FondsAnbieter- Deutsch Bank Research: Deutsche Industriebranchen profitieren von Freihandel

02. September 2015 von um 11:00 Uhr
Anbieter. Berichten.Wie beurteilen FondsAnbieter ihre Anlagerreigionen ? Wie fällt die Analyse der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) über Fundamentaldaten, Währungen und Kapitalflüsse aus? Informationen direkt aus dem Research Centern der FondsBranche finden SJB FondsBlogger in der Kategorie "Anbieter. Berichten."

unabhaengigkeitFondsAnbieter- Deutsch Bank Research: Freihandel verleiht allen beteiligten Handelspartnern wirtschaftliche Impulse. SJB FondsSkyline OHG 1989. PortfolioManagement. Antizyklisch.Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Südkorea ist hierfür ein relativ junges Beispiel. Im 1. Halbjahr 2015 lagen die deutschen Warenausfuhren nach Südkorea um mehr als 50% über dem Niveau vor Inkrafttreten des Abkommens im Juli 2011; die gesamten deutschen Exporte nahmen im gleichen Zeitraum dagegen lediglich um 13% zu. Die deutschen Einfuhren aus Südkorea sanken zwar im gleichen Zeitraum. Dies ist jedoch auf zwei branchenspezifische Sondereffekte zurückzuführen. Ohne diese Effekte stiegen die deutschen Einfuhren aus Südkorea überdurchschnittlich stark an. Die positiven wirtschaftlichen Impulse sollten auch bei den aktuellen TTIP-Verhandlungen ein starkes Argument sein.

Seit einigen Monaten werden die potenziellen Vor- und Nachteile des Freihandels im Allgemeinen und speziell von bilateralen Freihandelsabkommen kontrovers diskutiert. Ein wesentlicher Auslöser für die Diskussion in Europa dürfte die transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) sein, welche derzeit zwischen der EU und den USA verhandelt wird. Kritiker solcher Abkommen wie TTIP befürchten vor allem Einbußen im Bereich des Verbraucher- und Umweltschutzes, der Datensicherheit, erzwungene Privatisierungen öffentlicher Dienstleistungen oder eine zu hohe Machtfülle bei großen Konzernen. Einige Interessengruppen, die sich grundsätzlich gegen den Abschluss jeglicher Handelsabkommen stellen, bezweifeln darüber hinaus sogar positive Effekte für das Handelsvolumen, die Wirtschaftsleistung oder die Arbeitsmärkte auf beiden Seiten des Atlantiks.

David Ricardo hatte im frühen 19. Jahrhundert die theoretische Grundlage dafür erarbeitet, dass Freihandel zwischen zwei Nationen aufgrund unterschiedlicher komparativer Kostenvorteile für beide Länder vorteilhaft ist. Noch heute zählt das Ricardo-Modell mit dem Beispiel des Handels von Tuch und Wein zwischen England und Portugal zum Standardrepertoire des wirtschaftswissenschaftlichen Studiums.

Freihandelsabkommen mit Südkorea beflügelt Güterhandel

Die jahrzehntelangen Erfahrungen der Handelsliberalisierungen zeigen, dass diese Theorie auch den Praxistest besteht. Ein relativ junges Beispiel ist das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Südkorea. Dieses trat im Juli 2011 in Kraft. Es umfasst u.a. einen weitgehenden Abbau von Zöllen sowie von nicht-tarifären Handelshemmnissen. Die dynamische Entwicklung des Handelsvolumens etwa zwischen Deutschland und Südkorea seit Inkrafttreten des Abkommens verdeutlicht dessen Vorteile für beide Seiten. Im 1. Halbjahr 2015 lagen die gesamten deutschen Warenausfuhren nach Südkorea – trotz des dort nicht außergewöhnlich hohen Wirtschaftswachstums – nominal um rd. 51% über dem Niveau des 1. Halbjahres 2011 (also dem Zeitraum unmittelbar vor Inkrafttreten des Abkommens). Dies ist eine bemerkenswerte Dynamik, denn die gesamten deutschen Ausfuhren legten im gleichen Zeitraum lediglich um knapp 13% zu. Betrachtet man die großen Handelspartner Deutschlands, stiegen lediglich die deutschen Exporte in die USA (mit +58%) noch kräftiger als jene nach Südkorea. Die höheren deutschen Ausfuhren nach Südkorea wurden durch die tendenzielle Abwertung des Euro gegenüber dem koreanischen Won im betreffenden Zeitraum begünstigt. Allerdings wertete der Euro auch gegenüber den Währungen anderer wichtiger Handelspartner in ähnlichem Umfang ab, ohne dass die Exporte dorthin derart kräftig gestiegen wären.

