benchmark- Renditen herausgeben, oberhalb derer ein Verkauf nicht zulässig wäre. Dies würde sogar dem dreifachen Auftrag der Federal Reserve besser gerecht werden: „Effektive Förderung der Ziele Vollbeschäftigung, stabile Preise und moderate langfristige Zinsen“ (Federal Reserve Act, Artikel 2A. Ziele der Geldpolitik). Alternativ dazu könnten die Zentralbanken einen Ansatz aus Japan übernehmen und versuchen, die Volatilität der langfristigen Zinsen unter Kontrolle zu halten. Allerdings befindet sich Japan derzeit noch in der Ankaufphase, daher könnte sich dies als schwierig erweisen, wenn die Zentralbanken ihre Anlagen veräußern wollen. In der Presse wurde bereits noch eine weitere Möglichkeit diskutiert, nämlich die Tilgung der von der Federal Reserve gehaltenen Anleihen; dies würde jedoch die Fälligkeit von Papieren in den Händen von Marktteilnehmern nicht ändern und daher vermutlich zu Bilanzierungs- und Finanzierungsproblemen für die Zentralbanken führen.

In jedem Fall würde ein solcher Eingriff der Zinskurve ihre Allokationsfunktion nehmen (bzw., genauer gesagt, diese nicht wiederherstellen). Da sich sämtliche Preise letztlich nach der Zinskurve der Schatzpapiere (bzw. deren Gegenstücken in Europa und Asien) richten, wird jede Maßnahme der Zentralbanken – auch die, nichts zu unternehmen – in allen Märkten Wellen schlagen, und wenn die Zinskurven niedrig gehalten werden, dürften sich als Reaktion Anpassungen in den jeweiligen Währungen zeigen. Was uns betrifft, so rechnen wir damit, dass auf absehbare Zeit weitere Anomalien der Zinskurve zu beobachten sein werden, was wiederum zu sehr interessanten Chancen führt – und die sind nicht nur auf die Anleihenmärkte beschränkt!

Kategorien: Anbieter. Berichten.
[top]

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Ich akzeptiere die Datenschutzerklärung der SJB FondsSkyline OHG 1989.


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>