FondsAnbieter-DJE: Marktkommentar

02. April 2013 von um 12:00 Uhr
Anbieter. Berichten.Wie beurteilen FondsAnbieter ihre Anlagerreigionen ? Wie fällt die Analyse der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) über Fundamentaldaten, Währungen und Kapitalflüsse aus? Informationen direkt aus dem Research Centern der FondsBranche finden SJB FondsBlogger in der Kategorie "Anbieter. Berichten."

Bei der FondsAuswahl zählt die Unabhängigkeit vom Anbieter!FondsAnbieter-DJE: Zypern war nicht das Problem der Aktienmärkte, obwohl die angloamerikanische Pres-se einhellig behauptet, die Euro-Krise sei zurück. Selbst wenn man die zypriotischen Banken – ähnlich wie in Island – hätte Konkurs gehen lassen (plus Euro-Austritt), hätte dies weder die Finanzmärkte, noch den Euro erschüttern können. Angesichts von Eu-ro-bedingten Belastungen für Deutschland, die sich mittelfristig einer Billion € nähern, wären kleine Forderungsausfälle genauso wenig ein Problem, wie jene gut 5 Mrd. € auch noch aufzubringen, die man jetzt von Zypern verlangt. Die neue Devise, die Ban-ken sollten sich selber helfen und der Steuerzahler würde nicht mehr einspringen, ist nicht realistisch. Von den geforderten 17 Mrd. € Zypern-Hilfe übernimmt der europäi-sche (im Wesentlichen der deutsche) Steuerzahler fast zwei Drittel; während der Selbstbeteiligungs-Verhandlungen flossen zusätzlich noch einmal (Richtung Russland) Milliarden-Summen von den zypriotischen Banken ab, die durch das Liquiditäts-Hilfsprogramm ELA der EZB (also wiederum durch den Steuerzahler) bereitgestellt wurden. Dazu noch 5 Mrd. € von der EZB für Bar-Auszahlungen.

Die Frage ist auch, ob ein Strategiewechsel, wie ihn der holländische EU-Kommissar Dijsselbloem ausgegeben hat, nicht extrem gefährlich und kontraproduktiv ist. Würde man die europäischen Banken, wie angekündigt, sich selbst überlassen, wäre dies wohl das Ende des Euros bzw. des Finanzsystems in seiner heutigen Form. Kettenre-aktionen und “Bank Runs” wären die Folge. Selbst Irland (erfolgreicher und bemühter als alle Mittelmeerländer inklusive Frankreich) hätte ein Konkurses Banksystem, wenn alle faulen Kredite sofort abgeschrieben würden. Es bleibt also nichts anderes übrig, als Banken (und Länder) in Europa mit Steuerzahler-Geld (im Wesentlichen aus Deutschland) und – mittelfristig – mit neu gedrucktem Geld weiter zu stützen.

Man sollte sich immer wieder vor Augen halten, dass alle Krisen (inklusive Zypern) durch den Euro ausgelöst wurden und die Probleme solange bleiben, wie der Euro am Leben gehalten wird. Ein britischer Wirtschaftsprofessor sagte kürzlich, dass der Euro dann aufhören würde zu bestehen, wenn Deutschland Konkurs wäre. Übersehen wird dabei, dass die EZB eine unbegrenzte Gelddruck-Möglichkeit besitzt und somit das heutige zerbrechliche, marktwirtschaftsfeindliche System noch lange gestützt werden kann. Bald dürfte Draghi also zu umfangreichen Gelddruck-Aktionen gezwungen sein, was den Aktienbörsen sogar – trotz weiterhin wahrscheinlich wettbewerbsbedingt ver-schlechterter Konjunktur – helfen sollte (aus Mangel an Anlagealternativen). Nicht nur Staatsanleihen (Deutschland 1,26%), sondern auch Unternehmensanleihen bringen mit gut 3% aus Risikogesichtspunkten keine angemessenen Zinsen.

Das Ende des Euros wird also nicht durch die Finanzprobleme der Mittelmeerländer ausgelöst, sondern durch den Druck der Straße. In Zypern wurden zuletzt nicht nur Transparente gegen das helfende, zahlende Deutschland (“Nazis, Faschisten”) ge-zeigt, sondern auch ein Austritt aus dem Euro wurde gefordert. Der “Financial Times”-Kolumnist Gideon Rachman schreibt, dass es eine Ironie des Schicksals sei, dass es gerade der Euro gewesen sei (mit dem Deutschland jetzt Europa dominiere), der ein-geführt wurde, um den Aufstieg der deutschen Wirtschaftsmacht ein für alle Mal (“for ever”) zu beenden. Die Folge des Euros (der den Deutschen als friedensstiftende Not-wendigkeit verkauft wurde), ist nicht nur zunehmende Feindschaft gegen angebliche Dominanzwünsche Deutschlands, sondern die ständig steigende Peripherie-Arbeitslosigkeit. In den Mittelmeerländern muss in den meisten Haushalten ein Verdie-ner drei Generationen ernähren. Während früher einige Mittelmeerländer mit ihrer Stra-tegie der wettbewerbsfördernden Abwertungen und der oft fehlenden Steuerzahlungen einen Haushaltsbesitz schafften, der beim gut 3-fachen einer deutschen Familie liegt und den Besitz einer eigenen Immobilie auf über 80% der Bevölkerung (auch doppelt so viel wie in Deutschland) anhob, führt die heutige Situation fehlender Abwertungs-möglichkeit (um wieder wettbewerbsfähig zu werden) und erstmals Ansätzen zu halb-wegs normaler Steuermoral dazu, dass die Bevölkerung zunehmend Euro-feindlich wird. Nicht ganz untypisch für die Mittelmeerländer ist auch das Geschäftsmodell Zy-perns, wo ca. 70% des BIP (direkt und indirekt) durch die Finanzbranche bzw. inoffizi-elle ausländische Gelder (primär aus Russland) erwirtschaftet wird.

Russland schob bisher mit Zypern dreistellige Milliarden-Euro-Beträge pro Jahr hin und her (Geldwasch-Aktivitäten), was dazu führte, dass Zypern einer der größten “Aus-landsinvestoren” in Russland war (Rückkehr der gewaschenen Gelder von Zypern nach Russland). Ähnliches passiert in China, wo die Steueroase British Virgin Islands die Liste der (auch noch steuerbegünstigten) “ausländischen” Mrd.-Investitionen an-führt (ebenfalls Rückkehr zuvor inoffiziell exportierter chinesischer Gelder). Zypern wird also ohne das bisherige Geschäftsmodell weiter Milliardensummen von der EU benöti-gen. Allein die jetzt fehlenden 17 Mrd. € machen 70% des zypriotischen BIPs aus (plus 90% Altverschuldung).

 

 

Über DJE

Die DJE Kapital AG wurde 1974 gegründet. Fonds in Deutschland: 46. Verwaltetes Vermögen: 10,2 Mrd. Euro. Zu Umsatz und Gewinn keine Angaben. Anzahl der Mitarbeiter: 100. Vorstand: Jens Ehrhardt, Jan Ehrhardt, Eberhard Weinberger, Dr. Ulrich Kaffarnik und Peter Schmitz. Stand: 30.06.2010.

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