Fast alle großen deutschen Industriebranchen konnten ihre Ausfuhren nach Südkorea seit Abschluss des Freihandelsabkommens steigern. Unter den bedeutenden Exportbranchen verzeichnete die Automobilindustrie die größte Dynamik: Im 1. Halbjahr 2015 übertrafen die Exporte der Branche nach Südkorea den Wert des 1. Halbjahres 2011 um 159%. Traditionell war Südkorea für die deutschen Autohersteller (und auch die Zulieferer) u.a. aufgrund von nicht-tarifären Handelshemmnissen ein nur schwer zugänglicher Markt. So lag der Marktanteil von deutschen Konzernmarken an den Pkw-Verkäufen in Südkorea 2010 erst bei 4,1%. Seither stieg dieser Anteil stetig an und erreichte in den ersten sieben Monaten von 2015 bereits knapp 12%. Auf die Automobilindustrie entfielen im bisherigen Jahresverlauf von 2015 rd. 34% aller deutschen Ausfuhren nach Südkorea.

Auch andere deutsche Exportbranchen wie die Elektrotechnik, die Chemie- und die Pharmaindustrie sowie die Metallindustrie konnten ihre Ausfuhren nach Südkorea im Zuge des Freihandelsabkommens stark ausweiten. Lediglich im Maschinenbau lagen die Exporte im 1. Halbjahr 2015 nominal um 7,4% unter dem Niveau des 1. Halbjahres 2011. Ein Grund für diesen Rückgang könnte in der Konkurrenz zum chinesischen Maschinenbau liegen, denn die Exporte von Investitionsgütern aus China nach Korea stiegen im genannten Zeitraum an. Zudem fiel die Investitionstätigkeit in Korea von 2011 bis 2014 insgesamt verhalten aus, was insgesamt dämpfend auf die Nachfrage nach Maschinen und Ausrüstungen gewirkt hat. Unter dem Strich hat die deutsche Industrie auf der Exportseite aber vom Freihandelsabkommen mit Südkorea profitiert.

Warenimporte aus Südkorea durch Sondereffekte verzerrt

Außenhandel ist natürlich keine Einbahnstraße. So würde man erwarten, dass auch die deutschen Wareneinfuhren aus Südkorea seit Inkrafttreten des Freihandelsabkommens gestiegen sind. Dies ist jedoch nicht der Fall: Im 1. Halbjahr 2015 lagen die deutschen Importe aus Südkorea nominal um rd. 34% unter dem entsprechenden Niveau von 2011. Im gleichen Zeitraum stiegen die gesamten deutschen Importe dagegen um gut 5%. Die auf den ersten Blick überraschend negative Entwicklung der Einfuhren aus Südkorea lässt sich aber im Wesentlichen durch zwei Sondereffekte erklären:

Erstens sind die deutschen Importe im Bereich des sonstigen Fahrzeugbaus (in diesem Fall überwiegend Schiffe) im betreffenden Zeitraum dramatisch eingebrochen, und zwar um mehr als 96%. Dies ist auf die anhaltend hohen Überkapazitäten in der globalen Seeschifffahrt zurückzuführen. Deutsche Reedereien hielten sich angesichts dieser Krise mit Bestellungen neuer Schiffe zurück, weshalb die betreffenden Importe aus Südkorea, das zu den drei größten Schiffbaunationen der Welt zählt, entsprechend sanken. Im ersten Halbjahr 2011 entfielen noch 29% aller deutschen Wareneinfuhren aus Südkorea auf den sonstigen Fahrzeugbau. Im bisherigen Jahresverlauf von 2015 waren es nur noch 1,5%.

