FondsAnbieter- DJE Kapital AG: Marktkommentar

21. Oktober 2015 von um 11:00 Uhr
Wie beurteilen FondsAnbieter ihre Anlagerreigionen ? Wie fällt die Analyse der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) über Fundamentaldaten, Währungen und Kapitalflüsse aus? Informationen direkt aus dem Research Centern der FondsBranche finden SJB FondsBlogger in der Kategorie "Anbieter. Berichten."

unabhaengigkeitFondsAnbieter- DJE Kapital AG: Die Bank of England machte im Gegensatz zum Schlingerkurs der FED klar, dass sie die Zinsen nicht erhöhen, sondern sie notfalls senken oder ein neues QE-Kaufprogramm für Anleihen (= Gelddrucken) starten wird. Grund: Rückläufige Frühindikatoren weltweit.

Sollte auch die FED ihre Zinserhöhungspläne absagen, entfiele der Hauptgrund für Dollarkäufe und ein schwacher Dollar wäre realistisch. Für Börsen und Rohstoffe wäre dies positiv.

Die weltweit anlegenden Fondsmanager sind in Europa immer noch (stark) übergewichtet. Wie die aktuelle Monatsanalyse (Funds Manager Survey) zeigt.

Möglicherweise ein technischer Grund, warum es vor einer Jahresendrallye noch einmal mit den europäischen Aktienkursen abwärts geht. Besonders Deutschland enttäuscht mit schlechten Prognosen der Automobilzulieferer, die auch auf das eingebrochene Russland-Geschäft als Folge der Sanktionen hinweisen.

Deutschland belastet auch der Einbruch der Importe in China um mehr als ein Fünftel.

Wall Street könnte nach bisher schlechterem Abschneiden gegenüber Europa in diesem Jahr wieder aufholen bei schwächerem Dollar und Aufgabe der Zinserhöhungspläne.

Die Fondsmanager sind in den USA immer noch untergewichtet.

Wall Street-Erholung realistisch.

Unternehmen in Deutschland revidieren zunehmend ihre Gewinne wegen schlechterer Exporte (Russland, Südamerika, Asien). Anhaltende Deflation im 43. Monat bei China-Produzentenpreisen mit -5,9%. Auch die Inflation liegt ohne Nahrungsmittel weit unter 1%. Dies ermöglicht weitere monetäre und fiskalpolitische Ankurbelung in China. Kaufsteuer-Halbierung bei mittleren und kleineren Autos bringt deutliches Absatzplus. China-Konjunktur stabilisiert sich.

Entscheidend für die weitere Entwicklung der Weltbörsen dürfte der Dollarkurs einerseits und das Rohstoffpreisniveau andererseits sein. In Deutschland wird oft geglaubt, dass ein schwacher Euro im Zuge der durch die Euro-Einführung verdoppelten Exportquote eine günstige Entwicklung für den DAX und die deutsche Volkswirtschaft wäre. Tatsächlich schwächt aber ein zu starker Dollar die Weltwirtschaft, hauptsächlich die Schwellenländer, und damit indirekt auch Deutschland. Im vergangenen Monat gingen die chinesischen Einfuhren um über 20% gegenüber Vorjahresmonat zurück. Beim Export ist nicht nur die Frage des Preises, sondern hauptsächlich die Fähigkeit des Importeurs, sich eine Importware (z.B. aus Deutschland) leisten zu können, entscheidend. Schwächt sich die Weltwirtschaft zu stark ab, werden z.B. deutsche Autos im Ausland in jedem Falle weniger gekauft, auch wenn vielleicht der Euro „dank“ Draghi etwas schwächer notiert. Ein steigender Dollar jedenfalls fördert die ohnehin gefährlichen deflationären Tendenzen der Weltwirtschaft, siehe die zuletzt veröffentlichten nicht-existenten oder sehr niedrigen Inflationsraten weltweit für den vergangenen Monat. Die Notenbanken wollen zwar mit ihrer Politik des Gelddruckens eine Inflation (offiziell bis 2%) auslösen, Hauptziel ist es aber, die weltweite Verschuldung (besonders bei Banken und Staaten) erträglicher zu machen, weil bei niedrigen Zinsen die Staatsdefizite langsamer wachsen.

Allerdings haben die drei US-Quantitative Easing-Prozesse (Gelddrucken durch Anleiheaufkäufe) bis heute zu keiner inflationären Entwicklung geführt. Die Importpreise in den USA sinken sogar zweistellig.

