FondsAnbieter-Deutsche Bank Research: Ausblick Deutschland Trendwachstum der Beschäftigung – auf längere Sicht negativ

15. August 2013 von um 11:30 Uhr
Wie beurteilen FondsAnbieter ihre Anlagerreigionen ? Wie fällt die Analyse der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) über Fundamentaldaten, Währungen und Kapitalflüsse aus? Informationen direkt aus dem Research Centern der FondsBranche finden SJB FondsBlogger in der Kategorie "Anbieter. Berichten."

Bei der FondsAuswahl zählt die Unabhängigkeit vom Anbieter!FondsAnbieter- Deutsche Bank Research: Die Beschäftigung ist seit 2007 um durchschnittlich knapp 2% gestiegen, und die Arbeitslosenquote hat sich seit ihrem Höchststand im März 2005 nahezu halbiert.

Die Alterung und das Schrumpfen der Bevölkerungszahl stellen in den kommenden Dekaden eine enorme Herausforderung für den Arbeitsmarkt dar.

Aufgrund der aus dem Arbeitsmarkt ab 2020 ausscheidenden geburten-starken Baby-Boomer-Generationen wird die Zahl der Personen im er-werbsfähigen Alter bis 2050 mehr als doppelt so stark sinken wie die der Gesamtbevölkerung.

Selbst in unserem optimistischsten Szenarium, das Nettozuwanderungen von 200.000 Personen p.a. sowie den Anstieg der Erwerbspersonenquoten auf internationale Spitzenwerte vorsieht, wird das Trendwachstum der Be-schäftigung etwa ab 2030 negativ.

Die in diesem Szenarium unterstellten Anpassungen sind gewaltig und set-zen einen gesellschaftlichen sowie politischen Konsens voraus, dessen Er-reichen derzeit noch fraglich ist.

Der deutsche Arbeitsmarkt entwickelte sich in den letzten Jahren äußerst gün-stig. Die Anzahl der Erwerbspersonen erhöhte sich seit 2004 kontinuierlich und hat mit rund 42 Mio. im Jahr 2012 einen Rekordstand erreicht. Zudem ist die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten seit dem Jahr 2007 (mit Ausnahme des Jahres 20091) durchschnittlich um knapp 2% gestiegen, die Zahl der Arbeitslosen von ihrem Höhepunkt von gut 5 Mio. im März 2005 auf zuletzt etwas mehr als 2,9 Mio. gesunken, und die Arbeitslosenquote hat sich seither von über 12% auf 6,8% nahezu halbiert. Dazu haben neben konjunkturellen Effekten und moderaten Lohnabschlüssen auch die Hartz-Reformen der Jahre 2003 bis 2005 beigetragen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) kommt in einer aktuellen Studie zu dem Schluss, dass die Effekte struktu-rell und permanent sind.2 Allerdings hat sich zuletzt konjunkturell bedingt das Wachstum der Beschäftigung verlangsamt. Nachdem es im September 2012 noch bei rund 2% gelegen hatte, betrug die Zunahme in den ersten vier Mona-ten dieses Jahres nur noch etwa 1 ¼% – wenig verwunderlich bei einem Rück-gang der realen Wirtschaftsleistung von 0,7% im vierten Quartal 2012 und ei-nem nur sehr moderaten Wirtschaftswachstum von 0,1% im ersten Quartal 2013.

Die demographische Herausforderung

Sieht man von den zyklischen Schwankungen ab und betrachtet das Trend-wachstum der Beschäftigung, stellt sich die Frage, wie sich die Beschäftigung angesichts der demographischen Veränderungen in den kommenden Dekaden entwickeln wird, wenn das Durchschnittsalter der Bevölkerung weiter kräftig steigt und die geburtenstarken Jahrgänge der Baby Boomer aus dem Arbeits-markt ausscheiden. Unseren Berechnungen zufolge wird die Bevölkerung ins-gesamt bis 2030 zwar nur um knapp 3% abnehmen, die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter allerdings um fast 12% sinken.3 Um die Frage zu beant-worten, haben wir auf ein Konzept zurückgegriffen, das u.a. 2006 von der Fede-ral Reserve Bank of Kansas City4 und 2013 von der Federal Reserve Bank of Chicago5 zur Analyse des Trendwachstums der US-amerikanischen Beschäfti-gung herangezogen wurde.

Die Identitätsgleichung der Beschäftigung

Ausgangspunkt ist die sogenannte „Employment Identity“, also die Identitäts-gleichung, die die Beschäftigung mit der Bevölkerung, der Erwerbspersonen-quote und der Beschäftigungsquote verbindet.

Es gilt:

(i) Beschäftigung = Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter * Erwerbspersonenquote * Beschäftigungsquote

Unter der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter werden üblicherweise die Per-sonen im Alter von 15 bis 64 Jahren verstanden. Entsprechend der Gesetzesla-ge in Deutschland, die von 2012 bis 2030 eine schrittweise Anhebung des ge-setzlichen Rentenalters von 65 auf 67 Jahre vorsieht, wurde die Obergrenze dieser Altersgruppe in unserer Untersuchung für die Übergangszeit flexibel an-gepasst.

Die Erwerbspersonenquote umfasst jenen Anteil an der Bevölkerung im er-werbsfähigen Alter, der dem Arbeitsmarkt auch tatsächlich zur Verfügung steht. Dieser Teil setzt sich aus den Erwerbstätigen sowie den Erwerbslosen zusam-men.

