SJB-Fonds-Investoren-StandPunkte: Staatsanleihen in Europa vor der Kernschmelze?

16. November 2011 von um 17:35 Uhr
Gerd Bennewirtz, Gründungsgesellschafter SJB der SJB FondsSkyline OHG 1989.Die StandPunkte sind der börsentägliche Informationsservice für die Premiumkunden der SJB. Sie behandeln Ereignisse aus dem Alltag, sind aber alles andere als alltäglich. Wir sind politisch, wenn nötig polemisch und immer ironisch. Warum sonst hätten wir abendliche Stammleser seit 2003? Hm?

Garantierte Individualität finden Sie bei uns in jedem FondsDepot! SJB-Fonds-Investoren-StandPunkte: Staatsanleihen in Europa vor der Kernschmelze? Man habe in Mailand eine „ordentliche Emission von Staatsanleihen“ gesehen, sagen Beobachter. Italien habe zwar gestiegene Zinsen für seine Staatsanleihen in Kauf nehmen müssen, aber immerhin alles verkauft. Staatsanleihen mit fünfjähriger Laufzeit zu einem durchschnittlichen Zinssatz von 6,29 Prozent bescheren Italien drei Milliarden Euro. Bei der letzten vergleichbaren Auktion von Staatsanleihen vor einem Monat hatte der Zinssatz noch bei 5,32 Prozent gelegen. Für den Moment sind das positive Nachrichten für Europa, doch schon jetzt setzt sich in Europa und darüber hinaus wieder Skepsis durch. „Die Geschichte wiederholt sich“, sagt Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer der SJB FondsSkyline OHG 1989. „Nur die Folgen für Europa sind bei Italien viel größer als in Griechenland.“ Der FondsSpezialist und Berater der SJB bezieht StandPunkt. Zur drohenden Kernschmelze der Staatsanleihen in Europa. Und zu Lösungen für private Investoren und ihre Berater.

Liebe FondsBlogger, die Zinssätze für italienische Staatsanleihen erreichten gestern wieder die kritische Masse jenseits der 7,0 Prozent. Ab diesem Wert kann sich ein Staat in Europa nicht dauerhaft genug Geld beschaffen, um seine Kredite samt Zinsen zurückzuzahlen. Ab diesem Wert warfen Griechenland, Irland und Portugal das Handtuch und flüchteten unter den Rettungsschirm in Europa. Damals wie heute treiben Spekulanten und Panikverkäufer mit Staatsanleihen aus Europa eine Kettenreaktion voran, neben der die gehebelten 1.000 Milliarden Euro des Rettungsschirms wie eine Randnotiz aussehen.

Die Krise der Staatsanleihen in Europa ist im Kern angekommen. Durch die Peripheriestaaten hindurch hat sie sich bis zu den Kernstaaten in Europa vorgefressen. Die Brandbeschleuniger für die Staatsanleihen sind nach SJB Überzeugung mentaler Natur: Die Schulden in Europa wachsen, weil das Vertrauen fehlt, und das Vertrauen schmilzt weiter, weil die Schulden so hoch sind. Fast scheint es, als könnte Europa Griechenland die Schulden gar nicht so schnell erlassen, wie sie durch Zins und Zinseszins der Staatsanleihen wachsen. Gestern streifte die Zinsspirale auch Belgien, Niederlande, Frankreich und Österreich. Bis auf Belgien sind diese Länder allesamt mit einer Bonität von Triple-A ausgestattet. Und wer glaubt in Europa wirklich an einen Unfall bei Standard & Poor’s, die Frankreich jüngst „irrtümlich“ herabstufte? Wer glaubt wirklich an eine Panne, als der Versuch der EU-Kommission, Ratings für Staatsanleihen aus Europa einfach zu verbieten, kläglich scheiterte? Negative Ratings mögen ad hoc negative Prozesse beschleunigen. Doch die Ursachen liegen tiefer. Der Grund für die Kernschmelze der Staatsanleihen sind die institutionellen Investoren und Berater. Deren Investitionszwänge in der Anlageklasse Staatsanleihen aus Europa werden nach SJB Analyse von Spekulanten schamlos ausgenutzt. Jede Versicherung, jeder Pensionsfonds und jede Pensionskasse aus Europa ist gezwungen, zumindest einen Teil der Kundengelder in eine früher weitestgehend risikofreie Anlageklasse Staatsanleihen zu investieren. Darum steckt so viel Geld in Staatsanleihen aus Europa und darum reagieren institutionelle Investoren und die Berater, die hinter ihnen stehen, so panisch auf die spekulativen Schwankungen: Die alte Ordnung befindet sich in Kernschmelze, und die institutionellen Investoren und deren Berater wissen nicht, wohin mit ihrem Geld.

