FondsAnbieter- DJE Kapital AG: Marktkommentar

29. Oktober 2015 von um 11:00 Uhr
Wie beurteilen FondsAnbieter ihre Anlagerreigionen ? Wie fällt die Analyse der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) über Fundamentaldaten, Währungen und Kapitalflüsse aus? Informationen direkt aus dem Research Centern der FondsBranche finden SJB FondsBlogger in der Kategorie "Anbieter. Berichten."

unabhaengigkeitFondsAnbieter- DJE Kapital AG: Der laufende positive Saisonrhythmus (November, Dezember) sollte nur dann unterbrochen werden, wenn die Amerikaner doch die Zinsen erhöhen. Dies dürfte den US-Dollar und damit (noch gefährlicher!) den chinesischen Yuan nach oben drücken, was die Gefahr einer für die Weltkonjunktur gefährlichen neuen chinesischen Abwertung vergrößern würde.

Notenbank-Eingriffe in die Marktwirtschaft bewirken das Gegenteil des Erstrebten:

Die zu niedrigen Zinsen wirken nicht inflationär, sondern deflationär (zu viel Investitionen, die bei hohem Zins nicht durchgeführt worden wären, und damit preisdrückendes Angebot).

Nicht Inflation, sondern gefährliche Währungsentwicklungen sind das durch die „unorthodoxe“ Notenbank-Politik (QE) ausgelöste Problem.

China entwickelte sich in diesem Jahr wie vorausgesagt: Erst Börsenabsturz à la 1987 um ca. 40% und dann keine Dauerbaisse, sondern langsame Erholung.

Die erstmals seit längerem wieder stark steigende chinesische Geldmenge (mehr Kredite) ist ein überraschend positiver Faktor für die chinesische Börse und Konjunktur. Weitere Zinssenkungen und Mindestreserve-Senkungen bei den Banken sind realistisch. Die einzige größere Notenbank weltweit, die beim Zins überhaupt noch Ankurbelungspotential hat.

Zahl der US-Arbeitslosen-Anträge auf Tief seit mehr als 40 Jahren. Seitdem stieg die Zahl der US-Arbeitnehmer von 90 auf 157 Mio. Demographisch bereinigt also doppeltes Rekordtief!

Nach den Kursrückgängen seit dem Frühjahr, die an einigen Märkten, wie Deutschland, die Baissedefinition (Rückgänge um mehr als 20%) erfüllten, fragen sich viele Anleger, ob sich die Weltbörsen nach wie vor in einer Hausse (seit 2009) oder bereits in einer neuen Baisse befinden. Die Optimisten sehen die übliche „Mauer der Angst“ („wall of worry“), an der sich die Börsenkurse aufwärts bewegen. In diesem Jahr waren es zunächst Griechenland (wovon erwartungsgemäß heute niemand mehr redet), dann die Abwertung und der mögliche Konjunkturabsturz in China (was sich inzwischen ebenfalls als übertriebene Angst herausgestellt hat) und zuletzt Befürchtungen über die Entwicklung der Weltkonjunktur zu einer Zeit, in der den Notenbanken nach sieben Jahren US-Nullzins-Politik die Munition zur Bekämpfung einer neuen Wirtschaftsschwäche ausgegangen zu sein scheint.

Tatsächlich zeigt die Realwirtschaft in vielen Ländern eine Abschwächung der Wachstumsraten. Dies beginnt in China, wo gerade der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorjahr auf 6,9% beziffert wurde (zwar leicht unter den von der Regierung angestrebten 7,0%, aber immerhin im internationalen Vergleich ein Wachstum, von dem alle anderen Länder nur träumen können), und reicht bis zur Stagnation der Industrieproduktion in vielen Ländern (USA z.B. +0,4% gegenüber Vorjahr).

Auch der weltweite Rückgang der Inflationsraten (z.B. auf 0,00% in den USA bzw. -0,1% = Deflation in Europa; weltweit stärkster Rückgang seit der Wirtschaftskrise 2009) scheint für einen neuen globalen längerfristigen Konjunkturabschwung zu sprechen.

