FondsAnbieter-DJE Kapital AG: DJE – Marktkommentar

07. Oktober 2015 von um 10:00 Uhr
Wie beurteilen FondsAnbieter ihre Anlagerreigionen ? Wie fällt die Analyse der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) über Fundamentaldaten, Währungen und Kapitalflüsse aus? Informationen direkt aus dem Research Centern der FondsBranche finden SJB FondsBlogger in der Kategorie "Anbieter. Berichten."

unabhaengigkeitFondsAnbieter- DJE Kapital AG: Keine andere Branche in Deutschland hat ein so großes Gewicht wie die Autoindustrie.SJB FondsSkyline OHG 1989. PortfolioManagement. Antizyklisch.

Unter den DAX-Unternehmen hatte VW 2014 mit über 200 Mrd. € den mit Abstand höchsten Umsatz (vor Daimler, E.ON und BMW) und mit 12,7 Mrd.

€ auch den höchsten Gewinn. Die Zukunft der Autobranche, aber auch Deutschlands insgesamt, dürfte sich durch die VW-Vorfälle eintrüben. Im schlimmsten Fall droht ein „Nokia-Effekt“: Der unangefochtene SmartphoneGigant (auch VW produzierte im 1. Halbjahr weltweit am meisten Autos) sackte in wenigen Jahren wegen des Apple-Aufstiegs zu vergleichsweiser Bedeutungslosigkeit ab. Von den USA bis China (Kohle-Verstromung!) könnten Elektroautos schnell marktbeherrschend werden, worauf Deutschland unzureichend vorbereitet ist. Wie bei VW sind die meisten deutschen Probleme selbst verschuldet:

Zum Beispiel zu hohe Energiekosten durch die „Energiewende„, während Japan, China, USA und sogar Großbritannien (mit chinesischer Hilfe) neue Kernkraftwerke errichten. Durch den Flüchtlings-Zustrom („WillkommensKultur“), wo Insider drei Mio. Menschen erwarten, kommen durch die MilliardenBelastungen Steuererhöhungen auf Deutschland zu. Wird Deutschland wieder zu „Europas krankem Mann“, wie bereits vor Schröders Agenda 2010?

China bleibt ein wichtiger Faktor für die Weltbörsen. Ein Besuch vor Ort ergab:

Die Welt muss sich fundamental auf niedrigere Wachstumsraten einstellen.

Bisher war China nach der Finanzkrise konjunkturell (und monetär) die Wachstumslokomotive der Welt. In den vergangenen Jahren wickelte China den größten Teil seines Außenhandels mit den rohstofffördernden Ländern ab. Diese Länder werden in Zukunft weniger Richtung China exportieren und weniger chinesische Waren aufnehmen. Kurzfristig gibt es aber kein „Hard Landing“, sondern wahrscheinlich wieder etwas bessere Konjunkturzahlen (expansive Fiskal- und Zinspolitik).

Die Weltkonjunktur wird in den nächsten Jahren unter stark sinkenden Investitionen aus der Öl- und Autoindustrie leiden. Die Zahl der US-Ölbohrtürme sank auf einen neuen Tiefstand (-60%). Die US-Unternehmensgewinne liegen aktuell auf dem Niveau von 2014. Kein Wunder, dass der größte USAktienindex (NYSE) auf den Stand vom 4. Quartal 2013 zurückgefallen ist. Ob und wann die Weltbörsen einen neuen monetären Schub bekommen, ist unklarer denn je. In den USA erwarten die einen Zinsanhebungen, die anderen Quantitative Easing 4 für 2016.

Unglücklicher hätte die Entscheidung der US- Zentralbank nicht ausfallen können. Unsicherheit über zukünftige Ereignisse ist schlechter für die Märkte als eine unangenehme Tatsache. So titelte die „Financial Times“: „Uncertainty worse than rate hike“ (die anhaltende Unsicherheit ist schlimmer als eine Zinserhöhung). Man erinnere sich an den US-Überfall auf den Irak, als im Vorfeld die Börsenkurse abstürzten und erst ab dem Moment, wo die – auch für die Börsen – schlechte Nachricht des Kriegsbeginns bekannt wurde, stiegen die Welt-Aktienmärkte wieder (nicht etwa, weil die Weltkonjunktur oder die Gewinne gestiegen wären, sondern weil die Unsicherheit endete). Die FED hätte also die Zinsen besser (am besten minimal, wie hier vorgeschlagen) erhöhen sollen, statt nichts zu tun.

