Fonds-Anbieter- GAM: Die Inflation kehrt zurück – Investoren sollten Umschichtungen in inflationsgebundene Anleihen ins Auge fassen

08. Dezember 2016 von um 10:00 Uhr
Wie beurteilen FondsAnbieter ihre Anlagerreigionen ? Wie fällt die Analyse der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) über Fundamentaldaten, Währungen und Kapitalflüsse aus? Informationen direkt aus dem Research Centern der FondsBranche finden SJB FondsBlogger in der Kategorie "Anbieter. Berichten."

unabhaengigkeitFonds-Anbieter- GAM: Inflation in Großbritannien und dem Euroraum gestiegenSJB Fonds in der Presse

Korrektur an den Anleihenmärkten macht teils hohe Gewinne seit Jahresanfang zunichte

Relative Attraktivität der „Linker“ gegenüber nominalen Pendants sticht heraus

An den Anleihenmärkten sind derzeit deutliche Kursrückgänge zu beobachten, und die von den Anlegern im laufenden Jahr erzielten Gewinne schmelzen dahin. Höhere Inflationserwartungen sind seit kurzem wieder eine der Sorgen, die die Märkte umtreiben. Für Bernhard Urech, Fixed-Income-Manager bei GAM, bieten inflationsgebundene Anleihen eine wirksame Möglichkeit, sich gegen diese Sorge abzusichern. Doch bevor sich Anleger nun auf diese Anlageklasse stürzen, sollten sie einige Dinge beachten.

„Seit Jahren haben die Zentralbanken immer wieder in die Trickkiste gegriffen, um die Deflation zu bekämpfen, und es sieht so aus, als hätten sie damit Erfolg gehabt. Mittlerweile scheint sich die Inflation wieder zu regen, beispielsweise in der Eurozone und in Großbritannien“, erklärt Urech. Die Anleihenmärkte reagierten rasch darauf. Auch Donald Trumps Wahlsieg habe Wirkung gezeigt. „Das von Trump versprochene billionenschwere, schuldenfinanzierte Konjunkturprogramm zur Sanierung der in die Jahre gekommenen US-Infrastruktur hat an den Märkten für US-Treasuries die Alarmglocken schrillen lassen. Die Marktteilnehmer befürchten, dass das Wahlprogramm in Verbindung mit der geplanten Senkung der Unternehmenssteuern die öffentlichen Finanzen belasten und die Inflation anheizen könnte“, erklärt der GAM-Experte.

Die Korrektur hat bereits einen Teil der recht hohen Gewinne zunichtegemacht, die seit Jahresbeginn am Anleihenmarkt erzielt wurden, sodass die Anleger nun eilig ihre Anleiheallokationen unter die Lupe nähmen. Mit dem Comeback der Inflation rücken inflationsgebundene Anleihen – sogenannte „Linker“ – wieder stärker ins Blickfeld. Doch sind diese Instrumente die Lösung?

Relative und absolute Attraktivität im Vergleich

„Wir sehen inflationsgebundene Anleihen als Lösung für Anleger, die bereits Allokationen in traditionellen Anleihen der Industrieländer halten. Doch zunächst möchten wir mit einigen Mythen aufräumen: Die Inflationsrate eines Landes allein eignet sich nicht besonders gut, um die relative Attraktivität einer inflationsgebundenen Anleihe im Vergleich zu einer herkömmlichen Anleihe zu beurteilen“, so Urech. Dazu bedürfe es einer Betrachtung der Breakeven-Inflationsraten, also der Höhe der Geldentwertung, ab der sich inflationsindexierte Anleihen lohnen. Je niedriger diese seien, umso günstiger sei der Linker oder die Inflationsabsicherung.

Doch vor der Beurteilung der relativen Attraktivität ist es Urech zufolge sinnvoll zu analysieren, welche Märkte auf absoluter Basis am attraktivsten sind. Die Frage laute daher: An welchen Märkten sollte man sich angesichts der verfügbaren Renditen engagieren? „Das Maß für die absolute Attraktivität sind die Realrenditen – je höher sie sind, umso attraktiver ist der Linker.“

Ausgehend von dieser Überlegung beurteilt Urech die absolute Attraktivität der vier wichtigsten Märkte (US-Dollar, britisches Pfund, Euro und Japanischer Yen) wie folgt: „Die Realrenditen sind im Allgemeinen recht teuer, vor allem an Märkten, die von der quantitativen Lockerung der Geldpolitik profitieren, wo sie deutlich im Minus liegen – beispielsweise in Großbritannien und der Eurozone. Daher sind Linker ähnlich wie nicht-inflationsgebundene Anleihen auf absoluter Basis nicht besonders attraktiv und bleiben anfällig für einen Anstieg der Realrenditen“. Dieser Anstieg könnte durch einen erneuten ‚Drosselungseffekt‘, der im Englischen als Tapering bezeichnet wird, ausgelöst werden, wenn die verschiedenen Zentralbanken das Ende ihrer Bemühungen im Bereich der geldpolitischen Lockerung verkünden sollten.

„Von den vier Märkten ist der US-amerikanische Markt mit einer Realrendite von 0,8 Prozent auf Basis des 5J-5J-Forward der attraktivste. Der US-Markt hat die Drosselung bereits hinter sich, seit die Realrenditen 2013 massiv korrigierten“, so Urech weiter. Abseits der Hauptmärkte sei Neuseeland mit einer Realrendite von 2,25 Prozent für den 5J-5J-Forward am günstigsten.

Es ist sinnvoll, herkömmliche Anleihen durch Linker zu ersetzen

Für Anleger, die in Staatsanleihen der Industrieländer engagiert sein müssten oder ein solches Engagement anstrebten, sei die relative Attraktivität der Linker gegenüber ihren nominalen Pendants besonders interessant. „Auf Basis der Breakeven-Inflationsraten sind inflationsgebundene Anleihen unseres Erachtens angemessen bis leicht günstig bewertet. Das heißt, die langfristigen Inflationserwartungen sind angemessen niedrig oder liegen sogar unter den Inflationszielen der Zentralbanken“, betont Urech. Daher böten sie eine wirksame Absicherung gegen die Inflation. Die Linker dürften sich also bei einem Anstieg der Inflation und der Inflationserwartungen besser entwickeln als herkömmliche Anleihen. Großbritannien sei in dieser Gruppe ein Ausreißer, da die Breakeven-Inflationsrate dort bereits fast drei Prozent betrage, was Urech als „noch angemessen bis beinahe teuer bewertet“ betrachtet.

„Aus Sicht der Asset-Allokation für ein bestehendes Portfolio halten wir es für sinnvoll, die aktuelle Allokation in Nominalanleihen, also das bestehende nominale Durationsrisiko, durch inflationsgebundene Anleihen zu ersetzen. Dies dürfte zusätzliche Verluste im Falle steigender Realrenditen verhindern, auch bei einer Outperformance gegenüber herkömmlichen Anleihen. In diesem Szenario spielen Linker eine sehr wichtige Rolle“, schließt Urech.

 

gamGAM. Hintergründig.

GAM wurde 1983 als FondsTochter der UBS gegründet. Von 1999 bis 2005 gehörte die Gesellschaft zum Bankhaus Julius Bär. Seit September 2009 ist GAM selbständig. Fonds: 450. Verwaltetes Vermögen: 36,9 Mrd. Euro. Anzahl der Mitarbeiter: 760. Geschäftsführer: David M. Solo.

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