FondsAnbieter- ETHENEA: Bis hierhin ging ja alles gut …

04. August 2016 von um 12:00 Uhr
Anbieter. Berichten.Wie beurteilen FondsAnbieter ihre Anlagerreigionen ? Wie fällt die Analyse der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) über Fundamentaldaten, Währungen und Kapitalflüsse aus? Informationen direkt aus dem Research Centern der FondsBranche finden SJB FondsBlogger in der Kategorie "Anbieter. Berichten."

unabhaengigkeitFondsAnbieter- ETHENEA: … sagte der Mensch der Anekdote nach, als er vom Wolkenkratzer fiel und am 25. Stockwerk vorbeirauschte. So oder so ähnlich müssten sich doch die jeweiligen Notenbankchefs mit Blick auf die aktuelle Notenbankpolitik und vor allem deren Wirksamkeit fühlen.

Die ungewöhnlichen Maßnahmen sind gewöhnlich geworden. Die sogenannte quantitative Lockerung (Quantitative Easing) hat es entsprechend unserer groben Schätzungen geschafft, sage und schreibe 7 600 000 000 000 US-Dollar auf die Bilanzen der Zentralbanken zu schaufeln. Das sind 7,6 Billionen USD an Wertpapieren, die dem Privatsektor nicht mehr als Investitionen zur Verfügung stehen – mit den entsprechenden, nicht absehbaren negativen Folgen für die Alterssicherungssysteme dieser Länder. Das ist klassisches Crowding-out, oder auf Deutsch die Verdrängung privater Nachfrage durch staatliche Nachfrage.1 Nichtstaatliche Investoren werden gezwungen, Investitionsmöglichkeiten außerhalb ihrer Komfortzone zu identifizieren und zu nutzen. Eine erhöhte Volatilität, ausgelöst durch inadäquates Verhalten der Laien-Investoren, ist die Folge für die jeweiligen Marktsegmente. Des Weiteren kommt es zu Bewertungsverzerrungen, auch Blasen genannt, die zu einem zukünftigen Zeitpunkt bei ihrem Zerplatzen oft Kollateralschäden verursachen.

Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die Entwicklung der Marktrenditen von Staatsanleihen – eigentlich die Domäne vieler Versicherer und Pensionsfonds – als eine vermeintlich risikoarme, langfristige Kapitalanlage. Die Bereitschaft der Zentralbanken, unermüdlich Anleihen auf den Kapitalmärkten zu erwerben, hat zu extremen Verzerrungen und Überbewertungen geführt (Grafik 1). 100% der Schweizer Staatsanleihen weisen mittlerweile eine negative Marktrendite auf. Mehr als 80% der deutschen Staatsanleihen handeln im negativen Bereich. Selbst die Anleihen der Staaten, die vor kurzem noch despektierlich als PIIGS2 bezeichnet wurden, haben zum Teil bereits Renditen unter null. Bei Spanien und Irland sind es knapp 40%, und bei Italien 30%. Wer hätte sich noch vor wenigen Jahren träumen lassen, dass Staaten für ihr Schuldenmachen Geld bekommen? Um das Budgetdefizit zu reduzieren, reicht es also, einfach mehr Schulden aufzunehmen. Gerade am 1.8.2016 erreichte uns die Nachricht aus dem deutschen Finanzministerium, dass Deutschland in den ersten sechs Monaten in diesem Jahr statt fast 10 Milliarden Euro nur noch 7 Milliarden Euro an Zinsen für alle bestehenden Kredite aufwenden muss. Das ist ein Rückgang von ganzen 30%.