Das „billige Geld“ der Notenbanken hat dazu geführt, dass weltweit Investitionsobjekte realisiert worden sind, die bei höheren Zinsen nicht in Angriff genommen worden wären. Dadurch hat sich das Warenangebot (nicht nur im Rohstoffsektor) weltweit stark erhöht. Überkapazitäten sind geschaffen worden. Entsprechend drückt das zu hohe Angebot auf die Warenpreise. Im Gegensatz zum Dienstleistungssektor entwickelt sich deshalb der Warenproduktionsbereich der Weltwirtschaft ausgesprochen schlecht.

Selten gab es in so vielen Volkswirtschaften gleichzeitig eine so große Diskrepanz zwischen „Manufacturing“ und „Service“. Man kann sich zwar damit trösten, dass die Dienstleistungsbereiche der meisten Volkswirtschaften immer noch genügend wachsen, während „nur“ die Produktion stagniert oder sogar zurückfällt. Das Unangenehme daran ist jedoch, dass in der Vergangenheit immer eine Angleichung zwischen beiden Bereichen stattfand und es natürlich auch möglich ist, dass nicht die Produktion zum Ausgleich ansteigen, sondern der Dienstleistungsbereich schwächer tendieren wird.

Der fallende Welthandel ist ebenfalls ein Spiegelbild niedriger Produktionsdaten und schwacher Nachfrage. Ein festerer Dollar verteuert international die Warenprodukte und führt damit entsprechend zu niedrigerer Nachfrage. Aber auch finanziell bremst ein fester bzw. steigender Dollar die Weltwirtschaft, da bekanntlich knapp 10.000 Mrd. $ an Schulden außerhalb der USA in Dollar aufgenommen wurden, die bei einem steigenden Dollar in Landeswährung im Wert steigen, also die Situation des Schuldners bezogen auf Zinszahlung und Rückzahlung der Kredite verschlechtern.

Fazit: Die Erholung des Euros bzw. die Abschwächung des Dollars gegenüber SchwellenländerWährungen in den vergangenen Wochen ist positiv für die Weltbörsen (und die Weltkonjunktur) zu sehen.

Auch die US-Konjunktur wird durch einen schwächeren Dollar gestützt. Wenn die größte Wirtschaft der Welt (und die auch am Dollar hängende zweitgrößte Weltwirtschaft, China) durch einen schwächeren Dollar konjunkturell gefördert werden, ist dies positiv, ebenfalls für Exportländer wie Deutschland.

Am stärksten tangiert werden davon die Schwellenländer. Bei einem steigenden Dollar fallen in der Regel die Rohstoffpreise, was zu einer schlechteren Handelsbilanz bei den Rohstoffexporteuren führt. Neben dem Dollar sind somit die Rohstoffpreise sehr wichtig für die Weltkonjunktur und die Weltbörsen. Es ist deshalb kein Zufall, dass die Börsenerholung der vergangenen Wochen durch eine Erholung bei den Rohstoffpreisen ausgelöst wurde und durch eine Abschwächung beim US-Dollar. Im Moment sieht es so aus, dass sich beide Tendenzen (Abschwächung des Dollars und Rohstoffpreiserholung) fortsetzen, was eine positive Tendenz für die Weltbörsen nach technischer Korrektur bis Jahresende bedeuten sollte.

Wichtig wird auch sein, dass die amerikanische Zentralbank nicht doch noch in diesem Jahr die Zinsen erhöht. Eine Zinsanhebung würde wieder zu einem Dollaranstieg führen und die Rohstoffpreise erneut drücken. Man sollte deshalb hoffen, dass die Amerikaner nicht nur auf ihren eigenen Arbeitsmarkt sehen, sondern auch die genannten wichtigen Entwicklungen der Weltwirtschaft bei ihrer Zinsentscheidung im Auge haben.

Man hat nach den jüngsten Äußerungen aus dem Federal Reserve Board den Eindruck, dass die noch vor kurzem von der Notenbank-Chefin ausgegebene Parole: „Die Zinsen werden noch in diesem Jahr erhöht“, immer mehr ins Wanken gerät. Hinzu kommt, dass auch die US-Konjunktur bei den meisten Frühindikatoren in jüngster Zeit Schwächezeichen aufweist. Hintergrund ist der für die Exportwirtschaft hohe Dollar und der Ölpreisrückgang. Die Anzahl der Ölbohrtürme („Rigs“) ist erneut auf 603 gesunken und damit um über 60% seit dem Hoch gefallen. In der Regel steigt auch der Ölpreis (wie zuletzt geschehen) nach einem solchen Rückgang der Zahl der Fördertürme (= Rückgang des Ölangebots). Allerdings produzieren die Russen und die OPEC so viel Öl wie noch nie, da sie auf diese Einnahmen angewiesen sind (Saudi Arabien gehörte nach China zum größten Auflöser von Währungsreserven in den vergangenen 12 Monaten).