Die Phantasie der institutionellen Investoren und ihrer Berate reicht derzeit nur so weit, sich immer weiter in Staatsanleihen aus dem Kern Europas zurückzuziehen, bis auch die letzten Staatsanleihen von der Kernschmelze erreicht werden: Noch hält beispielsweise Österreich als Bonität ein Triple-A. Noch hält beispielsweise Österreich als Bonität ein Triple-A. Um es zu gefährden, reicht heute eine absurde Analystenbeobachtung („Hat Österreich historisch nicht mit Ungarn zu tun, k.u.k und so?“). Nicht mehr harte Fakten bestimmen die Bonität eines Landes, sondern der Bildungshorizont eines Raters. In dem verzweifelten Bemühen, für ihre Investoren Rendite und Sicherheit zu gewährleisten, lassen sich auch die institutionellen Investoren und ihre Berater in die Kettenreaktion hineinziehen. So berichtet die Financial Times von neuen Details zum geplanten freiwilligen 50- Prozent-Schuldenerlass für Griechenland seitens des Finanzsektors. Den Angaben zufolge fordern die Gläubiger unter den Investoren und deren Berater für die neuen Staatsanleihen höhere Zinsen sowie zusätzliche Zahlungen bei einer Erholung Griechenlands. Die Verhandlungen über die Zukunft der Staatsanleihen in Europa sollen morgen starten, und von Griechenland erwarten Investoren und Berater ein Entgegenkommen: Direkt hinein in die Kernschmelze der griechischen Staatsfinanzen.

Und die Retter? Die Europäische Finanzmarktstabilisierungsfazilität (EFSF) bekam selbst die Kettenreaktion zu spüren. Die beiden gerade erst emittierten EFSF Anleihen schreiben schon tiefrote Zahlen. Die Risikoprämie der Staatsanleihen aus ganz Europa zu deutschen Bundesanleihen liegt aktuell bei rund 200 Basispunkten. Theoretisch müsste der Zinssatz laut SJB Research viel niedriger liegen, und zwar im Durchschnitt der Renditen der finanzstarken Triple-A-Länder. „Der Anstieg der Risikoaufschläge bei den Anleihen des EFSF ist ein Alarmsignal“, erklärt ein Kreditanalytiker und Berater von Moody’s. Er decke die Grenzen des Hilfsfonds auf. Viele Marktbeobachter und Berater sähen im Versagen der EFSF den Grund für die neuerliche Ausverkaufswelle an den Märkten.

SJB FondsSkyline. Fazit. Staatsanleihen in Europa vor der Kernschmelze? An selbsternannten Ratgebern und Beratern fehlt es nicht. Analysten aus Singapur empfehlen den Krisenländern statt Staatsanleihen goldgedeckte Anleihen. So sei es Ländern aus Europa wie Griechenland, Spanien oder Irland möglich, die „restriktive Eurozone mit ihrer deprimierenden Sparpolitik“ zu verlassen. Und wenn das Gold einfach schmilzt? An den angelsächsischen Kapitalmärkten, rufen institutionelle Investoren und ihre Berater immer lauter nach dem Einsatz der „Bazooka“. Motto: Feuer bekämpft man mit Feuer. Im Gegensatz zu dem Rettungsschirm EFSF verfüge die Notenbank EZB über unbegrenzte „Feuerkraft“, da sie mit neu gedrucktem Geld Staatsanleihen am Markt in Europa kaufen könne, so institutionelle Investoren und ihre Berater. EZB-Präsident Draghi müsse sich bald entscheiden, sagt ein Harvard-Historiker: Entweder er werfe bald die Notenpresse an, um Staatsanleihen zu kaufen, oder er werde der letzte Chef der Europäischen Zentralbank sein. Liebe zu Europa spricht daraus nicht. Wenn die EZB die Notenpresse anwirft, steigt das Inflationsrisiko etwa in dem Maß, wie der Reformdruck auf die Krisenstaaten nachlässt. Das wäre die eigentliche Kernschmelze. Für den Euro und für Europa.

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Ihr persönlicher SJB FondsBerater hat keine Bazooka. Aber viel Erfahrung in der Asset Allocation Ihres Vermögens. Sie erreichen ihn unter der Rufnummer +49 (0) 2182-852-0 oder per E-Mail unter Fonds@sjb.de.

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