FondsAnbieter- Erste Asset Management: „IM GESPRÄCH“: In der Bauindustrie wuchert ein Dschungel an nachhaltigen Zertifikaten

15. April 2015 von um 10:30 Uhr
Wie beurteilen FondsAnbieter ihre Anlagerreigionen ? Wie fällt die Analyse der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) über Fundamentaldaten, Währungen und Kapitalflüsse aus? Informationen direkt aus dem Research Centern der FondsBranche finden SJB FondsBlogger in der Kategorie "Anbieter. Berichten."

unabhaengigkeitFondsAnbieter- Erste Asset Management: Die Entwicklung und der Bau nachhaltiger Gebäude florieren. Dieser positive Trend macht sich auch in der Vielzahl von Bauzertifikaten bemerkbar, die Gebäuden Nachhaltigkeit attestieren: Meist untersuchen die Labels die Energie- und Wassereffizienz der Gebäude. Weitere Kriterien wie Sinnhaftigkeit des Bauprojektes oder Auswirkungen während der Bau- und Nutzungsphase finden bisher kaum Beachtung. Im Interview geht Gerold Permoser, Chief Investment Officer der Erste Asset Management (EAM), der Frage nach, an welchen Punkten die Bau- und Immobilienbranche aus Sicht eines ESG* –Investors noch besser werden kann.

Herr Permoser, die Zahl zertifizierter Green Buildings, sprich ressourcenschonender Gebäude, steigt weiter an. Das müsste einen Nachhaltigkeitsinvestor doch freuen?

Permoser: Die Einführung und Anwendung der international bekannten Gebäude-Labels wie LEED, BREEAM und DGNB schätzen wir als Nachhaltigkeitsinvestoren positiv ein. Allerdings gehört aus unserer Sicht zur Nachhaltigkeit eines Gebäudes mehr als nur das Erfüllen der Mindestanforderungen diverser Labels. Doch die meisten Label-Bezieher geben sich damit zufrieden. Außerdem gilt eine Vielzahl der Zertifikate nur für einzelne Länder, nur wenige Labels sind länderübergreifend beziehungsweise international ausgerichtet. Da ist ein Zertifikate-Dschungel in der Bauindustrie entstanden. Die meisten nachhaltigen Bauzertifikate basieren zwar auf ähnlichen Grundkonzepten, unterscheiden sich aber in Teilbereichen oder im Umfang. Für uns sind die derzeitigen Labels zu wenig umfassend und aussagekräftig. Deshalb fließt die Zertifizierung nachhaltiger Gebäude bislang nur indirekt – über bessere Energie- bzw. Wassereffizienzwerte – in unser ESG-Unternehmensrating von Bau- und Immobilienkonzernen ein

Wo sehen Sie denn bei den Zertifikaten Verbesserungsbedarf?

Permoser: Die meisten Zertifikate zielen nur auf ökologische Aspekte oder eine hohe Energieeffizienz ab. Weitere Aspekte wie die Sinnhaftigkeit des Bauprojektes oder die Auswirkungen während der Bau- und Nutzungsphase finden bisher kaum Beachtung. Bislang konzentrieren wir uns bei der Nachhaltigkeits-Analyse von Immobilien viel zu sehr auf das „E“ des ESG-Ansatzes, also auf die Environmental-Komponente und weniger auf die Social- und Governance-Komponente. Aber gerade Wohnen und Arbeiten in Immobilien umfasst diese Komponenten. Ich nenne nur die Stichworte Soziales Wohnen, Gentrifizierung, Korruption im Baugewerbe, Schwarzarbeit – all das hat letztlich mit einer umfassenden Wahrnehmung von Nachhaltigkeit im Immobiliensektor zu tun. Wohnen ist nach meiner Erkenntnis etwas, das eigentlich gar nicht unabhängig von einer ESG-Perspektive gedacht werden kann.

Tauschen Sie sich als Investor mit den Unternehmen über dieses Thema aus?

Permoser: Ja – die Erste Asset Management hat jüngst Unternehmen aus Bauwesen und Zuliefererindustrie danach gefragt, welche Rolle Nachhaltigkeit für sie spielt. Von sieben angesprochenen Unternehmen beantworteten nur Hochtief, Steico und Bauer AG die Fragen ausführlich. Wienerberger, Heidelberg Zement und Geberit reagierten verspätet oder gar nicht, die Angaben von Zehnder konnten nicht evaluiert werden. Aus den vorliegenden Antworten geht hervor, dass die Unternehmen grundsätzlich die Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit begrüßen, als wichtige Treiber nennen sie vor allem gesetzliche Vorgaben, erhöhte Kundennachfrage und Zertifikate. Hochtief gab an, dass schon bei Präqualifikations– und Angebotsverfahren bzw. Ausschreibungen zunehmend Nachweise nachhaltiger Bauweisen eingefordert werden. Um die steigenden Anforderungen in diesem Bereich zu erfüllen, investieren die befragten Unternehmen beträchtliche Summen in Forschung und Entwicklung.

* ESG steht für Environmental, Social and Corporate Governance und bezieht sich auf Nachhaltigkeit im unternehmerischen Kontext.

 

Über Erste Asset Management

Die Erste Asset Management GmbH (www.erste-am.com) koordiniert und verantwortet die Asset-Management-Aktivitäten (Vermögensverwaltung mit Investmentfonds und Portfolio-Lösungen) innerhalb der Erste Group Bank AG. An ihren Standorten in Österreich sowie Deutschland, Kroatien, Rumänien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn verwaltet sie ein Vermögen von 55,3 Mrd. Euro (per 30.1.2015). In Österreich ist die ERSTE-SPARINVEST seit Ende September 2013 Marktführer und verwaltet aktuell ein Fondsvolumen von rund 31,7 Mrd. Euro (per 30.1.2015).

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