Je stärker die Rohstoffpreise fallen, desto mehr müssen die Rohstoffexporteure auch Aktienbestände am Weltmarkt verkaufen, um sinkende Öleinnahmen auszugleichen.

Auch in dieser Hinsicht werden die Weltbörsen durch sinkende Rohstoffpreise belastet.

Fazit: Neben dem Dollarkurs dürften die Rohstoffpreise der Hauptbestimmungsfaktor für die Börsen in nächster Zeit sein.

Die internationale Konjunkturschwäche dürfte ferner auch stark durch starre und in den wichtigsten Ländern zu hohe Wechselkurse ausgelöst worden sein. Ein zu stark steigender Dollar wirkt auf die internationale Konjunktur abschwächend und deflationär.

Wenn die beiden größten Volkswirtschaften – USA und China wegen des festen Wechselkurses zum Dollar – gegenüber Dritten eine zu starke Währung haben, belastet dies. Der Euro notiert heute zwar niedriger als vor einem Jahr, für Südeuropa und Frankreich ist aber auch ein solches Euro-Niveau im Grunde zu hoch und belastet damit die Konjunktur in diesen Ländern (und damit ihre Einfuhrmöglichkeiten aus den Schwellenländern, wie China).

Fazit: Starre Wechselkursbindungen dürften wahrscheinlich der Hauptgrund für die – trotz aller extremer Gelddruck-Aktionen – augenblickliche Schwäche der Weltkonjunktur sein.

Der Dollar ist natürlich gegenüber dem Euro auch nur deshalb so stark wie heute (trotz der schlechtesten Handels- und Leistungsbilanz der Welt), weil Draghi den Euro künstlich abwertet. Es sind im Wesentlichen also (neben der Greenspan-Verschuldung) marktwirtschaftsfeindliche, künstliche WechselkursFestschreibungen und Währungsmanipulationen, die die Weltwirtschaft in die heutige schwierige Lage gebracht haben.

Grundsätzlich sollte man meinen, dass Deutschland der Gewinner der Euro-Abwertung gewesen ist (jedenfalls die Exportindustrie, denn der Binnenwirtschaft schadet jede Euro-Abwertung). Tatsächlich haben die Deutschen dank ihrer Exporte seit der Finanzkrise etwa 2.000 Mrd. € an Leistungsbilanzüberschüssen erwirtschaftet (im wesentlichen mehr an Waren und Dienstleistungen ans Ausland geliefert, als sie selbst bezogen haben). Von China bis Norwegen (wegen Handelsbilanzüberschüssen oder Ölexporten) haben andere Länder solche Leistungsbilanzüberschüsse zu milliardenschweren Sovereign Wealth Fonds (gewissermaßen volkswirtschaftlichen Sparpaketen für Notzeiten) genutzt.

Allerdings ist das deutsche Auslandsvermögen nicht – wie üblich – um den Leistungsbilanzüberschuss (um die genannten ca. 2.000 Mrd. €) gestiegen, sondern nur etwa um die Hälfte. Man fragt sich also, wo das restliche Kapital geblieben ist.

Wie hier schon früher aufgezeigt, hat sich Deutschland mit etwa 800 Mrd. € vor der Finanzkrise via von US-Ratingagenturen mit AAA-Qualitätssiegel versehenen Anleihen zur Finanzierung der amerikanischen Immobilienwirtschaft engagiert. Wie man weiß, erwiesen sich solche Anleihen als weitgehend wertlos (US-Hedge-Fonds verdienten auch noch mit Leerverkäufen auf solche an Deutschland verkauften Papiere viele Milliarden).

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djeDJE. Hintergründig.
Die DJE Kapital AG wurde 1974 gegründet. Fonds in Deutschland: 28. Verwaltetes Vermögen: 11,0 Mrd. Euro. Zu Umsatz und Gewinn keine Angaben. Anzahl der Mitarbeiter: 100. Vorstand: Dr. Jens Ehrhardt, Dr. Jan Ehrhardt, Peter Schmitz, Dr. Ulrich Kaffarnik und Uwe Adamla. Stand: 31.07.2015. SJB Abfrage: 29.09.2015.
www.dje.de

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