(ii) Erwerbspersonenquote = Erwerbspersonen / Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter * 100 mit Erwerbspersonen = Erwerbstätige + Erwerbslose

Die dritte Komponente der Identitätsgleichung, die Beschäftigungsquote, ver-bindet die Anzahl der Erwerbspersonen mit der Anzahl der Beschäftigten und ist der (prozentuale) Anteil der Erwerbspersonen, der einer Beschäftigung nach-geht.

(iii) Beschäftigungsquote = Erwerbstätige / Erwerbspersonen * 100

Da sich die Beschäftigungsquote und die Erwerbslosenquote zu 100 aufaddie-ren, entspricht die Beschäftigungsquote dem Term 100 – Erwerbslosenquote. Entsprechend kann zur Abschätzung der langfristigen Entwicklung der Beschäf-tigungsquote alternativ auch die Erwerbslosenquote verwendet werden, was wir im Folgenden auch getan haben.

Die Vorgehensweise

Das Trendwachstum der Beschäftigung wird dementsprechend durch die Ent-wicklung der Bevölkerung, der Erwerbspersonenquote sowie der Beschäfti-gungs- bzw. Erwerbslosenquote determiniert. Folglich müssen diese drei Kom-ponenten bzw. deren Entwicklung langfristig abgeschätzt werden.

Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter haben wir mit unserem Bevölke-rungsmodell nach Altersjahren auf Grundlage der Daten des Zensus 2011 be-rechnet. Dabei haben wir bis 2050 eine konstante Geburtenrate von 1,4 Kindern pro Frau und eine mittlere Zunahme der Lebenserwartung bei der Geburt von gut 7 Jahren für Männer und knapp 7 Jahren für Frauen6 unterstellt. Da im Ge-gensatz zum natürlichen Bevölkerungssaldo, d.h. der Differenz zwischen Gebur-ten und Sterbefällen, die Höhe der Zuwanderung in den vergangenen Dekaden stark schwankte und damit eine erhebliche Unsicherheit für die Vorhersage für die kommenden Dekaden besteht, haben wir zwei Varianten für den Wande-rungssaldo durchgerechnet. Variante 1 geht ab 2015 von Nettozuwanderungen von 100.000 Personen pro Jahr aus, Variante 2 von 200.000 Personen.

Die Abschätzung der Entwicklung der altersspezifischen Erwerbspersonenquo-ten haben wir auf Basis der Daten des Mikrozensus vorgenommen und zwei Alternativen berechnet. Zum einen handelt es sich um ein „Status Quo“-Szenarium, d.h. für die kommenden Dekaden bleiben die altersspezifischen Erwerbspersonenquoten unverändert, zum anderen um das Szenario „Die drei Besten“, in dem wir bis 2030 einen Anstieg der Erwerbspersonenquoten auf das Niveau des Durchschnitts der drei Industrieländer mit den höchsten Erwerbs-personenquoten der entsprechenden Altersgruppe modelliert haben.

Für die langfristige Entwicklung der Beschäftigungsquote haben wir alternativ die Arbeitslosenquote und für die Abschätzung des Trends das Konzept der natürlichen oder strukturellen Arbeitslosigkeit verwendet. Während diese übli-cherweise in Form einer inflationsstabilen Arbeitslosenquote (NAIRU, non accelerating inflation rate of unemployment) aus einer Phillipskurve abgeleitet wird, haben wir eine Analyse auf Basis der Arbeitslosenquoten nach Bildungs-abschlüssen vorgenommen, die uns angesichts der Probleme bei der empiri-schen Ermittlung der NAIRU – insbesondere in den letzten Jahren – sinnvoller erschien.

Baby Boomer dominieren Entwicklung der Bevölkerung im er-werbsfähigen Alter

Unseren Berechnungen zufolge sinkt die Zahl der Bevölkerung von derzeit rund 80,5 Mio. bis 2030 um 4,4% auf knapp 77 Mio. (Variante 1 mit Nettozuwande-rung 100.000 p.a.) bzw. um 2,7% auf gut 78 Mio. (Variante 2 mit Nettozuwande-rung 200.000 p.a.). Bis 2050 summiert sich der Rückgang auf knapp 10% (Va-riante 2) bzw. rund 14% (Variante 1). Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter schrumpft dagegen aufgrund des Baby-Boomer-Effekts deutlich stärker. Unter den Baby-Boomer-Generationen werden in Deutschland die geburtenstarken Jahrgänge der im Zeitraum von 1955 bis Ende der 60er Jahre Geborenen be-zeichnet. Diese erreichen etwa ab 2020 das Rentenalter, scheiden damit ent-sprechend aus der Gruppe der 15- bis 64-Jährigen aus und werden durch die nachfolgenden geburtenschwachen Jahrgänge nur zum Teil ersetzt. So nimmt die Zahl der 15- bis 64-Jährigen bis 2030 um 14% (Variante 1) bzw. 12% (Va-riante 2) ab und verringert sich bis 2050 noch einmal um 16,5% bzw. 12%. Bis 2050 nimmt damit die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter um fast 15 Mio. (Variante 1) bzw. 12 Mio. (Variante 2) ab.

Die Alterung der Bevölkerung bewirkt damit erhebliche Änderung in der Bevöl-kerungsstruktur. So sinkt der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Szenario 1 bis 2050 um über 10 Prozentpunkte auf 55,5%, während der Anteil der über 65-Jährigen um 13 Prozentpunkte auf fast 34% steigt. Damit würde sich der Altenquotient, d.h. die Anzahl der Personen über 65 Jahre im Verhält-nis zu den Personen im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren bis 2050 auf über 60% nahezu verdoppeln.

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