Eine bevorstehende, neue Entscheidung im Oktober dürfte ebenfalls offen sein, da dies ein FED-Treffen ohne Pressekonferenz sein wird. Eine Entscheidung beim danach nächsten Zusammentreffen der Notenbanker im Dezember ist ebenfalls unrealistisch, da der Dezember oft Liquiditätsanspannungen aufweist, die dann nicht durch eine Zinsanhebung noch vergrößert werden sollen. Und 2016 ist ein US-Wahljahr. In einem solchen wurden die Zinsen nur äußerst selten erhöht.

Der jüngste Dollaranstieg wirkte sich bereits bremsend wie eine Zinserhöhung aus und dürfte in nächster Zeit (besonders bei den konjunkturell wichtigen Investitionen) Abwärtstendenzen auslösen. Besonders negativ ist die auf gut 77% gefallene Kapazitätsauslastung der Industrie, die sich weiter entfernt von der 80%-Grenze, an der es im Allgemeinen zu zunehmenden Investitionen kommt. Die Entlassungen steigen erstmals seit 2009 wieder deutlicher, die Stimmung der Unternehmensvorstände (CEO-Treffen) verdunkelt sich zusehends und die Lagervorräte in der Industrie steigen wegen unerwartet schlechtem Absatz. Was immer noch läuft, ist der US-Autoverkauf, wo die Absätze an frühere Rekordzahlen heranreichen (bezogen auf die seitdem stark gewachsene US-Bevölkerung noch keine bereinigten Hochs). Hinzu kommt, dass die Amerikaner zu 85% Autos auf Kredit kaufen (während es in China nur gut 20% sind).

Es wird oft davon gesprochen, dass die Konjunktur in den USA wesentlich besser sei als die in Europa. Zuletzt wuchs die US-Wirtschaft nominal um 3%, was nach sieben Jahren Konjunkturaufschwung aber immer noch ein rekordtiefer Satz ist. Die offizielle volkswirtschaftliche Inflationsrate beträgt 1%, so dass sich 2% reales Wachstum ergeben, was kaum über der europäischen Größe (für dieses Jahr geschätzt 1,6% bis 1,7%) liegt. Hinzu kommt, dass die Amerikaner in der Vergangenheit Weltmeister im Herunterrechnen der Inflationsrate waren. Zum Beispiel mit der hier öfter beschriebenen und kritisierten „hedonischen“ Methode, welche Qualitätsverbesserungen von Produkten mit Preissenkungen (obwohl diese gar nicht nominell stattfinden) gleichsetzt.

Solche Neuerungen (im Grunde genommen ist es ja selbstverständlich, dass neue Produkte qualitativ besser sind als alte) dürften schon länger zu einer künstlich zu hoch ausgewiesenen realen US-Wachstumsrate geführt haben. Würde die Inflationsrate ähnlich wie in Europa berechnet, wäre das US-Wachstum deutlich niedriger und läge wahrscheinlich unter dem europäischen Wachstum. Das ist natürlich auch der Notenbank bekannt und dürfte einer der Gründe sein, warum die FED die Zinsen nicht erhöht hat.

Schon Frau Yellens Vorgänger Bernanke hatte immer wieder getönt, dass bei einer Arbeitslosenrate von 6,5% (derzeit 5,1%) die Zinsen erhöht werden. Frau Yellen hob bei ihrer Begründung der Nicht-Zinsanhebung nun ausdrücklich hervor, dass die Schwellenländer (ohne China zu nennen) durch eine US-Zinserhöhung betroffen wären. Damit wollte sie offensichtlich klarstellen, dass die US-Konjunktur kein Anlass für eine Verschiebung der Zinserhöhung ist. Solche China-Bedenken werden wahrscheinlich nicht nur von der US-Notenbank, sondern auch bei vielen Anlegern zurzeit eher

überbewertet. Die Wandlung Chinas zu mehr Konsum musste zwangsläufig eine

schwache Konjunktur im Investitionsgüterbereich auslösen. Dieser Sektor dürfte sich tatsächlich inzwischen in einer Rezession befinden. Der Stromverbrauch pendelt hier um die Null-Linie gegenüber Vorjahr. Dagegen ist im sogenannten tertiären Bereich (Dienstleistungen) die Stromverbrauchs-Wachstumsrate in den vergangenen Monaten unverändert bei ca. 8% geblieben.

Der Service- und Konsumanteil der Volkswirtschaft erhöht sich also ständig, was für China eine durchaus positive Entwicklung ist. Die Binnenwirtschaft ist im Allgemeinen weniger schwankungsanfällig als der Export. Tatsächlich wurde in der vergangenen Woche das erwartete Wachstum der Weltwirtschaft für 2015 noch einmal von 3,0% auf 2,6% herabgesetzt, wobei der Welthandel noch deutlich weniger wachsen dürfte. China wird mit einer Stärkung der Binnenkonjunktur in Zukunft stabiler, anders als Deutschland, das fast mit dem halben Bruttosozialprodukt vom Export abhängig ist.