Besonders unwirksam sieht die Politik der Notenbanken aus, die eine Inflations-rate von 2% anstreben, die aber im Moment nirgendwo in Sicht ist. Wie schon in der vergangenen Woche ausgeführt, haben die künstlichen Eingriffe der Notenbanken in die Marktwirtschaft sogar das Gegenteil dessen ausgelöst, was angestrebt wurde:

Deflation statt Inflation. Durch die künstlich niedrigen Zinsen wurden Wirtschaftsprojekte (nicht nur in der Rohstoffindustrie) realisiert – die bei höheren Zinsen nie verwirklicht worden wären – die wiederum das Angebot erhöhten und damit die Preise drückten.

Erst senkte Greenspan gegen jedes marktwirtschaftliche Gesetz die Zinsen viel zu weit ab (was erst zu Rekordverschuldung und später zu Deflation der amerikanischen Immobilienpreise führte) und dann wurde in Europa der Euro mit viel zu niedrigen „deutschen“ Zinsen eingeführt, was die nächste Verschuldungswelle und anschließende Deflation, die bis heute andauert, auslöste.

Die Politik des „zu billigen“ Geldes (die zu Wirtschaftsbelebung und Inflation führen sollte) hat also einen unnatürlichen, Deflation bewirkenden Investitionsboom ausgelöst, der bis zuletzt andauerte. Nach einer Untersuchung von Goldman Sachs steigen die weltweiten Investitionen sogar in diesem Jahr noch um 2%, dürften aber damit ihr langjähriges Hoch erreicht haben. Die Schätzungen für das nächste Jahr wurden jüngst von 5,3% auf 6,4% Rückgang verschärft, für 2017 auf 3,5% und 2018 auf 2,6% Rückgang. Dies würde bedeuten, daß der Angebotsdruck auf die Preise mittelfristig abnimmt. Es ist erstaunlich, wie stark die Umsätze schon heute bei Unternehmen (auch Banken, wie z.B. bei Credit Suisse um 29%) zurückgehen und daß Gewinnsteigerungen im Allgemeinen nur noch möglich sind durch massive Kostenkürzungen. Entsprechend hoch liegen nach wie vor die Gewinnspannen der US-Unternehmen (Gewinn pro Umsatz).

Allerdings fragt man sich, wann dieser Prozess der mangelnden Preissetzungsmacht der Unternehmen enden wird, die Unternehmen die Absatzpreise wieder erhöhen können und damit die Gewinne wieder steigen. Im Grunde basiert ein Großteil der Aktienkurssteigerungen seit 2009 nicht auf wachsenden Gewinnen der Unternehmen, sondern auf einer Ausdehnung der Kurs/Gewinn-Verhältnisse im Zuge der Rückgänge der Zinsen nahe Null.

Rechnerisch führen niedrigere Investitionen der Unternehmen auf Dauer auch zu niedrigeren Abschreibungen und damit höheren Gewinnausweisen. Die Kombination aus höheren Umsätzen (bei wieder mehr Inflation) und gleichzeitig niedrigeren Abschreibungen bringt dann die Voraussetzung für den nächsten Gewinnaufschwung der Unternehmen inklusive Aktienhausse. Im Moment sieht es aber noch nicht nach einer solchen Entwicklung aus. Höhere Börsenkurse sind im Moment wahrscheinlich nur in solchen Ländern zu erwarten, wo die Notenbanken immer noch massiv mit ihrer „unorthodoxen“ Politik (sprich Gelddrucken) beschäftigt sind, was in der Regel zu höheren Kurs/Gewinn-Verhältnissen führt. Hier liegt Europa immer noch vorn mit der höchsten Geldmengensteigerung M1 weltweit bei gleichzeitig schwachem Kapitalbedarf der Wirtschaft im Zuge der nur geringen Wachstumsraten. In der Vergangenheit führte ein hohes Geldmengenwachstum immer zu steigenden Aktienkursen. Auch in China, wo wegen der besten Konjunktur weltweit (auch aktuell noch mit 6,9% Wachstum) und Vollbeschäftigung (für chinesische Verhältnisse) keine Nullzins-Politik oder eine ähnlich stark expansive Notenbank-Politik wie im Westen oder in Japan notwendig war, haben sich die monetären Voraussetzungen für wieder höhere Aktienkurse zuletzt verbessert:

Die chinesische Geldmenge M1 steigt inzwischen mit über 11% und damit fast so stark wie in Europa. Hintergrund könnte eine Offen-Markt-Politik der Notenbank sein, auch zur Kompensation der liquiditätseinengenden Politik, den Kurs der chinesischen Währung gegenüber dem Dollar stabil zu halten (Dollar- bzw. USAnleiheverkäufe aus den Währungsreserven). Wenn die Notenbank ausreichend chinesische Anleihen erwirbt, könnte sie wenigstens vorübergehend Liquiditäts-Engpässe (bedingt durch die Kapitalflucht-Probleme) in den Griff bekommen.

Fazit: Kurzfristig aus monetärer Sicht scheinen die Chancen für höhere Aktienkurse in Europa und China günstig.

Aber auch an der Wall Street erscheint das Chance/Risiko-Verhältnis kurzfristig wieder positiver. Durch die rund 10%-ige Abschwächung des US-Dollars gegenüber dem Euro (seit an dieser Stelle im April auf die einseitige Überspekulation in Sachen Dollar bzw. Baissespekulation gegen den Euro nach dem US-Motto: „Der beste Leerverkauf auf dem Planeten“ hingewiesen wurde), stabilisieren sich die Wall StreetGewinne.

Immerhin kommen 48% der Einnahmen der 500 S&P-Aktien nicht aus dem Dollarraum. Hauptgrund für eine kurzfristig bessere Wall Street (trotz charttechnischer Widerstandszonen nach oben) erscheint die ausgesprochen gute Markttechnik im Zuge des stark angestiegenen Pessimismus für Konjunktur und Aktienanlage in den USA.

Die zum Stillstand gekommene Abwertung des Yen ist für Tokio nicht negativ zu werten:

Da in fast allen Ländern die Binnenwirtschaft größer ist als der Export (selbst in Deutschland), fördert eine Aufwertung bzw. fehlende Abwertung den Wohlstand der Bevölkerung bzw. ihren Konsum. Die Aufwärtsbewegung in Japan könnte sich deshalb hin zu binnenwirtschaftlich orientierten Branchen, von Banken bis zu Eisenbahn-Aktien, aber auch Autos wegen VW, verschieben. Gewinnseitig war Japan bislang das Land, das die beste Gewinnentwicklung der Unternehmen aufwies, während in Wall Street die Gewinne im 3. Quartal erneut fielen (-5%) und in Europa exportbedingt die Gewinnsteigerungen (Goldman Sachs-Schätzung nur noch +2% für 2015) ständig herabgesetzt werden. Bezogen auf die Substanz (Kurs/Buchwert) gehört Japan weiter zu den preiswertesten Märkten und auch bezogen auf die flüssigen Mittel in ihrer Bilanz sehen japanische Unternehmen sehr günstig aus.

 

 

djeDJE. Hintergründig.
Die DJE Kapital AG wurde 1974 gegründet. Fonds in Deutschland: 28. Verwaltetes Vermögen: 11,0 Mrd. Euro. Zu Umsatz und Gewinn keine Angaben. Anzahl der Mitarbeiter: 100. Vorstand: Dr. Jens Ehrhardt, Dr. Jan Ehrhardt, Peter Schmitz, Dr. Ulrich Kaffarnik und Uwe Adamla. Stand: 31.07.2015. SJB Abfrage: 29.09.2015.
www.dje.de

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