Die Idee der Zentralbanker war ja im Grunde ganz gut. Durch diese Käufe und die damit einhergehenden niedrigen Zinsen bekommen die Staaten die Möglichkeit, Strukturreformen und Investitionsprogramme zu finanzieren. Die Multiplikatoreffekte, die wir alle in unseren VWL-Kursen kennenlernen durften, könnten dann ihre Wirkung entfalten und positive Wachstumsimpulse erzeugen. Theoretisch könnten davon auch Kredite zurückgezahlt werden, wenn einem nichts Besseres einfallen sollte, wozu das Geld sonst dienen kann. Die eindeutig schlechteste Möglichkeit, mit dem Geldsegen dank Notenbankpolitik umzugehen, sind Wahlgeschenke. Sie sind das staatliche Pendant zum Urlaub auf Kredit: Es bleiben nette Erinnerungen und sonst keine Gegenwerte zu den neuen Schulden. Der Moral Hazard3 , also die Versuchung der Politik, nicht das Notwendige zu tun, sondern sich stattdessen von kurzfristig Wahlerfolgversprechendem leiten zu lassen, ist gigantisch. Und damit wahrscheinlich auch unausweichlich. Gefühlt kommt nur ein Bruchteil der möglichen Mittel in Form von staatlichen Investitionsprogrammen zum Einsatz. Der Rest wandert in der einen oder anderen Form als Transfer in die Sozialkassen, und damit in den Konsum.

Grafik 2 zeigt unseres Erachtens doch recht deutlich, dass die Wirksamkeit der ultralockeren Geldpolitik gelinde gesagt bisher nicht sehr effektiv war. Das größte makroökonomische Experiment der Menschheitsgeschichte scheint nicht den erhofften Erfolg zu haben. Das Wirtschaftswachstum, ein Indikator für den Erfolg aller OECD-Staaten inklusive der BRICS-Staaten, lag laut OECD-Daten in 2015 bei lediglich 2,1%. Die Prognosen für das laufende Jahr sind mit 1,8% nicht besser und auch 2017 scheint mit den prognostizierten 2,1% nicht der Brüller zu werden. Erschwerend kommt hinzu, dass einem möglichen Wachstumsrückgang nicht mit weiteren geldpolitischen Maßnahmen gegengesteuert werden kann. Die Verschuldungen der Staaten befinden sich auf nie dagewesenen Niveaus und die Zinssätze reflektieren nicht mehr das Ausfallrisiko des Schuldners, sondern lediglich die Not der Investoren, Anlagemöglichkeiten zu finden, die noch auf irgendeine Form von positiver Rendite hoffen lassen. Es steht Spitz auf Knopf, ob das überaus strapazierte Vertrauen in die Zentralbanken, à la Draghi mit seinem Whatever it takes, noch lange Bestand haben wird

Da niemand wirklich Interesse daran haben kann, dieses Vertrauen in Frage zu stellen, kann es noch viele Jahre so weitergehen, oder eben doch nur Monate. Das erinnert ein wenig an Peter Pan, der sinngemäß sagt: „In dem Moment, in dem du zweifelst, ob du fliegen kannst, verlierst du für immer die Fähigkeit, es zu tun“.

Wir bei ETHENEA fliegen noch, und glauben auch weiterhin daran, dass die Renditen rückläufig bleiben. Der USDRentenmarkt ist mit seinen positiven Renditen eine der letzten Bastionen scheinbarer Rationalität. Aber wir glauben auch hier, dass die 10-jährigen US-Staatsanleihen über kurz oder lang weiter zurückgehen werden, nicht zuletzt getrieben von Investoren auf der Suche nach den noch verbleibenden positiven Renditen. Also quasi zwangsläufig, da Alternativen rarer und rarer werden. Ob die US-Notenbank gerade im Licht der US-amerikanischen Wachstumszahlen der beiden ersten Quartale 2016 die Leitzinsen noch ein weiteres Mal anheben wird, bzw. kann, wird heftig diskutiert.

 

Ethenea. Hintergründig.
Die seit 2002 aufgelegten Ethna Funds werden von der ETHENEA Independent Investors S.A. verwaltet, einer unabhängigen Kapitalanlagegesellschaft mit Hauptsitz in Luxemburg. An ihren drei Standorten Luxemburg, Schweiz (Tochtergesellschaft) und Deutschland (Niederlassung) beschäftigt ETHENEA Independent Investors S.A. derzeit rund 40 Mitarbeiter. Das verwaltete FondsVermögen beträgt mehr als 13,28 Milliarden Euro. Geschäftsführer: Thomas Bernard, Frank Hauprich, Josiane Jennes. Stand: 30.09.2015.
www.ethenea.com

Kategorien: Anbieter. Berichten.
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