Die bisherigen fünf chinesischen Zinssenkungen seit 2014 könnten im Verlauf des 4. Quartals positiv wirken. Die erste Zinssenkung fand vor einem Jahr statt. Im Allgemeinen lösen Zinssenkungen etwa ein Jahr später eine positive Konjunkturentwicklung aus. Hinzu kommt, dass die Regierung Maßnahmen ergriffen hat, die Infrastruktur wieder erheblich zu verbessern. China hat schon heute das längste HochgeschwindigkeitsEisenbahnnetz der Welt (inzwischen länger als in Japan). Amerika hinkt nicht nur hier bei der Infrastruktur erheblich den Chinesen hinterher. Ähnlich wie in Deutschland sind zunehmend US-Brücken einsturzgefährdet.

Während konjunkturell wieder positivere Meldungen aus China zu erwarten sind, bleibt dort die wahrscheinlich anhaltende Kapitalflucht ein Problem. Zwar reichen die Devisenreserven, um über mehrere Jahre hinweg solche Kapitalabflüsse aufzufangen.

Aber wie schon mehrfach dargestellt, bedeuten sie gleichzeitig eine Liquiditätsverknappung für die Volkswirtschaft. Man muss Dollars verkaufen, die als Währungsreserven bisher im „Notenbank-Safe“ verwahrt waren, um einen Dollaranstieg zu verhindern und erhält dafür Yuan, die dann im „Notenbank-Safe“ verschwinden. Das führt zu entsprechender Liquiditätsverknappung. Allerdings kann die Notenbank mit Mindestreservemaßnahmen und anderen Instrumenten der Offen-Markt-Steuerung (die schon die Bundesbank bei Dollarstützungen erfolgreich anwendete) einen Teil der Abflüsse

„sterilisieren“ (so das Fachwort). Erstaunlicherweise scheint dies der Notenbank zuletzt gelungen zu sein: Die Geldmenge M1 wächst erstmals seit längerem wieder mit einem für eine volkswirtschaftliche Entwicklung (und für die Börse) befriedigend hohem Niveau von über 9%.

Es ist also denkbar, dass sich die chinesische Börse stabilisiert und keine negative psychologische Wirkung auf andere Weltbörsen mehr ausübt. Angesichts der – hier richtig vorausgesagten – dramatischen Kursstürze in China hatte sich in den vergangenen zwei Wochen der Herausgeber selbst auf den Weg gemacht, um vor Ort die Lage genauer analysieren zu können. Erster Eindruck: Die Preise sind zu hoch. Das Gesamtergebnis der Analyse ist, dass China weiterhin vor einem sehr schwierigen Umstellungsprozess weg von Investitionsgüterindustrie (und ca. 150.000 hoch verschuldeten staatlichen Unternehmen, die restrukturiert werden müssen) hin zu stabilerem Konsum ist, aber trotz zahlreicher Probleme weder ein kurzfristiger Absturz der Konjunktur in China, noch dramatische Auswirkungen auf die Weltkonjunktur zu erwarten sind. Die Export-Auftragseingänge sind allerdings weiter rückläufig. Mit Käufen von chinesischen Aktien (außer einigen sehr preiswerten, international ausgerichteten Hong Kong-Aktien) sollten Anleger weiter warten. Die Masse der chinesischen mittleren und kleineren Aktien ist immer noch deutlich überbewertet (nur die Index Schwergewichte ziehen die Index-PE auf ein halbwegs normales Niveau von ca. 16herunter).

Dieser DJE Marktkommentar enthält Auszüge aus der FINANZWOCHE. Abonnieren Sie den umfangreichen Börsenbrief der FINANZWOCHE GmbH und profitieren Siewöchentlich von der über 40-jährigen Börsenerfahrung des Investmentprofis Dr. Jens Ehrhardt. Ein mehrseitiger Marktkommentar, Aktienanalysen sowie eine Vielzahl von Indikatoren informieren Sie über das Marktgeschehen. Bestellen Sie Ihr persönliches kostenloses Probeexemplar unter www.finanzwoche.de.

 

 

djeDJE. Hintergründig.
Die DJE Kapital AG wurde 1974 gegründet. Fonds in Deutschland: 28. Verwaltetes Vermögen: 11,0 Mrd. Euro. Zu Umsatz und Gewinn keine Angaben. Anzahl der Mitarbeiter: 100. Vorstand: Dr. Jens Ehrhardt, Dr. Jan Ehrhardt, Peter Schmitz, Dr. Ulrich Kaffarnik und Uwe Adamla. Stand: 31.07.2015. SJB Abfrage: 29.09.2015.
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