Zweitens schrumpften im hier relevanten Zeitraum die deutschen Importe von Datenverarbeitungsgeräten, elektrischen und optischen Erzeugnissen (überwiegend Konsumelektronik) aus Südkorea um rd. 30%. Maßgeblich für diese Entwicklung dürften Produktionsverlagerungen südkoreanischer Firmen aus dieser Branche nach China oder in südostasiatische Länder (z.B. ASEAN-Staaten) gewesen sein, in denen die Lohnkosten niedriger sind als in Südkorea; insgesamt nahm auch die Konkurrenz aus diesen Staaten zu. So stiegen die deutschen Einfuhren der betreffenden Erzeugnisse aus wichtigen ASEAN-Ländern, aus China, aber zum Teil auch aus Osteuropa kräftig an, was offenbar Importe aus Südkorea ersetzte. Dennoch ist die Konsumelektronik mit einem Anteil von aktuell 35% an allen deutschen Importen aus Südkorea noch immer die wichtigste Produktgruppe auf der Einfuhrseite.

Die beiden Beispiele zeigen, dass bilaterale Handelsbeziehungen durch Freihandelsabkommen natürlich nicht immun sind gegen übergeordnete konjunkturelle oder strukturelle Entwicklungen. Die grundsätzlich positiven Wirkungen von Freihandel zeigen sich jedoch beim Blick auf die deutschen Warenimporte aus Südkorea ohne die beiden genannten Gütergruppen. Diese lagen im 1. Halbjahr 2015 nominal um etwa 34% über dem Niveau des 1. Halbjahres 2011 (gegenüber dem bereits erwähnten Zuwachs der gesamten deutschen Wareneinfuhren von nur 5%). Unter den großen Handelspartnern Deutschlands legten lediglich die Importe aus Polen noch kräftiger zu als jene aus Südkorea.

Auf Branchenebene stiegen die Einfuhren aus Südkorea im hier betrachteten Zeitraum vor allem in den Bereichen elektrische Ausrüstungen (+65,9%), Gummi- und Kunststoffwaren (+47,1%), Automobilindustrie (46,5%) und chemische Erzeugnisse (+43,1%) kräftig an. Im Maschinenbau fielen die Zuwächse mit 15,9% unterdurchschnittlich aus.

Das erhöhte Handelsvolumen zwischen Deutschland und Südkorea spricht dafür, dass sich der Wettbewerb in den betreffenden Branchen erhöht hat. Letztlich können davon aber gewerbliche und private Endkunden etwa in Form von niedrigeren Preisen und/oder einer größeren Produktauswahl profitieren.

Bilaterale Freihandelsabkommen nur Second-Best-Lösung

Die skizzierten Zahlen bestätigen anhand eines empirischen Beispiels, dass Freihandel für alle am Abkommen beteiligten Parteien positive wirtschaftliche Impulse bringen kann. Dies sollte auch bei den TTIP-Verhandlungen ein starkes Argument sein, zumal die EU-Kommission die gegenüber TTIP vorgetragenen kritischen Argumente transparent aufgreift und glaubwürdig zu entkräften versucht. Natürlich wird man es bei einem derart umfangreichen Vertragswerk nie allen Interessengruppen recht machen können. Unbestritten wären umfangreiche Freihandelsabkommen auf Ebene der WTO den immer häufiger ausgehandelten bilateralen Freihandelsabkommen überlegen. Gerade die deutsche Industrie würde aufgrund ihrer globalen Ausrichtung von mehr Freihandel profitieren. Da die Fortschritte im Rahmen der WTO jedoch nur marginal sind, können bilaterale Abkommen zumindest als Second-Best-Lösung bezeichnet werden. Mit TTIP würden die beiden weltweit größten Wirtschaftsräume auf Handelsebene noch enger zusammenrücken. Daran könnten sich künftig auch andere Staaten orientieren, wenngleich ein finaler Abschluss noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte.

 

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